134 Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit
oder 5 Fuß aus Auge herangerückt ist, kann im allgemeinen die Kurzsichtigkeit belangreich werden.Bis zu einem Fernpunktabstande von etwas über einen Fuß nennt man die Kurzsichtigkeit eineniedergradige, bei Fernpunktabständcn bis zu 6 Zoll eine mittelgradige, bei Fernpunktabstände»bis zu 2 Zoll eine hochgradige. Noch stärkere Kurzsichtigkeit kommt selten ohne andere begleitendeschwere Störungen des Sehvermögens vor.
Um den Abstand des Fernpunktes zu bestimmen, mißt man die Entfernung, in welcher daskurzsichtige Auge mittle oder kleine Druckschrift leicht und auf die Dauer zu lesen vermag °, dieseEntfernung ist der Ferupunktsabstand. Je nach der Größe desselben wählt man größere oder kleinereSchrift. Bei Ferupunktsabständen zwischen 1 und 2 Fuß paßt ungefähr diese Druckschrift, beiAbständen von 2 — 5 Fuß die Artikelüberschrift, bei Abständen unter einem Fuß ist Petitschriftzu wählen. Die verschiedenen Schriften sind darum nöthig, weil dieselbe Schrift, welche in derNähe große Netzhautbilder gibt, in der Ferne nur kleine gibt. Sind die Netzhautbilder groß, 1"kann man sie noch erkennen, wenn sie gleich infolge von Zerstreuungskreisen etwas verwasch-Msind, wenn also die Schrift schon über den Fernpunkt hinausliegt; sind andererseits die Netzhaut'bilder zu klein, um überhaupt erkannt zu werden, so kann die Schrift selbst innerhalb der deutliche"Sehweite nicht lesbar sein. Stets muß man die Messung mehrmals vornehmen und einmal d>rSchrift aus der Ferne allmählich nähern, das andere mal aus der Nähe allmählich entfernen.Zur genauern Messung bedarf der Arzt umständlicher Methoden und Instrumente.
Der Nahpunkt, welcher, wie erwähnt, bei gesundem Anpassungsvermögen des Auges ebenfallsregelwidrig nahe rückt, wird in ähnlicher Weise durch Messung der größten Nähe bestimmt, >"welcher der Kranke noch sehr seine Schrift zu lesen vermag. Da der Nahpunktsabstand oft nur3 oder 2 Zoll, in seltenen Fällen noch weniger beträgt, so muß man bisweilen die feinste Petit'schrift zur Messung wählen, damit nicht die verhältnißmäßig großen Netzhautbilder trotz it> rcrZerstreuungskreise noch erkannt werden. Je näher der Nahpunkt dem Auge liegt, auf eine destogrößere Kurzsichtigkeit darf man schließen, nicht aber umgekehrt aus der Kurzsichtigkeit auf den* Nahpunktsabstand, weil, wie erwähnt, oft Kurzsichtigkeit mit mangelhaftem Nnpassungsvermöge"und also ein relativ entfernter Nahpunkt vorkommt.
Innerhalb seiner deutlichen Sehweite sieht der Kurzsichtige ebenso gut als der Normalsichtige,ja er hat sogar beim Nahesehn einiges vor diesem voraus. Erstens hat er, um in der Nähe schallzu sehen, nicht nöthig, seine Anpassungsmuskeln zu gebrauchen; während daher der Normalsichtigebei anhaltender Beschäftigung der Augen in der Nähe leicht ermüdet, hält der Kurzsichtige langeZeit aus. Zweitens hat der letztere den Vortheil, daß er infolge der großen Nähe, in welche erkleine Dinge dem Auge bringt, größere Netzhautbilder von denselben erhält und folglich so klein-'Einzelheiten derselben noch erkennt, wie sie der Nvrmalsichtige ohne Lupe nie zu sehen bekommt.Der Nähe der Sehobjecte wegen bedarf er auch zum Erkennen derselben keiner so hellen Belcucb'tung und leistet daher bei schwachem Lichte mit seinen Augen mehr als der Nvrmalsichtige. End'lich wird auch durch den fortwährenden Gebrauch der Augen in der Nähe der innere Augenmuskel,welcher das Auge nasenwärts dreht, wie jeder andere Muskel bei häufigen, Gebrauche stärker en>'wickelt als in andern Augen und hält demnach auch die dauernde Anstrengung, die er beim Nah-''sehen zu machen bat, besser aus. Doch hat dies seine Grenzen, und sehr viele Kurzsichtige bringe",um sich die anstrengende Einwärtsstellung der Augen zu ersparen, die Sehobjecte nur vor t"‘-eine Auge und sehen nur mit diesem, während das andere Auge sich der bequemsten Stellunghingibt, d. b. sich geradeaus richtet. Wie in den Art. Sehen und Schielen besprochen ist, cnt'stehen bei solcher unpassenden Augenstellung zwar Doppelbilder von dem betrachteten Dinge,allein die Aufmerksamkeit wendet sich nur dem einen Dvppelbilde zu, weil es schärfer ist,läßt das matte andere ganz unberücksichtigt.
Alle über seinen Fernpunkt hinaus gelegenen Dinge sieht das kurzsichtige Auge in umgrößer,, Zerstreu,„igskreisen, d. h. um so verwaschener, je entfernter sie sind und je größer d"'Pupille ist; denn die Größe der Zerstreuungskreise nimmt zu und ab nüt der Erweiterung u" 6Verengerung der Pupille. Daher vermag der Kurzsichtige durch halben Verschluß der Auge",bei welchem die Lider die Pupille von oben und unten her theilweise verdecken, die Pupille als"gleichsam verkleinert wird, auch die Zerstreuungskreise entsprechend zu verkleinern und etwas deut'sicher zu sehen, vorausgesetzt, daß die durch den halben Lidschluß bedingte Abschwächung desLichtes das Sehen nicht noch mehr beeinträchtigt, als die Zerstreuungskrcise es thaten. Das de">Kurzsichtige» eigene Zusammenkneifen der Augenlider ist ihm daher nur bei Heller Beleuchtungvon Nutzen; bei schwachem Lichte leidet er doppelt von seinem Uebel.
Die Ursachen der Kurzsichtigkeit liegen entweder in den lichtbrechenden Theilen, indem