Gallapfel.
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nach dem Auskriechen deS Jnsects gesammelt werden, daher durchlöchert,viel leichter, von gelblichweißer Farbe, mehr glatt, von minder dichtemGefüge sind. In Frankreich und Oestreich wird noch eine andere Art Gall-apfel gesammelt von der Eerr- oder burgundischen Eiche (Quercus Cerris),die aber bei uns selten in den Handel kommen. Von unsern inländischenSommer- und Wintereichen (Quercus pedunculata und röhrn-) werden dieauf den Blättern festsitzenden Gallapfel gesammelt; doch sind sie von weitgeringerer-Güte, haben eine schöne rothe Farbe, ein äußerst lockeres undschwammiges Gewebe und schrumpfen sehr beim Trocknen zusammen. —■Die wesentlichsten und wichtigsten Bestandtheile der Gallapfel sind GerbestoffUnd Gallussäure; von ersterem hat man 26 bis 40 Procent, von letzteremetwa 6 Proc. in aleppifchen Gallapfeln gefunden. Die Gallussäure scheintsich erst durch Liegen an der Luft in den Gallapfeln auf Kosten des Gerbe-stoffes zu bilden. Außerdem enthalten sie noch Schleim, Extractivstoff,gelben Farbestoff, Salze, wie es scheint, auch etwas Stärkemehl und Zucker.Durch die Eigenschaft des Gerbestoffes und der Gallussäure, mit Eisenoxyd-salzen eine schwarze Farbe zu erzeugen, werden die Galläpfel für Bereitungder Tinte (s.d.) so wie zum Schwarzfäcbm der Zeuge (s.Färben) wichtig.Auch in der Medicin bedient man sich ihrer Abkochung, doch häufiger äußer-lich als innerlich, für sich oder mit rothem Wein vermischt, zu Einspritzungen,Waschmitteln, Umschlägen, Gurgelwaffer, und überall, wo es gilt, erschlaffteTheile zu starken. Kein Mittel soll dem kalten Brande so gut widerstehen,als ein concentrirter Absud von Gallapfeln. Da der ganze Nutzen derGallapfel in ihrem Gehalte an eisenschwärzendem Gerbestoff und Gallus-säure besteht, so können alle Substanzen, welche diese beiden Bestandtheileoder wenigstens den ersteren enthalten, als Surrogate der Galläpfel gelten,obgleich sie nicht vollständig ersetzen, da keines so reich daran ist, als dieGalläpfel. — Mit den Gallapfeln bereitet man einen Galläpfelaufgußund eine Galläpfeltinctur, die beide in gleicher Weise als Erkennungs-mittel (Reagentien) für Metalle, besonders Eisen, in Auslösungen, durchdie Farben der Niedcrschläge, welche sie darin erzeugen, dienen; nur läßtsich die Tinctur nicht gut bei Auflösungen von Salpeter anwenden, die inWeingeist unlöslich sind. Um den Galläpfelaufguß zu erhalten, übergießtman l Theil zerstoßene Galläpfel mit 12 Th. kochendem Wasser, läßt dieMasse 24 Stunden digeriren (s. b.) und bewahrt die ausgepreßte und siltrirteFlüssigkeit in gläsernen Flaschen auf. Doch schimmelt dieser Ausguß leichtund verdirbt. Haltbarer aber ist die Tinctur, zu deren Bereitung man1 Theil zerstoßene Galläpfel mit 6 Th. starkem Weingeist digerirt und diebraune Tinctur aufbewahrt. Die vorzüglichste Anwendung dieser Flüssig-keiten ist, das Eisen in Auflösungen zu entdecken, da sie, in eine eisenhaltigeFlüssigkeit getröpfelt, einen dunkelvioletten oder blauschwarzen, in Säuren(Essigsäure ausgenommen) leicht auflöslichen Niederschlag oder dergleichenFärbung darin erzeugen. Goldauflösung wird je nach dem Grade der Eon-centralion purpurfarbig, braun oder schwarz gefärbt, und es fällt allmäligsein zertheiltes metallisches Gold nieder. Aufgelöstes Silber giebt einenbräunlichgclben oder flohbrauncn Niederschlag, Quecksilber im Oxydulzustandeeinen gelben, im Orxdzustande einen gelbbraunen oder schmuzig orangefarbenen,8inn einen gelben, Blei einen gelblichweißen, Kupfer einen bräunlichen odergraubraunen, Antimon einen gelblichweißen oder graulichblauen, Wismut!)einen gelblichgrauen oder pomeranzenfarbenen. Zink, Arsenik, Tellur,