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6 (1864) Sechster Band. Pacht–Stapelia
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290 Quecksilbervergiftung

krankheiten vorzugsweise bei Kindern angewandt, weil die letztern nicht so leicht einer Quecksilber^Vergiftung ausgesetzt sind als Erwachsene. Aber die angeblich entzündungswidrige Wirkung -Kalomels ist in den meisten Fällen sehr fraglich. In großen einmaligen oder seltenen Gaben. widas Kalomel zunächst vorzugsweise als ein mildes, nicht schmerzendes Abführmittel und bru ggrasgrüne breiige Ausleerungen hervor. Es wird daher in besondern Fällen und ebenfalls vzugsweise bei Kindern als Abführmittel benutzt.. Ein- oder zweimal im Beginn des Typhus ® 'gewandt, scheint es die Krankheit in ihrem wettern Verlaufe zu mildern und sie abzukürzen. Aeuße'lich wird das Kalomel oft bei gewissen Augenentzündungen mit ausgezeichnetem Erfolge ang'wandt, indem man es als feines Pulver ins Auge einstäubt. Das Sublimat ist ein ff-starkes, sofort heftig wirkendes Gift, welches in irgend erheblicher Dosis genommen eine sofortig^Entzündung des Magens und Darms, weiterhin allgemeine Vergiftungserscheinungen zurhat. Es wird innerlich in sehr kleinen wiederholten Dosen vorzugsweise gegen Syphilis gebrauch ^äußerlich in Bädern oder Pinselungen gegen gewisse Hautausschläge, als Mundwafler gegen « rnischen Mundkatarrh, als Augenwasser gegen gewisse Entzündungen u. s. w. angewandt. U emüssen hierbei die Dosen äußerst gering sein. Das rothe Quecksilberoxyd oder der rothecipitat wird innerlich gegen Syphilis, äußerlich als Aetzmittel oder in Form einer Salbe (ro>^Präcipitatsalbe) gegen zahlreiche Augenleiden angewandt. Der weiße Quecksilberpräs^pitat wird nur äußerlich in der weißen Präcipitatsalbe bei Augenkrankheiten und chronisch^Hautausschlägen benutzt. «Daran schließen sich noch das Jodquecksilber (ähnlich wirkendes"'Sublimat), das salpetersaure Quecksilberoxydul (äußerlich), das Hahnemann'sche Quecksnb(ähnlich dem Kalomel wirkend) u. s. w.

Quecksilbervergiftung. Sowol das metallische Quecksilber in geeigneter Form als auch ^Quecksilberverbindungen wirken giftig auf den Organismus, und es treten, abgesehen vonplötzlichen Vergiftungen mit ätzenden Quecksilberpräparaten, die Vergiftungserscheinungen meiste^dann am stärksten auf, wenn das Quecksilber langsam und oft wiederholt in den Organis^

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aufgenommen wird. Der Gelegenheiten zu Quecksilbervergiftung sind sehr vielfache: AthmenQuecksilberdämpsen und Beschäftigung mit Quecksilberpräparaten, wie sie bei Arbeitern inQuecksilberminen, Vergoldern, Spiegelfabrikanteu, Hutmachern, Thermvmeterfabrikanten u.vorkommen; ferner absichtliches oder zufälliges Verschlucken von Quecksilberpräparaten, äußern^Anwendung des Quecksilbers in Salben, insbesondere Einreibung der grauen Quecksilbersalbe ®die äußere Haut. Da sowol diese äußere als innere Anwendung des Quecksilbers und seinerparate eine wichtige Rolle in der Medicin spielt, so sind absichtlich und zum Zwecke der Heu»anderer Krankheiten hervorgerufene gelinde Quecksilbervergiftungen etwas ziemlich Häufiges- £großer Heftigkeit wurde die Quecksilbervergiftung auf einem englischen Schiffe beobachtet, welKQuecksilber in schadhaften Tonnen mit sich führte. , -

Die Empfänglichkeit verschiedener Personen für das Gift ist eine auffallend verschiedene,der eine ungleich mehr verträgt als der andere. Insbesondere sind Kinder dadurch ausgezeich^'daß sie beim Quecksilbergebrauch weniger leiden als Erwachsene. Schwache und kränkliche $ csotten erkranken weit schneller und schwerer bei einer Quecksilbervergiftung; Unreinlichkeit, ^und Feuchtigkeit verschlimmern ebenfalls eine derartige Vergiftung in hohem Grade. ,.,

Das Quecksilber hat zunächst eine Störung an den Theilen zur Folge, welchen es app^,^wird; sehr bald aber erfolgt eine allgemeine Erkrankung des Organismus, welche nun wiederReihe örtlicher Leiden mit sich bringt. Wir sehen hier ab von der Vergiftung mit großender ätzend wirkenden Quecksilberprüparate, wie z. B. des Sublimats, welche eine heftige Vkng^und Darmentzündung zur Folge haben, die sich von der nach andersartigen Vergiftungen c, .jtretenden nicht besonders unterscheidet; vielmehr betrachten wir vorzugsweise die Vergiftung 1weniger örtlich als allgemein wirkenden Präparaten. Je nach der Art der Vergiftung mit ^selben ist das Allgemeinleiden entweder ein plötzliches und vorübergehendes (acutes) D * ,ct * {dauerndes (chronisches). Die acute Störung zeigt sich nach rascher und reichlicher Aufnnv'des Giftes als sogenanntes Mercurialfieber (Mattigkeit, Frösteln, Schweiße, häufiger Puls/petitlosigkeit, Mundaffectionen, Speichelfluß, Hautausschläge u. s. w.) oder als acuted. i. Blutleere (bleiche Haut, kleiner frequenter Puls, Herzklopfen und Beklemmungen,losigkeit, Ohnmachten, Kältegefühl, Speichelfluß, Magenstörung u. s. w.). Das chronische ^curialsiechthum kann die verschiedensten Grade zeigen von einer leichten Störung des Wohlbesins-bis zur vollständigsten Zerrüttung des Organismus. Die allgemeinen Symptome sind sch^.^Ernährung, Schlaffheit und Abmagerung, fahle Haut, schwache welke Muskeln, Zittern, Q 1Reizbarkeit des Nervensystems, abendliches Fieber, Schweiße, Gliederschmerzen, Hinfälligkeit.