662 Naturalimsammluug
sind daher die meisten oft noch so schlecht präparirten Naturalien aus arktischen Gegenden immernoch brauchbar. Ganz anders verhält es sich dagegen in einer Temperatur über Null, derenHöhepunkt die feuchtwarme Luft der tropischen Regenzeit ist. Die Entmischung und Auflösungtodter organischer Körper tritt genau in demselben Verhältniß auf, wie die äußern Einflüsse zudem relativen Säftegehalt derselben sich verhalten. Deshalb sind Früchte, saftreiche Pflanzen unsolche Thiere der schnellsten Zersetzung ausgesetzt und bedürfen der allervorsichtigsten Behandlungim Conserviren. (Saftreiche Blüten und Früchte, Pilze, Quallen/ Polypen, Schnecken u. n-(s. Conservirmittel) in zuckerhaltigem Alkohol von geringer Stärke oder auch noch besser in salKhaltigem Zuckerabsud.j Schon weit leichter sind Organismen zu erhalten, deren Säftegehaltringer und bei denen die äußere Haut höher entwickelt ist; dagegen-wird das Auftreten vonSchuppen und Schildern oder Panzern für die Conservation in Flüssigkeiten gefährdend, indemderartige Bedeckungen dem Eindringen der Conservirmittel ebensv hemmend entgegentreten, als |
sie das nothwendige Austreten des Wassers verhindern. Dieser Umstand macht es, daß ^ !
weitem der größte Theil aller spirituösen Fische und Reptilien theilweise, halb oder ganz versam' j
in unsere Hände gelangt, was am allerhüufigsten bei den Schlangen geschieht, welche den go- j
schlossensten Schuppenpanzer besitzen. Ein Hauptfehler liegt, wie schon bei den Conservirmitteludargethan, in dem so häuflg überschrittenen Verhältnis; von Körpermasse zur conservirendenFlüssigkeit; der alleinige Fehler ist dieses jedoch nicht, denn es können Schlangen z. B. in demstärksten und reichlichsten Weingeist verderben, wenn andere Vorsichtsmaßregeln unbeachtet gebliebensind. In der Regel halten sich alle die Thiere am besten, welche lebend in den Weingeist kamenund somit durch Einschlucken eine große Menge Erhaltnngsmittel in das Innere ihres Körper^trieben. Diese Thatsache ist Fingerzeig genug, uM diesen Proceß an schon todten Thieren künstli«zu veranlassen, was durch Einspritzen (von absolutem Alkohol, zumal bei schon etwas faulenThieren) unmittelbar vor dem Einlegen in Weingeist oder andere Flüssigkeiten geschehen muß-Einen nicht genug zu beachtenden Uebelstand erzeugt das aus den Thieren frei gewordene Wasserdas natürlich um so schädlicher wirkt, je geringer oder je schwächer der Spiritusgehalt gegenüberder zu erhaltenden Thiermenge ist. Die Fäulniß wirkt dann zugleich auch ebenso von außenvon innen und zerstört mit dem Fleisch zugleich auch Bedeckung und Farben, was an einem amfänglich weichen Anfühlen, später eintretenden Ausgehen von Haaren, Federn und Schuppen u. s. M-und an einem allgemeinen Verlöschen der Farben, welchen ein misfarbiges Braun folgt, zu er-kennen ist. Solchem allgemeinen Zersetzungsproceß kann nur durch zeitiges öfteres Wechseln de- ,Weingeistes mit.frischem entgegengewirkt werden; hierdurch werden nun zwar alle diese Erschennungen verhindert, dagegen aber ein anderer Uebelstand hervorgerufen, der in der unangenehm^Eigenthümlichkeit des Weingeistes besteht, die Farben auszuziehen, wie es die braune Farbe alteüWeingeistes zeigt, welcher schon jahrelang über allmählich verbleichten Präparaten unserer Sam>Mlungen steht. Für den entfernten Sammler ist aber der Weingeist ein Gegenstand, der ihm schw^erreichbar ist, weshalb derselbe kaum für das erste mal oft genug bekommt. Für ihn bleibt keinanderer Rath, als seine Präparate gut vom Schleim zu reinigen und, wenn in Spiritus eing^'slegt, diesen durch Zuschuß von Salz und Alaun zu verstärken, d. h. das aus den Thierengewordene Wasser damit zu sättigen. Wie einflußreich dieses Verfahren auf die Farben wirkbdavon hat Schreiber dieses hinlängliche eigene Erfahrungen unter den Tropen gesammelt, inde»'auf solche Art verwahrte Baumschlangcn, Lcgums und Fische nach Jahren noch ihre ursprüng-lichen Farben besitzen. Aber, wie schon früher bemerkt, wirken die Salze zersetzend auf das Skelelder Thiere, weshalb solche, die für Anatomie bestimmt, nur in Weingeist aufzubewahren sind, deMman aber Tannin zusetzen kann.
In derselben Weise, wie die flüssige Form für ganze Thiere, ist die halbflüssige oder das sog^nannte Einpökeln das Allerbeste, was es für Aufbewahrung von Häuten größerer Thiere bissiggibt. Solche Häute, aus denen man die Schädel und Beinknochen getrennt und unter gehörigübereinstimmender Bezeichnung zu den betreffenden Häuten trocken gemacht, besonders aufbewah^und verpackt, sind ihrer Natur nach das Erwünschteste, was ein Präparator haben kann, deM'die Salze schützen ebensowol gegen Ungeziefer als gegen Fäulniß und sonstige Zerstörung, da 1'*ganz besonders das Fasergewebe fixiren. Häute, welche schichtenweise, wohlzumerken überall genugund reichlich, mit Salzen versehen worden, können jahrelang in gut schließenden Fässern aufbeswahrt werden und sind auf diese Art zu weiten Seereisen gvnz besonders geeignet. Auch ftl"Vögelhäute lassen sich nnt Vortheil darin aufbewahren, und behalten alle nackten Theile ih^völlige Farbentreue, was jedenfalls von größtem wissenschaftlichen Interesse ist. Ganz besondersist diese Manier allen solchen anzurathen, welche noch keine Virtuosen im Bälgemachen sind, »n