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Encyklopädie der Forstwissenschaft / von G.W. v. Wedekind
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Von der Betriel'sciiirichtung und Negnliriiiig des NaturalcrtragS.

es den Ertrag, dessen es nach seiner Standortsgüte, Holz- und Betriebsartfähig ist, jährlich nachhaltig zu gewähren vermag, wenn also Ertragsfähigkeitund Ertragsvcrmögen (Nr. 3. des §. 69.) sich gleich stehen. Dem Normal-zustände entspricht nach Maßgabe der Betriebs- und Holzart und der Umtriebs-zeit eine gewisse Größe des Materialkapitals, d. h. der Summe des insämmtlichen Altersklassen jeweilig und gleichzeitig vorhandenen Holzgehalts(Holzvorraths), daher Nvrmalmaterialkapital genannt, ebenso eine gewisse Größedes jährlichen Zuwachses und Ertrages, daher Normalznwachs und Normal-ertrag genannt. H. Cotta unterscheidet von letzterem den Jdealcrtrag alsdenjenigen, wie er zwar nach der Ertragsfähigkeit möglich ist, aber bei nochso sorgfältiger Bewirthschastnng in der Praxis nicht eintritt. Der Normal-zustand ist in der Regel bedingt durch Gleichheit (bei gleicher Standortsgüte)oder Verhältnißmäßigkcit (bei ungleicher Standortsgüte) der Flächengröße derin gleichen Abständen abgestuften Altersklassen und durch das Vorhandenseinderselben bis zum Hanbarkeitsalter des dem Alter und dem Standorte ent-sprechenden Bestands (Nr. 3. des §. 7.) oder Holzvorraths der betreffendenHolzarten auf diesen Flächen in normalem (standortsgcmäßem) Zuwachse. Jenach Vorkommen verschiedener Bctricbsklassen (Nr. 5.) in dem nämlichen Wirth-schastsganzcn und dem Wechsel in den Bestimmungsgründen des Holzertragswechseln auch die Prämissen des Normalzustands, daher dieser kein Beharrungs-zustand ist, der Forstwirth sich dem normalen Ziel stets zu nähern suchen muß,es aber (selbst unter den günstigsten Umständen) nie vollständig erreichen kann.(Eine Nutzanwendung sehe man Nr. 6. des §. 74.). Gegenstand noch nichtgenugsam bethätigter Speculation des Forstwirths ist es, aus dem Material-kapital die höchstmöglichen Natural-Zinsen zu beziehen.

7) Die Mehrheit der mannigfaltig vorkommenden Fälle läßt sich unterden Gesichtspunkt folgender drei Erfordernisse bringen: u) Beobachtungdes Haubarkcitüalters (Nr. 2. Seite 76), weil jede Abweichung vvm ent-sprechenden Alter mit ZuwachSverlust verbunden ist, 6) Gleicht) eit desjährlichen Ertrags, weil dieß Postulat aus dem Begriffe der Reichhaltig-keit in der Regel folgt, dem Interesse der Nation meistens entspricht und auchder Convenienz der Waldeigcnthümer gewöhnlich zusagt (m. s. Einleitung dieses §.)',e) möglichst baldige Herstellung des Normalzustands, weil indiesem die beiden vorhergehenden Erfordernisse mit erreicht sind. Je weiterdie Wirklichkeit von der Normalität noch ahstcht, desto mehr Abweichungenwerden von (u) oder von (b) einstweilen für (c) nöthig oder desto mehrwird bei Vorwiegen von (n) oder (k) das Erforderlich (o) verzögert oderdurch (a) das Erforderlich (>>) oder durch (6) das Erforderlich (a) beein-trächtigt. Die Geschicklichkcit des Betriebsrcgulators muß sich daher in ange-messener Vereinbarung von (u), (d) und (e) bethätigen.

8) Uebcrgangs-Zcitranm oder Uebcrgangs-Umtricb (m. vgl. obenS. 76 Nr. 4.) hecht derjenige, während dessen die beabsichtigte Bctricbsnm-wandlnng oder die Herstellung einer neuen Betriebsordnung bewirkt wird;Ausgleichungs-Zeitraum insbesondere die Anzahl Jahre, binnen welchendie Gleichstellung des vorhandenen Holzvorraths mit seiner Norinalgröße (6)

erfolgt. .

9) Der Mehrertrag der binnen einer Reihe von Jahren zu erwartendenErtragssumme in Vergleich mit derjenigen, welche der Bestimmung des Ab-gabesatzes (Etats) zum Grund gelegt wird, bildet den Reservefond, welcher,nicht in einem Bestände sixirt, nach Umständen bis zu einem gewissen Maaße,z. B. bis zu 5°/,, reichlich sein kann.