154
Zweiter Theil.
spinnst bei einem Thiere von fast nur vegetabilischem Leben gefunden.
Die Steckmuschel oder kinn» gehört, gleich der gemei-nen Miesmuschel, zu dem Geschlechte der Vermes testace»-DaS Thier ist eine nackte Schnecke (Umax). Sein Gehäuseist zweischalig, schwach und mit einem Barte versehn. DasSchloß ist ungezähnt. Die Steckmuschel hängt sich nicht in glei-cher Stellung wie andere Muscheln an Felsen an, sondern siesenkt sich, mit der scharfen Seite ihrer Schale, in den Schlammoder Sand ein, wahrend der übrige Theil derselben sich frei iMWasser öffnen kann. Sie hat das mit der Spinne und Raupegemein, daß sie eine klebrige Materie aus ihrem Körper abson-dert und spinnt. Obgleich die Pinna weit größer ist als dieMiesmuschel — denn ihre Schale erreicht oft die Lange von 2Fuß, — so ist ihr Fadengespinnst doch bei weitem feiner, alsvon jener und giebt an Schönheit dem, der verhältnißmäßig so klei-nen Seidenraupe, nichts nach. Die unbeschreiblich feinen Fä-den der Pinna sind zwar, einzeln genommen, nicht sehr stark»doch gleicht sich dieses durch die unzählige Menge derselben aus,deren Gesammtheit dem Thiere dazu dient, sich gegen den Drangder Meereswogen in einer festen Stellung zu erhalten. DirFäden sind ihrer Substanz nach, denen der Miesmuschel fehlähnlich, doch unterscheiden sie sich durch ihre größere Feinheitand Länge. Diese Muschelgattung ist, ihres Gespinnstes halber,von einigen Naturforschern die Seeseidcnraupe genannt worden-
Ls war schon längst bekannt, daß Muscheln die Fähig-keit besinn, sich an Felsen, oder auch eine an der andern zu be-festigen; allein die Weise, wie sie dieses bewerkstelligen, habenwir zuerst buch die genauen Beobachtungen Reaumur'S er-fahren. Er war von allen Naturforschern der erste, der sich !vergewisserte, daß, wenn diese Gattung von Schalthiercn durch ^irgend einen Zufall von ihrem Anhalt losgerissen werden, si*die Fähigkeit besitzen, die abgerissenen oder beschädigten Fädr" jwieder herzustellen. Es zeigte sich, daß Muscheln, die man voneinander ablöste, sie darauf, in ein Gefäß eingeschlossen, insMeer herabließ, sich in sehr kurzer Zeit, sowohl an einander,als an dem Gefäße wieder befestigten, wobei die äußersten Endender Fäden den Dienst einer Hand zu versehen scheinen, die naweinem Körper greift und sich daran festhält.
Die Fäden gehen da aus der Schale hervor, wo sich h'/'.selbe natürlich öffnet, und leisten den Dienst von eben so v>rkleinen Kabeltauen, womit sich das Thier im Wasser festanker -