Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit 135
^selben infolge zu starker Wölbung der Hornhaut oder Linsenoberfläche eine zu kurze Brenn-sodaß der Brennpunkt nicht auf die Netzhaut zu liegen kommt; oder die brechenden^ edien beptzen eine normale Brennweite, aber das Auge im ganzen hat einen abweichenden"u, derart, daß der Durchmesser von vom nach hinten übermäßig lang ist und die Netzhautlo ebenfalls über den Brennpunkt hinausliegt. Drittens endlich können beide Ursachen ver->Nt vorkommen.
■ , Die Kurzsichtigkeit aus regelwidriger Verkürzung der Brennweite beruht inenen Fällen auf zu starker Wölbung der Hornhaut, in den weitaus meisten Fällen aber aufstark gewölbten Linse, deren Durchmesser von vorn nach hinten abnorm groß, deren Quer-s*- e " er aii,nDnn ^ein ist. Die Linse hat also dauernd die Gestalt, in welche sie beim normal-^tigen Auge nur vorübergehend während des Nahesehens durch die Anpassungsmuskeln ge-wird. Während im gesunden Auge die Linse vermöge ihrer eigenen sowol als der Elasti-^ ^ benachbarter Theile in ihre alte Form zurückspringt im Augenblicke, wo oder wenigstens"achdeni die Anpassungsmuskeln sich wieder abspannen, verharrt das kurzsichtige Auge mehr£r weniger in der für die Nähe eingerichteten Form, weil die nöthige Elasticität fehlt. DieserängA ist wol oft der Anlage nach angeboren, sein wirkliches Hervortreten aber ist erworben,zwar durch übermäßigen Gebrauch der Augen in der Nähe, sei es, daß das Auge zu an-kernd für die Nähe überhaupt angepaßt, sei es, daß es zu oft in die höchsten Grade der An-s>IMng gebracht wird. In beiden Fällen leidet die zur Rückkehr in die alte Form nöthige Elasti-"ät; das Auge gewöhnt sich in die neue Form hinein, oder die Elasticität der betreffenden Theilewd überspannt, wie etwa ein Gummiband durch zu andauernde oder zu starke Spannung einenseiner Verkürzungsfähigkeit einbüßt. Wo die natürliche Elasticität der Linse u. s. w. groß^"ug ist, alle Mishandlung zu überstehen, wo also jede Anlage zur Kurzsichtigkeit fehlt; wird^lelbe allerdings ausbleiben; andernfalls aber entwickelt sie sich, sobald das Nahesehen dauernd? £ lhig wirb, also meist in den Schuljabren, vorzüglich bei Stadtkindern und überhaupt bei^chen jungen Leuten, deren Beschäftigung die Augen viel für die Nähe in Anspruch nimmt,nach der Art dieser Beschäftigung und dem Grade der Anlage wird dann auch der Grad des£ belz verschieden sein. Indessen kann es auf diese Weise doch meistens nur zur Kurzsichtigkeit^bern oder mittlern Grades kommen; denn einerseits wird ein andauernder Gebrauch der Augen^ £ >ne größere Nähe als 10 — 8 Zoll verbältnißmäßig selten nöthig sein, andererseits ist eine^Uerude Anpassung des noch regelrechten Auges für eine größere Nähe als 8 Zoll so anstrengend.He kaum längere Zeit auszuhalten ist. Solange also zur Verkürzung der Brennweite nicht' n anderweitiges Uebel oder der gleich zu besprechende abnorme Abstand der Netzhaut hinzukommt,die Kurzsichtigkeit in der Regel keine hochgradige sein.
.. Auch bei wirklich nicht vorhandener Anlage wird der eine bei derselben Beschäftigung kurzsichtig,le der andere ohne Schaden aushält, weil ersterer entweder bei zu schlechter Beleuchtung arbeitet° deshalb die Dinge ungewöhnlich nahe bringen muß, oder weil er in unpassender Stellungleitet, z. B. sich beini Schreiben zu weit vorlegt, oder weil er eine zu starke oder ganz überflüssigeWe beim Arbeiten trägt, oder weil seine Hornhaut oder Linse krankhaft getrübt ist und ihmaher kleine Dinge nur deutlich werden, wen» sie sehr große und helle Netzhautbilder geben, daher^ Auge sehr nahe liegen, u. dgl. m.
Nach Ablauf der Jugend entwickelt sich eine Kurzsichtigkeit aus verkürzter Brennweite fastle > denn die Krystalllinse ist dann ihrer ganzen Beschaffenheit nach nicht mehr zu Formänderungen»eneigt. In der Kindheit und Jugendzeit aber nimmt die Kurzsichtigkeit meist stetig, aber langsamsolange die Ursachen fortbestehen. Werden aber noch in der Jugend alle begünstigenden Uebel-^nde abgeschnitten, so bleibt die Kurzsichtigkeit aus verkürzter Brennweite meistens auch stehen" geht sogar bis zu einem gewissen Grade wieder zurück,k Die Kurzsichtigkeit aus zu großem Abstande der Netzhaut ist in ihrer Anlage angc-- und oft ererbt. Sie beruht aus einem Bildungsfehlcr der Augen, infolge dessen dasselbe sich. a£ ker im Durchmesser von vorn nach hinten als in dem übrigen Durchmesser entwickelt. Das Auge
sJonrmt dadurch anstatt der normalen kugeligen eine mehr oder weniger längliche Form, wodurchder Hinterwand des Augeninnern gelegene Netzhaut über den Brennpunkt hinausgerückt wird.^Uch diese Art der Kurzsichtigkeit kann sehr verschiedene Grade zeigen, doch kommt es bei ihr oft* u den hohen und höchsten Graden, was bei der Kurzsichtigkeit aus verkürzter Brennweite nicht* et Fall ist. -olche hochgradige Kurzsichtigkeit erkennt man dann oft schon beim ersten Blick auf^ Kranken; seine Augen treten nämlich infolge ihrer abnormen Länge stärker hervor, drängen^ Lider gleichsam auseinander und geben dem Blicke etwas Glotzendes.