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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. v. Wedekind
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Die Forstwissenschaft.

war und ist bedingt durch die größer» Ansprüche, welche man an die Bildungder Forstbeamten machte, und durch die größere Sorgfalt bei Prüfung ihrerQualifikation. Die größeren Gcldbedürfniffe der Landesherren und Waldbesitzer,die Kriegsbedrängniffe mit ihren Folgen schlugen zwar den Waldungen tiefeWunden, die Haubaren Vorräthe übermäßig zur Nutzung ziehend; die rascheZunahme der Bevölkerung mit steigenden Anforderungen, zumal die Waldstreu-nutzung, hemmten nicht nur die Verbesserungen, sondern äußerten in vielenGegenden sogar eine waldverderbliche Einwirkung. Daß dennoch die Wal-dungen erhalten, ja einem im Ganzen weit besseren Zustandeentgegen geführt wurden, daß sie nachhaltig mehr eintragen, daß dieforstwirthschaftlicheu Zwecke nun mit verhältnißmäßig geringerem Äufwande er-reicht werden, daß unsere Wirthschaft und die Gestaltung der Verhältnisse desStaats zum Forstwesen mit den Fortschritten der Zeit und allgemeinen Culturviel mehr vereinbart und eine Menge störender Rechtsverhältnisse zum Bestender Waldungen geordnet wurden, daß Forstverfassung, Organisation, Forstver-waltung, Justiz in Forstsachcn folgerechter nach Grundsätzen der Staatswirth-schaft und des Rechts eingerichtet sind, daß man beinahe überall nicht alleinüber Flächengröße, sondern auch über nachhaltigen Ertrag der Waldungen zu-reichende Verlässigung hat oder diese leicht haben kann: dieß Alles verdankenwir der Wissenschaft und deren Uebergang in's praktische Leben.

Die Darlegung dieser Wissenschaft in gegenwärtiger Encyklopädie hat demVerfasser hohen Genuß gewährt; aber er kaun die sich ihm dabei von Neuemaufgedrungene Ueberzeugung nicht bergen, daß gleichwohl die Forstwissenschaftnoch an den Fehlern der Jugend leidet und noch weit von dem Ziele absteht,das ihr gesteckt ist und das die Forstmänner, um den Fortschritten der Civili-sation und allgemeinen Cultur gewachsen zu bleiben, zu erreichen unablässigbestrebt sein müssen.

Eine vollständige Litcratur-Nachweisung überschritte die Grenzen diesesBuchs. Der Verf. hat sich im Vorhergehenden, sodann bei Abhandlung dereinzelnen Fächer auf Angabe der wichtigsten und für den Zweck unserer Lesergeeigneteren Quellen beschränkt.

IV.

Hülfskennlnisse und Erlernung der Forstwissenschaft.

AuS der Wälder Bedeutung und Einfluß (I.), aus den Aufgaben der Forst-wissenschaft (II.) und aus der Geschichte des Forstwesens (III.) läßt sich schonschließen auf den großen Umfang der Hülsskenntnisse und deren Art.

Obenan stehen die Naturwissenschaften, da der Forstmann in derNatur und durch sie wirkt: also Physik, Chemie, Gebirgs-und Bodenkundenebst Mineralogie, Pflanzenkunde und Naturgeschichte der Thiere. Er mußdiese Fächer im Allgemeinen, dann, niit größerer Genauigkeit, die Bodenkunde,die Kenntniß der Holzarten und der übrigen in der Waldwirthschaft durchNutzen und Schaden bemerkenswerthen Pflanzen, sowie die Naturgeschichte derin Bezug auf den Wald nützlichen und schädlichen Tbiere studiren. Was erhierin mehr thut, als das strenge Erforderlich, gereicht ihm mehr, wie den An-gehörigen vieler anderen Berufsfächer, zum Nutzen und edelsten Lebensgenüsse,da sein Beruf ihn mehr in den Tempel der Natur führt, sein Geist, wenn ersie versteht, stets neue Anregung und neuen Stoff iu ihr findet und er mehrGelegenheit hat, deren Erfahrung zu bereichern und so der Natnrwifsenschaftsich dankbar zu beweisen.