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7 (1865) Siebenter Band. Stärke–Zwiebelpflanze
Entstehung
Seite
312
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Urkunden

."12 Urgesteine

zurückbleibt, mit Wasser ein braunes Hydrat, mit Sauren grüngefärbte Salze bildet; und dasschön röthlichgelbe Uranoxyd, U. 2 0 3 . Letzteres bildet mit Säuren gclbgefürbte Salze, welchezum Theil, wie z. B. das salpetersaure Uranoxyd, gut krystallisiren und dann eigenthüm-lichen Dichroismns zeigen, indem sie, nach verschiedenen Richtungen gesehen, bald rein citronen-gelb, bald grünlich erscheinen. Werden Lösungen dieser Salze mit Alkalien versetzt, so bildensich gelbgesärbte Niederschlage, Verbindungen des Uranoxyds mit dem Fällungsmittel, sogenannteUranate. Eins derselben, das Uranoxydnatron, wird fabrikmäßig dargestellt und kommt alsUrangelb in den Handel. In Joachimsthal, wo fast ausschließlich die Uranverbindungen ingrößern Quantitäten bereitet werden, befolgt man ein von Patera ausgearbeitetes Verfahren.Die unreine Pechblende, welche neben Uranoxydoxydul noch viele fremde Metalle, Schwefel u. s. w.enthält, wird fein gepulvert und mit feingepulvertem Kalkstein im Flammenofen so lange geröstet,bis das Uranoxydoxydul vollständig in Uranoxydkalk verwandelt ist. Durch Behandlung mit ver-dünnter Schwefelsäure wird dieser in schwefelsaures Uranoxyd verwandelt. Man versetzt miteinem Ueberschuß von kohlensaurem Natron, welches die fremden Metalle ausfüllt, währendkohlensaures Uranoxydnatron in Lösung bleibt, fügt schließlich zur Lösung Schwefelsäure, filtrirtden schön gelben Niederschlag von Urangelb (NaO, 2U 2 0 3 -)- 6HO) in leinenen Spitzbeutclnab; wäscht aus und trocknet. Das Präparat wird in der Porzellanmalerei, neuerdings auch zurFabrikation des beliebten gelbgrün schillernden Annaglascs verwendet. Auf der Glasur des Por-zellans als Schmelzfarbe aufgetragen (2 Theile Urangclb, I Theil Chlorsilber und 3 Theile einerzusammengeschmolzenen Mischung von 4 Theilen Wismutoxyd und I Theil Borsäure) gibt esein vortreffliches Gelb; unter der Glasur dem Scharffeuer ausgesetzt, tritt eine Reduction zuUranoxydoxydnl ein und es entsteht ein tiefes Schwarz. Das salpetersaure Uranoxyd wird jetztals äußerst lichtempfindliche Substanz zu einem von Niepce entdeckten, von Hagen verbessertenVerfahren in der Photographie benutzt. Man bestreicht Papier, welches vorher durch kochendesWasier von Leim befreit worden ist, mit einer ziemlich concentrirten Lösung von salpetersauremUranoxyd, läßt trocknen, legt es dann unter ein negatives photographisches Bild und setzt30 60 Secunden dem Sonnenlicht aus. Darauf taucht man dasselbe in eine mit etwas Al-kohol oder Aether versetzte Lösung von salpetersaurem Silberoxyd; es entsteht ein Positiv vongrauschwarzer Farbe, welches durch bloßes Waschen mit destillirtcnr Wasser fixirt wird. Hierbeiwird an den belichteten Stellen des Uranpapiers das Uranoxyd durch die Faser zu Oxydul redu-cirt, welches später aus der Silberlösung metallisches Silber auf dem Papier niederschlägt. BeiAnwendung einer Goldlösung statt des Silbers erscheint das Bild mit dunkler Purpurfarbe.

Urgesteine, dies ist eine jetzt ziemlich veraltete und unpassend gewordene Bezeichnung fürGesteine, die man für die ältesten und ursprünglichsten hielt. Es waren das namentlich Granit,Gneis;, Glimmerschiefer, Urthonschiefer und Urkalk. Seitdem man erkannt hat, daß die Granitebeinahe überall neuerer Entstehung sind als gewisse andere, Gesteine, die sie durchsetzt haben, daßGneiß und Glimmerschiefer in der Regel erst durch Umwandlung aus andern Gesteinen ent-standen sind, und daß auch Thonschiefer und körniger Kalkstein niemals als ursprüngliche Ab-lagerungsproducte oder allerälteste Gesteine angesehen werden können, ist für alle diese die Be-zeichnung als Urgesteine nicht mehr passend.

Es ist aber überhaupt kaum möglich, irgendein Gestein als allerältestes oder ganz ursprüng-liches zu bezeichnen. Man mag den Sinn des WortesUr" auffassen wie man will, alshöchstalt" oder alsganz ursprünglich", so wird bei allen Gesteinen, die man kennt, stets ein Zweifeldarüber bleiben, ob sie diesem Sinne entsprechen. Von den allerältesten Gesteinsbildungen derErde existirt vielleicht gar nichts mehr in dem ursprünglichen Zustande; sie sind chemisch verändert,umgeschmolzen oder abgeschwemmt, und ihr Material ist in neuer Form wieder abgelagert;wenigstens kann man von keinem Gestein sicher beweisen, daß es ein so ganz ursprüngliches oderallerältestes sei. Wollte man durch den Ausdruck Urgestein nur bezeichnen, daß dasselbe seitseiner Entstehung möglichst wenig verändert und so ziemlich in seinem jetzigen Zustande aus einemursprünglichen Stoffgemenge hervorgegangen sei, so würde man nach dem jetzigen Standpunkteder Geologie alle echten Eruptivgesteine und namentlich auch alle Laven der Vulkane dahin zurechnen haben; das würde aber eine ganz neue, von dem ältern Gebrauch so sehr abweichendeAnwendung des Wortes ergeben, daß es wol besser ist, diese Bezeichnung ganz aufzugeben.

Urknnden im weiter» Sinn sind alle Gegenstände und Dinge, welche geeignet sind, irgend-eine Thatsache zu bestätigen oder zu bescheinigen. Hiernach ist nicht allein ein jedes Schriftstück,insbesondere ein Schuldschein (s. d.), sondern auch ein Stein, ein Stück Holz, ein Haufen Ge-treide u. f. w. nach Befinden eine Urkunde. Es wird wenigstens dadurch bekundet, daß ein