778 Orthopädie
oder Lähmungen erforderlich sind. Darum fand hier anfangs die Heilgymnastik weniger Än-wendung, und erst die Widerstandsbewegungen der schwedischen Schule brachten uns die Mdg-lichkeit der zweckmäßigen und wirksamen Anwendung der Heilgymnastik auf diese Leiden.erst die Bewegungen mit lebendigem Widerstände durch die Hand des Arztes, oder die durch L * ßHand des Arztes ausgeführten Bewegungen des betreffenden Gliedes unter absichtlichenr, nm^vollem Widerstreben des Patienten, wie sie der Schwede Linz lehrte, gaben uns das erstean die Hand, eine Muskelgruppe in Thätigkeit zu setzen, ohne behufs Wiederholung der Beweg«"»ihrer Gegenmuskeln zu bedürfen und zugleich bei dieser Bewegung die vorhandene Kraft ^betreffenden Muskeln vollständig zur Entfaltung zu bringen und auszunutzen. Diese Vorzügmachen sich auch da geltend, wo es sich um die feinern Ausbesserungen der Form bei Rückgr-m'Verkrümmungen handelt. Damit ist der Werth, aber auch so ziemlich die Grenze der bercM>8^Anwendung der schwedischen Heilgymnastik bezeichnet. Wenn ihre Anhänger ihr die Alleinbcrc^tigung der Verwendung zu Heilzwecken vindiciren, so ist eine solche Behauptung als eine cntwHaus Ucberhebung oder aus Unkenntnis; des deutschen Heilturnens hervorgegangene zurückzuwei!^"Ein Theil der heilgymnastischen Bewegungsformcn kann ohne alle Apparate im freienals Freiübungen ausgeführt werden. Zu durchgreifendem Uebungen jedoch sind Apparate ««zu entbehren. Eine ziemlich vielseitige Verwendung gestattet die Schrügleiter, welche daher ndie Privatpraxis zunächst in Frage kommt. Wo es hingegen eine mannichfaltigere Anwendn^heilgymnastischcr Uebungen gilt, wie also in orthopädischen Anstalten, empfiehlt sich diedüng fast aller bekannten Turnapparate. Zu vielen Widerstandsbewegungen und Manipulatio"^sind Polstergestelle erforderlich, am besten ein niedriges breites und ein hohes schmales, letztestmit Riemen zum Einhängen der Füße, beide mit Klappe zu schräger Erhöhung einesder Oberfläche. Die andern von der schwedischen Gymnastik eingeführten Apparate sindunentbehrlich. t
Alle Verkrümmungen, bei welchen durch eigene oder fremde Kraft die normale Stellung $Haltung vorübergehend sich herstellen läßt, können durch ausschließliche Anwendung der Ctznastik geheilt werden. Jedes orthopädische Leiden hohem Grades bedarf mechanischer oder cfr 1gischcr Beihülfe. Wie aber letztere Mittel auch bei den leichtern Formen behufs Beschleunig" ^des gewünschten Erfolgs sehr nützlich sein können, so ist andererseits keine Misgestaltung so ]w"' 'daß nicht die Gymnastik einen heilsamen Einfluß auf sie ausüben könnte, und es ist keine ortpüdische Cur als vollständig zu betrachten, bei welcher nicht die Gymnastik ihre Rolle gespielt UAuch wo sie nicht allein die Cur vollenden kann, wird sie als vorbereitendes oder unterstütze«^,Mittel von unschätzbarem Werthe sein. Chirurgie und Mechaiük können die Form herstellen; ^Erhaltung der neuerlangten Form und die Herstellung der Gebrauchsfähigkeit des betreffe«^Körpertheils ist Sache der Gymnastik. 5
Die Wichtigkeit, welche äußere Wohlgestalt des Menschen für seine Lebens-, Leistung--"Genußfähigkeit, für seine Beziehungen zu der Gesellschaft und für die Entwickelung seines ^gefühls und Charakters besitzt, sichert der Orthopädie eine hohe Bedeutung. Freilich sind 11der Orthopädie wie der ganzen Hcilkunst verhältnißmäßig enge Grenzen gezogen. Nur die
testen Formen der Skoliosen z. B. gestatten eine völlige Beseitigung. Bei mittlern Grade"eine größere oder geringere Verbesserung der Form, bei den höhern Graden die Verhütung (terer Verschlimmerung und bei den schlimmsten Fällen ältern Datums nur die Beseitigung ß lCMinderung von Folgeerscheinungen das erreichbare Ziel der Orthopädie. Aber auch wo «völlige Ausgleichung der Verschiedenheit beider Rumpfftiten erreicht werden kann, ist die E» 'tung oder Wiederherstellung eines annähernd harmonischen Eindrucks der Gesammterschei""wie sie meist im Bereich der LeistunMahigkeit der Orthopädie liegt, ein aller aufgewendeten H ^und aller Anerkennung würdiges Ziel. Leider ist dasselbe meist mir durch eine langeCur in orthopädischen Heilanstalten und deshalb nicht für alle erreichbar. Um somuß daher der Entstehung von Skoliosen vorgebeugt, worüber die Hygieine und die ^das Nähere lehren, und um so energischer ihr erster Anfang bekämpft werden. Die Winkelkypv^lassen sich ebenfalls verhüten, durch richtige Behandlung während des in den Wirbeln bestehe"^krankhaften Processes, nicht aber beseitigen, wenn sie da sind. Doch auch dann ist Verbesstoder Körperhaltung und des Gesammtbefindens mit ziemlicher Sicherheit erreichbar.
Die Contracturen der Glieder bieten der orthopädischen Einwirkung, zunächst meist der oJ l ^gischen und mechanischen und erst in zweiter Stelle (s. o.) der gymnastischen Behandlungweites und dankbares Feld. Noch in den schwersten Fällen ist in der Regel eine Verbesse^^der Richtung des Gliedes und damit wenigstens eine theilweise Herstellung der praktischen