112
Zweiter Theil.
samen und fördernden menschlichen Pflege genießen, geliefert wird,und weshalb die Chinesen die größte Sorgfalt auf die künstlicheSeidencultur wenden. Ihre vornehmste Sorge ist darauf ge-richtet, das zu frühe Auskommen der Raupen zu verhindern,was die klimatische Landesbeschaffenheit nur zu sehr begünstigt.Um jenen wesentlichen Zweck zu erreichen, verfahrt man auf fol-gende Weise: Man sucht zu bewirken, daß der Falter seine >Eier auf lange Streifen Papier legt; ist dieses geschehen, sohängt man hiese an einem Balken des Zimmers auf, und öffnetdie Fenster, um die Eier dem Einfluß der Luft auszusetzen.Nach einigen Tagen werden die Papicrstreifen herabgcnommenund locker aufgerollt, wobei die Eier auf die Innenseite kommen.Darauf hängt man sie, wahrend des noch übrigen Sommersund Herbstes, wieder auf. Gegen das Ende des Jahres tauchtman sie in kaltes Wasser, worin etwas weniges Salz aufgelöstworden, und laßt sie zwei Tage darin, nimmt sie dann herausund hangt sie zum Trocknen auf, rollt sie dann fester auf als zu- ,vor und verschließt jede Rolle besonders in ein irdenes Gefäß.Einige Seidenbauer, welche besonders sorgsam verfahren, bedienensich einer Lage Maulbeerbaumasche, legen aber die Eier gleichfallseinige Minuten in Schneewasser, oder an einen, dem Schneeund Regen ausgesetzten Maulbeerbaum. Dieses Verfahren ver-hütet das zu frühe Ausschlüpfen aus den Eiern, und dieses wirddadurch hingehalten, bis die Blätter des Maulbeerbaums ausbre- !chen; dieser Zeitpunkt ist für den Seidenbauer das Signal, un> Ian die Belebung der Eier zu denken. Er beginnt nun die Po- ^pierstreifen zu entrollen und dieselben sofort gegen die Sonnejedoch die Seite, an welcher die Eier kleben, von derselben abgr- ^wandt — aufzuhängen, damit die erwärmenden Strahlen zuerst ^allmählich durch das Papier dringen. Gegen Abend werden dieStreifen locker aufgerollt und an einen warmen Ort gelegt-So verfährt man gleichfalls den folgenden Tag und die Eier be- ,ginnen, eine ins Graue spielende Farbe anzunehmen. Am Abenddes dritten Tages und unter gleicher Behandlung wird die Färb?beinahe schwarz; am folgenden Morgen findet man die Papierstreifen beim Entrollen mit Raupchen übersäet. Unter den nörd-lichern Drcitegraden bedienen die Chinesen sich der Ofenwärmtzum Ausbrüten der Eier. Die zu diesem Geschäft bestimmte"Räume erfordern eine trockne Lage, eine reine Atmosphäre, weß-halb sie mit Ventilen versehen sind, und müssen fern von allem .Geräusch sein, welches, wie man bemerkt haben will, der Raupt