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Die Forstwissenschaft.
Die Berechnung des besten HaubarkeitSalters, die Erklärung und Bestimmung der Um-triebszeit, die Erklärung und Wahrung der Nachhaltigkeit, die Bildung der WirthschastSgauzenfür diesen Zweck u. drgl. gehören in denjenigen Theil der Forstwirthschastslehrc, welcher dieforstliche Betriebs- und Gewerbslchre betrifft. M. s. deshalb §. 72. — Wir haben in demvorhergehenden Abschnitte und in den folgenden zwar die forstliche Terminologie soviel hierthunlich an den betreffenden Stellen mitcrklärt, müssen aber deren Einzelheiten einem anderenOrte, wo wir weniger im Raume beengt sind, vorbehalten.
§< ll. Eigenheiten des Waldbaues in Vergleich mit anderen Zweigen desPflanzenbaues, namentlich mit dem Acker- und Gartenban.
1) Aus dem Vorhergehenden, insbesondere der Geschichte (Einleitung, II.)und dem Verhalten der Waldbäumc (namentlich §§. 6. u. 7.) ergeben sich dieEigenheiten des Waldbaues und seine Verschiedenheiten. Wie der Zweck desWalds, so ist auch der seines Baus nicht auf die Erzeugnisse beschränkt, son-dern auch noch aus eine höhere, das Gemeinwohl betreffende Bestimmung (Ein-leitung I.) gerichtet und Gegenstand einer näheren Fürsorge des Staats (§. 84.),als andere Zweige des Pflanzenbaues. Die Pflanzen, welche der Waldwirthzieht, sind zugleich die hauptsächlichen Werkzeuge seines Wirkens. Er lenkthierbei die Kräfte der Natur in weit größerem Maaßstabe; nur ausnahms-weise kann er das Pflanzcnindividuum, wie es der Gärtner thut, für sich insAuge fassen. Dagegen genügt für die Pfleglinge des Waldwirths nicht dieFürsorge eines oder weniger Jahre, sondern seine Pflege muß sich aus einen,der Lebensdauer der Waldbäume und Bestände entsprechenden, zur Nutzbarkeiterforderlichen, längeren Zeitraum erstrecken. Was der Waldwirth gut oderschlecht macht, wirkt daher viel länger gut oder schlecht fort. Erfolgt auchjährlich durch scheinbar freiwilliges Wirken der Natur, mögen die Zufälle derWitterung noch so ungünstig sein, an dem bereits vorhandenen erstarkten Be-stände der jährliche Zuwachs und wird dessen Minderbctrag auch nicht unmit-telbar fühlbar, erleidet also hiernach der Waldwirth keine Mißerndte im Sinnedes Landwirths, so sind doch Mißrathcn der forstlichen Kulturanlagen und Be-schädigungen an den Beständen meistens folgenreicher, und erfordert die Besei-tigung ihrer Folgen meistens einen größeren Kraft- und Kostenaufwand.
2) Jener längere Zeitraum bis dahin, daß der Waldwirth die Früchteseines Fleißes erndten kann, heischt, um doch jährlichen Ertrag zu haben, dieEinrichtung eines verhältnißmäßigeu Umlaufs der Nutzungen und dieser einenentsprechenden Vorrath an stehendem, lebensthätigem, zuwachsendem Be-stände, in diesem ein der Dauer des Umlaufs der Hanptnutzung verhältniß-mäßiges Betriebskapital On. vgl. Nr. 2. des §- 70. rc. u. Nr. 3. des §. 114.),welches im Niederwalds das 5 bis 20facbe, im Hochwalde das 10 bis 50 —(bei 140jährigem Umtriebe selbst bis 70fache) der jährlichen Nutzung, alsoweit mehr als das des Landwirths, beträgt. Hierzu kommt, daß Betriebs-kapital und Nutzung unmittelbar aus demselben Materiale besteht, eine Klippe,an welcher das Streben des Waldwirths nach dem höchstmöglichen nachhaltigenErtrage nur zu leicht scheitert.
3) Der mindere Aufwand, welchen der Waldbau, wenn auch nicht bei dereinzelnen Kultnranlage für sich betrachtet, wohl aber im Ganzen, im Ver-hältniß zur Gesammtfläche des betreffenden Walds und seines Ertrages anArbeitskraft und Geld anspricht, ist ein Vortheil für den Waldbesitzer; ob dasgeringere Arbeitseinkommen, welches der Waldbau gewährt, als ein Nachtheilfür das Gemeinwohl zu betrachten sei, ist eine in den Gesichtskreis des zweitenHaupttheils fallende Frage. Der Waldwirth muß allerdings, wie jeder Oekv-nom, seine Zwecke mit möglichst geringem Aufwande zu erreichen suchen; je