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5 (1863) Fünfter Band. Kopal–Ozon
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Krapp

Mikroskop zu Hülse kommt, einer genauen Controle; annähernd ermittelt man fie nach Schlum-berger'A Vorschlage durch ein Probesärben, welchem man gleichgroße Stücke eines Gewebes mitder zu prüfenden Sorte und einem anerkannt guten Krapp unterwirft.

Die chemische Untersuchung der Färberröthe hat wegen der technischen Wichtigteil desArtikels eine große Anzahl wissenschaftlicher Cbemiker beschäftigt, ohne indeß bisher zu überemstim-menden Resultaten geführt zu haben. Dieselbe bietet wegen der Wandelbarkeit der organischenFarbstoffe so große Schwierigkeiten, daß noch nicht einmal feststeht, welche der fast von je ®Untersucher neu entdeckten Stoffe in der Wurzel ursprünglich enthalten sind und welche m her-laufe der Arbeit sich neu gebildet haben. Nach einer der neuesten Arbeiten von Rochleder enthaltdie frische levantinische Krappwurzel außer Holzfaser, Wasser und Aschenbestandtheilen: Gummi,Schleim, Zucker, Fett, Harze, Pektinsäure, Citronensäure, die farblose unkrystallinische Rubichlor-säure, die in gelben seidenglänzenden Prismen auftretende Ruberythrinfäure (das X-mthm oderKrappgelb früherer Untersucher), einen rothgelben krystallisirbaren Farbstoff, das Rubiacin (Krapp-orange) und die beiden rothen Farbstoffe Alizarin und Purpurin. Nur die beiden letzten, überwelche der Art. Alizarin berichtet, find für den Färber von Werth; alle übrigen Bestandtheilebeeinträchtigen die Schönheit der zu erzielenden Farbentvne oder sind wenigstens ein unnützerBallast, dessen Transportkosten den Preis des Materials vertheucrn. Man hat deshalb eineReihe von Präparaten dargestellt, welche die Pigmente des Krapps in mehr concentrirter Formdarbieten. Dahingehören zunächst die Krappblumen, welche durch sorgfältiges Auswaschender gepulverten Wurzel mit heißem Wasser oder sehr verdünnter Schwefelsäure, Auspressen undTrocknen erhalten werden; sie find dem gewöhnlichen Krapp ähnlich, besitzen aber ein viel größeresFärbevermögen. Die zu'ckerreichen Waschwässer werden neuerdings auf Spiritus verarbeitet,indem man sie durch Hefe in Gärung bringt und dann destillirt; man erhält einen Weingeist, derzwar durch ein übelriechendes Fuselöl verunreinigt, zu Firnissen u. s. w. indeß vollkommen brauch-bar ist. Die Darstellung und Verwendung der 1828 von Robiquet und Colin erfundenen Ga-canci'ne^(Krappkohle) gründet sich auf die Erfahrung, daß die Farbstoffe des Krapps durchSchwefelsäure schwer angegriffen werden und in verdünnter Schwefelsäure unlöslich sind, währenddie übrigen Bestandtheile der Wurzel durch Schwefelsäure verkohlen und sich durch Auswaschengroßentbeils entfernen lassen. Man erhitzt die feingemahlene Wurzel mit einer Mischung aush/z Thl. Schwefelsäure und 1 Thl. Wasser eine Stunde lang auf 100°, wäscht sorgfältig aus, preßt,trocknet und erhält dadurch ein Präparat, welches den Krapp drei- bis viermal an Färbekraftübertrifft. Behandelt man den durch Ausfärben zum Theil erschöpften Krapp in derselben Weisemit Schwefelsäure, so entsteht ein der Garancme ähnliches, natürlich farbstofsärmeres Product,das Garan ceux. Eine andere Kategorie von Krappprüparaten wird durch Ausziehen des Farb-stosss mit paffenden Lösungsmitteln dargestellt. -So die verschiedenen Krappextracte, zu derenAnfertigung man die Wurzel entweder mit reinem Wasser auszieht oder dieselbe mit alkalischenFlüssigkeiten extrahirt, den Auszug mit Schwefelsäure fällt, den erhaltenen Niederschlag in Alkohollöst und letzter» abdestillirt(Verdeil und Michel), oder endlich nach E.Kopp und Clark mit wässerigerschwefliger Säure auszieht, das Filtrat mit einer starken Säure versetzt und den rothen Nieder-schlag (rothes Krappextract, Purpurin) trocknet oder in Teigform aufbewahrt. Ein wamgeis ige,,M Trockne verdunstetes Extract der Garancme ist das Colorine, em ocherge e Pu^ er.Azale, ein gelbes Pulver, welches von Frankreich aus in den Handel kommt und durch Aus-ziehen der Krappblumen mit siedendem Holzgeist und Fällung mit Waffer dargestellt wird, ist

wahrscheinlich unreines Alizarin. ... , ,

Der Krapp und seine Präparate gehören zu den unentbehrlichsten Materialien für den Färberund Zengdrucker, theils wegen der Echtheit der damit zu erzielenden sarben, theils wegen derSchönheit und Mannichsaltigteit der Nuancen, welche die Farbstoffe desselben m, verschiedenenBeizen liefern. So gründet sich ein wichtiger Zweig der Färberei, das Turkischrothfarben, welchesbesonders in der Schweiz, im Elsaß, in Deutschland nameiitlich zu Elberfeld blüht, allein auf d.eAnwendung des Krapps ; außerdem werde,: theils mit diesem allem, theils m Verbindung mrtandern Pigmenten violette, braune und schwarze Farben aus Wolle und Baumwolle befestigt.(Rahcres s. im Art. Färberei und Zeugdruck, Bd. Il, S- 535 und 538.) , .

Eine weitere wichtige Verwendung findet der Krapp zur Bereitung einer schön rothen, lüft-end lichtbeftändigen Lackfarbe, des Krapplacks (Krappkarmin). Derselbe besteht wesentlich aus«ner Verbindung von Thonerdehydrat oder basisch-schwefelsaurer Thonerde mit den rothen Farv-stvffen der Wurzel, mehr oder weniger gemengt mit überschüssiger Thonerde, mit Gyps, Kre, ">-1-v-,von de^u Menge die Tiefe des Farbentons und die Deckkraft des Präparats, welches als ^ei-