564 Molkencuren
trinken oder reicht in ähnlicher Weise wirkende Mineralwässer und Arzneimittel (besonders die bütern, sogenannten magenstärkenden). Zur Darstellung der Molken wird die Kuh-, Ziegen- uSchafmilch benutzt. Welcher von diesen der Vorzug zu geben sei, ist nicht ausgemacht, lrimrühmen die Ziegenmvlken als besonders wirksam, während andere meinen, daß die Kuhmolbesser vertragen würden. Immer aber wähle man Molken von kräftigem und gesundeVieh, von Thieren, die ein sorgfältiges und nahrhaftes Futter genießen und die BewegungFreien haben. Je heißer die Mölke getrunken wird (am besten früh morgens unmittelbar nader Bereitung), desto besser wird sie vertragen. Bei Neigung zu Verstopfung oder Diarrhöe , ZUebelkeit, Blähsucht u. s. w., erhöht sie mitunter die Beschwerden, und es muß, sowie es überHaupt für den Beginn einer jeden Molkencur räthlich erscheint, in solchen Fällen mitPortionen (höchstens y 4 —y 2 Schoppen) begonnen, und sollte dennoch der Erfolg kein erwünschysein, damit ganz ausgesetzt werden. Von größter Wichtigkeit, und nach unserm Dafürhalten duHauptsache, ist die Wahl der Gegend, in welcher der Molkencurort liegt, und die während der ü"zu befolgende Diät. Ueber beides lassen sich jedoch keine allgemein gültigen Regeln aufstelle^da hierüber speciell die besondern Krankheitszustände und sonstigen individuellen Körperverhänisse entscheiden. Leitende Anhaltepunkte können jedoch einestheils die diätetischen Forderungendie bei den einzelnen Krankheiten detaillirt sind, bei welchen Molkencuren in Anwendung koiru»können, anderntheils die folgenden kurzen Bemerkungen über einige der wichtigsten Molkencur-orte gewähren. So viel sei nur noch bemerkt, daß, wo nicht ganz besondere Gründe dagegsprechen, im allgemeinen bei Molkencuren leichte Fleischkost und' mäßiger Genuß von Kam'Cacao und Bier gestattet ist. Wichtig ist aber die Verineidung jedes Excesses in Speise und Tra>ndurch welche die ohnehin durch die Molken leicht afftcirten Verdauungsorgane in einen Zust^versetzt werden können, der eine längere Unterbrechung, wo nicht völliges Aufgeben der Cur no ,wendig macht. Wie bei den Mineralwassercuren, ist auch hier fleißige (aber sorgfältig nach " ,jemaligen Kräftezustande des Patienten abzumessende) Bewegung in freier Luft ein rnächNgHUnterstützungsmittel der Cur. Das spätere Frühjahr und der Anfang des Sommers eignen 1’am besten zu einer Molkencur.
Molkencuren werden empfohlen und können angewandt werden bei verschiedenen Verdauung-störungen (chronische Magenkatarrhe), bei geringgradiger und fieberloserTuberkulose, bei chronisch^Bronchialkatarrh, bei Skrofulöse, Hypochondrie u. s. w.
Unter besonderer Berücksichtigung der klimatologischen und topographischen Verhältnisse fiws. ,wir mehr beispielsweise als in der Absicht, ein vollständiges Verzeichniß der von Tag zu Tag h ,mehrenden Molkencurorte folgende an. .Rehburg (Königreich Hannover) zwischen dem St^'huder Meere und der Weser, in einem stillen Thale (320 Fuß Meereshöhe), durch waldbegre"»"Berge vor heftigen Winden geschützt. Siebenstein (1000 Fuß Meereshöhe) am südlichen y'hange des Jnselsbergs (Herzogthum Sachsen-Meiningen), mit schönen Wäldern und anmuthsS^'zu manüichfaltigen Partien einladender Umgebung. Reinerz (Grafschaft Glatz) mit kräst^hLust, aber rauhem Klima (1720 Fuß Meereshöhe).. Schlaugenbad am Taunus (Nassau) "sehr mildem Klima (900 Fuß Meereshöhe). Streitberg (Fränkische Schweiz), sonnig, " (rauhen Winden geschützt und mit gleichmäßigem Klima (1800 Fuß Meereshöhe). Bade'^, Baden (s. d.). Gleiswciler (bei Landau in Rheinpfalz) mit mildem, stärkendem Klima (VFuß Meereshöhe): Kreuth (im bairischen Hochgebirge) in der Nähe des Tegern- und Achenst^2911 Fuß Meereshöhe; Umgebung reizend nnd zu Promenaden einladend; sonnig, Witterungwechselnd, oft raub, Regen häufig, Luft anregend, stärkend. Jschl (im Salzkammergut, 1*‘ •_Fuß Meeresböhe); sehr schönes Thal mit mildem, aber feuchtem Klima. Achselmanstei"'..Reichenhall. Meran mit sehr mildem, gleichmäßigem, fast italienischem Klima.(Canton Appcirzell, 2806 Fuß Meereshöhe) auf einer Hochebene mit trockener, reiner und kräst^Lust. Horn (am Bodensec) in freundlicher, milder Lage. Jnterlakeu (zwischen Thuner- ^Brienzersee, 1712 Fuß Meereshöhe): mildes, mäßig feuchtes, sehr gleichmäßiges Klima. $ l |LKaltbad (4436 Fuß Meereshöhe); gegen Nord- und Ostwinde geschützt, an der südlichendachung des Rigi; gesunde, kräftige Luft. Rigi-Scheideck (5073 Fuß Meereshöhe) auflangen, schmalen Plateau des Rigi, weniger geschützt; beide Orte bekanntlich ausgezeichnet d"^die herrliche Aussicht. Engelberg (Canton Unterwalden, 3180 Fuß Meereshöhe) in einet« ühohen Bergen umschlossenen Thale mit milder Luft und reizender Umgebung. . .^t
Ueberdies gibt es jetzt nur wenig Badeorte noch, wo nicht zugleich auch Molken verabrewürden.