Geschichte verliert sich rückwärts in die Sagen der Völker, und diese beginnen meistens mit einem goldenenZeitalter, wo, unter göttlicher Leitung, noch kein Widerspruch der Vernunft und des äußern Lebens war. Es liegtdarin zugleich das Bewußtseyn und die Sehnsucht des endlichen Zieles ausgesprochen. Gewiß ist, daß der Mensch sichnicht aus einem bloß thierischen Zustande, ohne höhere Hülfe, hätte emporarbeiten können.
Wenn wir aber auf den Zustand sehen, worin wir die Menschen in der Wirklichkeit finden, so unterscheiden wir:
Vier Aultur-Stuken -er Völker.
1) So lange der Mensch im wilden Zustande des Jäger- und Fischerlebens ist, kann es keine Geschichte von
ihm geben. Die tägliche Nahrung ist seine einzige Sorge, ein Tag vergeht wie der andere; die Gesellung erstrecktsich noch nicht einmal auf die Familie, denn der Sohn trennt sich sogar vom Vater, um ein eigenes, hinreichen-des Jagdgebiet zu haben. »
2) Zähmung des Viehes und Viehzucht machen erst Familienleben im Großen möglich. Wandernde Hirten(Nomaden). Das Zusammenleben weckt dw Keime der Kultur; aber ein eigentlicher Staat kann sich nicht bilden;man lebt zu unstät, und die Zahl der näher Verbundenen kann nicht groß seyn. Der Aelteste des Stammes istFürst und Priester, mit den Rechten des Familienvaters. Zur Erfindung schriftlicher Zeichen für das Gedächtnißführt dieses Leben nicht; es ist zu einfach, und man ist einander nahe genug, um das Nöthige mündlich mitzutheilen.
Z) Ackerbau führt zu festen Wohnsitzen. Der mühsam bearbeitete, ausgetrocknete oder bewässerte, eingehegteund bepflanzte Boden, so wie die erworbenen Vorräthe werden nicht gern verlassen. Zur Sicherung des Eigen-thums rücken die Landbauer in Dörfer und später, wenn die Gewerbe hinzutreten, in Städte zusammen; die -gegenseitigen Rechte müssen festgestellt werden; Lebensordnung, Gesetz, Regierung werden nöthig und möglich:Ein Staat. Bedürfniß der Schrift; Möglichkeit der Geschichte.
4) Die Arbeit wird noch mehr getheilt, die Erfindungen in den Künsten vervollkommnen sich. Umtausch, Ver-kehr, Handel. Reges Leben in Kunst und Wissenschaft. Gewerbe- und Handel - treibend e Völker. —Zwischen den beiden letzten Stufen ist jedoch kein scharfer Abschnitt zu machen.
Die eigentliche Geschichte kann also erst mit den schon gebildeten Staaten anfangen. Die heiligen Schriften desA, Testaments enthalten aber auch Schilderungen aus einem früheren Zustande der Menschen. Nach ihnen ward:
3484 Jahr vor Christi Geburt die Welt geschaffen.
2328 war die Noachische Ueberschwemmung.
Noahs Söhne, Sem, Ham und Japhet.
2200 Tl/urmbau zu Babel.
2000. In dem Leben Abrahams , Jsaaks und Jakobs geben uns jene Schriften großartige Bilder desNomaden-Lebens. Diese Stammvater der Nation empfingen Weissagungen von einem künftigen Glänze ihresGeschlechts und von dem Segen, der von ihm über die Völker ausgehen sollte; dadurch geschah es, daß ihr Andenken,auch ohne Schrift, von Geschlecht zu Geschlecht treu fortgepflanzt wurde.
Wenn wir für die die dritte und vierte Kulturstufe auch Vorbilder in der ältesten Geschichte suchen, so könnenwir die Aegyptier und Phönicier nennen.
Ächlrausch Chronol Abriß. Ste Aufl.
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