Buch 
6 (1864) Sechster Band. Pacht–Stapelia
Entstehung
Seite
133
JPEG-Download
 

Phosphor 133

im geschmolzenen Zustande, unter warmem Wasser, durch Gemsleder preßt oder daß man ihneiner erneuten Destillation unterwirft. Der so gereinigte Phosphor, der zur bequemern Hand-habung dann in der Regel noch in Stangen geformt wird, ist farblos (oder, in weniger reinemZustande, wie er meistens im Handel vorkommt, schwach gelb gefärbt), durchsichtig , wachsglän-zend. Bei gewöhnlicher Temperatur hat er Wachsconsistenz, in der Kälte aber wird er spröde,bei 34° so sehr, daß er mit Leichtigkeit sich pulvern läßt. Er schmilzt bei + 44° und siedetbei 280°, wobei er ein farbloses Gas von 4,3-rs specifisches Gewicht bildet; in festem Zustandeist sein specifisches Gewicht 1,84. Seine Aequivalentzahl ist 31. Beim langsamern ErstarrenMoßer Massen wird er mitunter in oclaedrischen und dodekaedrischen Krystallen erhalten. Sicherergelingt dies beim Erkalten heiß gesättigter Lösungen in Schwefelkohlenstoff oder Schwefelchlorid,^er Phosphor hat eine außerordentliche Begierde, sich mit Sauerstoff zu verbinden, selbst nochbei einer Temperatur von 0°. Bei der langsamen Verbrennung, die bei niedern Temperaturenstattfindet, bildet er mit dem Sauerstoff phosphorige Säure (PO 3 ) unter Entwickelung voniuoblauchartig riechenden Dämpfen, die die merkwürdige Eigenschaft haben, im Dunkeln zuZuchten; eine Eigenschaft, der der Phosphor seinen Namen (Lichtträger) verdankt. Man ist überbicses Leuchten des Phosphors lange Zeit im Unklaren geblieben und hat es namentlich mehr-fach dem bloßen Verdampfen des Phosphors zugeschrieben, das auch bei gewöhnlicher Temperaturm geringem Maße stattfindet, namentlich deshalb, weil es auch in einer sauerstoffreien Atmo-sphäre auftreten sollte. Schrotter hat indessen nachgewiesen, daß stets eine langsame Verbren-nung die Ursache des Leuchtens ist und daß selbst da, wo dasselbe auf einige Zeit auch in Stick-gas, Wasserstoff und ähnlichen Gasen erfolgt, ein geringer Rückhalt von Luft, von dem diese®stfe durch gewöhnliche Mittel nicht zu befreien sind, dazu Veranlassung gibt. Die Dämpfe vielerfeicht brennbarer Flüssigkeiten, z. B. von Terpentinöl, Steinöl, Aether u. s. w. verhindern schoniu sehr geringer Menge das Leuchten des Phosphors in der Luft. Durch diese langsame Oxy-bation an der Luft kann der Phosphor sich bei einigermaßen warmem Wetter so weit erhitzen,daß er sich entzündet und mit Flamme brennt; man ist daher genöthigt, ihn stets unter Wasseraufzubewahren. Ueber die eigenthümlich oxydirenden Eigenschaften, welche die den Phosphorbet seiner langsamen Verbrennung umgebende Luft annimmt, vergleiche den Art. Ozon. Wennder Phosphor mit Flamme verbrennt, was stets mit sehr hellen:, im Sauerstoffgase mit geradezublendendem Lichte geschieht, so bildet er nicht phosphorige Säure, sondern immer nur Phosphor-säure (PO 5 ). Wie bekannt, reicht zur Entzündung des Phosphors schon die Erwärmung hin, dieer durch mäßiges Reiben erfährt; durch rasches Erwärmen auf 60° entzündet er sich ebenfalls.Allgemein bekannt sind ferner die höchst giftigen Eigenschaften des Phosphors; ein Gran desselbenZeicht aus, um ein Kaninchen rasch zu tobten; auch wenn er mit offenen Wunden in Berührungkommt, kann er äußerst gefährliche Folgen hervorrufen; selbst das beständige Einathmen derPhosphordämpfe ist höchst schädlich, wie sich an den Arbeitern der Zündholzfabriken zeigt, dieiohr häufig an Knochenfraß der Kinnbacken zu leiden haben. Es ist daher große Vorsicht imUmgehen mit einem so gefährlichen Stoffe geboten; man darf jedoch die Furcht davor nicht soMeit treiben, daß man das Verbrennen mit einem Reibzündhölzchen für eine todesgefährlicheAngelegenheit hält. Brandwunden durch Phosphor sind allerdings keine angenehme Sache, daste in der Regel ziemlich tief einbrennen; aber sie sind an sich nicht schlimmer als jede andereBrandwunde, da der Phosphor nie giftig wirkt, wenn er zu Phosphorsäure verbrennt, sondern^ür dann, wenn er sich allmählich zu phosphoriger Säure oxydiren kann. Ein sicheres Gegen-mittel ist bisjetzt nicht bekannt; man hat eine Mischung von Chlorwasser und Magnesia alsiolches empfohlen, um den noch in Substanz vorhandenen Phosphor durch Oxydation^ unschäd-lich zu machen; gegen den bereits in die Circulation übergegangenen Theil des Gifts wird est^filich nicht viel helfen können. Die Erkennung des Phosphors bei stattgehabten VergiftungenMird dadurch erschwert, daß das Oxydationsproduct des Phosphors, die Phosphorsäure, einen^gelmäßigen Bestandtheil des thierischen Körpers ausmacht, und daß es daher nicht genügt,e 'i Phosphor in irgendeiner Verbindung aus dem Untersuchungsgegenstande zu erhalten, son-pern daß man ihn direct in Substanz darstellen muß, was nur dann gelingen kann, wenn seitVergiftung noch nicht sehr lange Zeit verflossen ist. In diesem Falle wird indessen seine Nach-^isung um so leichter sein und selten oder nie erhebliche Schwierigkeiten bieten. Oft genügt eintoßes Erwärmen der verdächtigen Substanz, wobei sich der geschmolzene Phosphor in Tropfenöu Boden setzt; bei sehr geringen Mengen führt das Kochen mit Schwefelstücken zum Ziele, diePhosphor aufnehmen und dann leicht weiter untersucht werden können; auf diese Weise soll^ach Lipowitz noch 1/400 Proc. Phosphor aufgefunden werden können.