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4 (1839) Vierter Band. Gab-Hyp / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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461
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Man theilt den Hanf gewöhnlich in den Basthanf. der bloß gepocht undgebrecht ist, und in den Rein Hanf, welcher entweder bloß geschwungen,vder geschwungen und gehechelt ist. Der Reinhanf wird wieder in Sträh-Uenhanf, der bloß geschwungen aber nicht gehechelt ist, und bei welchemdie Kanten vorn an den Köpfen nicht gedreht, sondern kolbig und glatt sind.Und in Spinnhanf, welcher geschwungen und gehechelt worden ist, auchgedrehte, nicht glatte Kanten besitzt, unterschieden. Der beste Hanf ist der-jenige, welcher eine Perl - oder Silberfarbe besitzt, die allenfalls auch insgrünliche übergehen kann; welcher sich weich und sanft anfühlt und dessenFasern sich leicht von einander trennen. Die Bestandtheile des durch Pres-sn aus dem Hanfsamen erhaltenen Oeles sind: 19 fettes Ocl, 24 Firniß-ftoff, 4 Faserstoff, 38 Hülsen und Schalen, I Harz, Schleim und Seifen-stoff, 8 gummischleimiger Extract. das Uebrige Lerlüst. Das Hanföl isttsübe und dicklich, lagert sich nach einiger Zeit ab, wird hell und besitzt'ine bräunliche, sich ins Grünlichgelbe neigende, Farbe, einen unangenehmenGeruch und höchst widrigen Geschmack. In einer flachen Schale der LustUnd dem Sonnenlicht ausgesetzt bleicht es aus und nimmt die Eonsisten;k>Nes sehr dicken Balsams an, der an der Luft völlig austrocknet. Es®wnnt mit stark rauchender Flamme, verbrennt ziemlich schnell, und ist,oibst auch durch Schwefelsäure raffinirt, ein schlechtes Brennmaterial. Es^starrt erst etwas unter 0 Grad R. Aus einem Elr. Hanfsamen könnenPfd, Oel gewonnen werden. Ueber die Wirkung des Hanfes aufdie Bodenkultur vgl. Absorbiren. Uebrigens findet man die KulturHanfes ebenso wie bis in den höchsten Norden, bis in den tiefstenPützen Europas verbreitet. Bekannt ist Italiens schöner Hanf, denjkeilich der hohe Lohn, womit die dortige Händearbeit erkauft werden muß,J® sparsam macht, daß das einheimische Product nicht einmal den BedarfLandeshafen deckt, vielmehr noch Hanf aus Rußland bezogen werden^. In Frankreich wird der Ertrag des Hanf- und Flachsbaues, ver-mut, zu 50 Millionen Franken Werth veranschlagt. Spanien undPor-*Ugal cultiviren unter den Handelspflanzen vorzugsweise den Hanf. InDeutschland findet man vorzüglich en dem südlichen Theil die fleißigste?"ltur. Am beträchtlichsten ist dieselbe, außer in Würtembecg» im Groß-?^jogthum Baden, wo manche Bauern 80 bis 100 Ctr. Hanf ernten und/e einzige Ort Thiengen für 15000 Gulden des schönsten Hanfes erbauet;N»nders berühmt ist der Schleißhanf, aus der Gegend von Bischofsheim,?Uch wird diese Pflanze in der großherzogl. hessischen Provinz Starkenburg,st! der preuß. Provinz Westphalen; ferner in der hannöverschcn Provinz^emen, vorzüglich in den Aemtern: Rothenburg, Lilicnihal, Alt- und."Ukloster und Moisburg; dann von vortrefflicher Güte im Stcdinger Land,w Oldenburg , wie auch in Mahren, Steiermark und Rheinbaiern culti-- tt ' wenn gleich im Ganzen Deutschland kaum den dritten Theil so vielbaut, als bloß zur groben Manufactur gebraucht wird..Hanfwürger, Ervenwürger (Orobanekv raraosa), einjähriges

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blüht und reift im Juni bis September, besonders auf Hanfäckern;H^d- bis Fuß hohen, ästigen, weichhaarigen Stengeln; sehr kleinenb^°"iichen, schuppigen Blättern; bläulichen Blümchen in lockern Achtentiefem 5theiligem Kelche. Diese Schmarotzerpflanze findet sich nur

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^achtbarem, humosem, mehr feuchtem Boden der Niederungen, und fügtpssachljch bbm Hanse Schaden zu, der bisweilen sehr beträchtlich ist.