Baumwolle
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Baumwolle
Fenton ein noch komplizirteres Präparat vorschlägt,ein Herr Philipps sein Surrogat geheim hält, dieSpinner von Dundee aber Wege gefunden haben,den ostindischen Faserstoff Jute, (s. d.) der bisher nurzu Packtnch verwendet wurde, zu feineren Garnen zuverspinnen, um dieselben als Ersatz ftir Baumwoll-garn anzubieten. Jedem Sachverständigen mußgegen all diese Surrogate ein ernstes Bedenken auf-steigen. Baumwolle verdankt ihre große Verbrei-tung nicht ihrer Billigkeit allein, sondern auch derEigenschaft, welche sie in eminentem Grade be-sitzt , ein Gewebe zu liefern, das mit der größtenLeichtigkeit gebleicht, gefärbt und bedruckt werdenkann. Werden Surrogate für Baumwolle, welcheaus verschiedenen Faserstoffen gemischt sind, dieseEigenschaft auch haben? Gegenüber den bisherigenVorschlägen ist diese Frage entschieden mit Nein zubeantworten.
Baumwollenband ist erst in neuerer Zeit hinund wieder an die Stelle des Leinenbandes getreten,seitdem man mit den Spinnmaschinen ein fester undschärfer gedrehtes Baumwollengarn als früher ferti-gen kann. Noch häufiger aber wird Band ausLeinen- und Baumwollengarn gemischt verfertigt.Dies ist sowohl mit den weißen leinenen Bändernals mit den buntgestreiften der Fall, die jetzt aberauch ganz von Baumwolle verfertigt werden, sowohlglatt als geköpert. Ebenso verfertigt man baum-wollenes Atlasband mit und ohne Zacken, weiße undbunte baumwollene Litzen, Schnürsenkel und baum-wollenes Frisolettband. Die baumwollenen Bänderwerden von den nämlichen Fabriken verfertigt, wiedie leinenen und wir verweisen daher wegen desWeiteren auf den Artikel Leinenband.
Baumwollengarn ist das aus der Baumwolleverfertigte Gespinnst, welches zum Weben von Zeu-gen, zum Stricken und Wirken von Strumpfwaarenrc. verwendet wird. Früher wurde alles Garn mitder Hand, vermittelst einer sehr einfachen Maschine,dem Spinnrade, gesponnen, nachdem man vorherdie rohe Wolle sdurch Handkrempeln gereinigt, auf-gelockert und in eine etwas regelmäßige Lage gebrachthatte. Das meiste Garn wurde damals in Ostindiengesponnen und auch zu Zeugen verwebt, mit denenein großer Theil des europäischen Bedarfs befriedigtwurde; der Grund davon lag in der Wohlfeilheitdes Arbeitlohns in jenen Ländern und die Spinnereiund Weberei konnte deshalb in Europa zu keinemAufschwünge kommen. Das daselbst gesponneneGarn wurde meist nur zum Einschuß verwendet,wozu es weniger haltbar zu sein braucht, als zurKette, welche deshalb zu vielen Zeugen aus Leinen-garn gemacht wurde. Die ostindischen baumwollenenZeuge kamen zum großen Theil roh oder doch weißnach Europa und wurden hier gebleicht, gefärbt,bedruckt rc. Das feinste Garn kam von der Küstevon Koromandel, dann folgte das aus Java, Ceylon,Surate, Bengalen rc. Auch aus der Levante kamviel baumwollenes Garn, meist über Smyrna undSalonichi nach Europa; die feinsten Sorten warendie von Damaskus und von Jerusalem, dann folg-ten die von Said, Aleppo und Alexandrien rc. Na-türlich wünschte man bei der zunehmenden Bevöl-kerung und den wachsenden Bedürfnissen Europasschon längst sich von dieser Ueberlegenheit des Aus-landes zu befreien und ein verbessertes und leichteresVerfahren für das Spinnen der Baumwolle auszu-'Mitteln. Dies konnte auf eine genügende Weise nur,durch Erfindung einer Maschine geschehen. Der i
erste Schritt dazu geschah im Jahre 1762 durch diein England gemachte Erfindung der cylind eiförmigenKrempeln, welche gedreht werden und wodurch dieseArbeit bedeutend erleichtert wurde. Die erste Artvon Spinnmaschine, die aber mit den jetzt üblichenkeinen Vergleich aushält, erfand im I. 1767 einZimmermann in Lancashire in England, Na-mens James Hargrcaves, indem er 8 Spin-deln so mit einander verband, daß sie zu gleicherZeit 8 Fäden spannen; er nannte diese Vorrichtungnach seiner Tochter spinning- Jenny <das spinnendeHannchcn). Sie lieferte jedoch nnr lockeres, zumEinschuß brauchbares Garn; aber sie gab Veran-lassung, daß andere denkende Köpfe nach und nachmanche Verbesserung daran anbrachten. Den größ-ten Schritt zum Ziele that R ich a r d Ar k w r i g h t,ein Barbier in Wirksworth in Derbyshire, ein me-chanisches Genie, der sich in Warrington mit derErfindung des Perpetuum mobile beschäftigte, aberauf Anrathen des Uhrmachers Kay die Thätigkeitseines Erfindungsgeistes aus die Spinnmaschinerichtete. Er schlug einen ganz neuen Weg ein, indemer das eigentliche Spinnen, nämlich das Ausdehnender Baumwolle zu einem Faden, durch zwei nebeneinander liegende Walzenpaare bewerkstelligte, vondenen das zweite Paar sich viel schneller dreht alsdas erste, und daher die zu einem dicken Faden leichtzusammengedrehte Baumwolle (bte Locke), nachdemsie durch das erste Paar gegangen ist, zu einem dün-neren und längeren Faden auszieht. Cromptonverbesserte diese Maschine dadurch, daß er die von.Hargreaves erfundenen drehenden Spindeln damitverband; er nannte seine Maschine Mulc Jenny oderMule, und sie ist die Mutter der jetzigen Spinn-maschinen geworden, die aber im Laufe der Zeit erstdurch eine Menge Verbesserungen zu ihrer gegen-wärtigen Vollkommenheit gebracht worden sind.Man setzte mehrere Tausend Spindeln durch dieKraft des Wassers oder des Dampfes zu gleicherZeit in Bewegung, erzeugte dadurch eine großeMenge Garn mit verhältnißmäßig wenigen Kostenund beschäftigte eine Menge zur Aufsicht und Be-dienung der Maschinen nöthige Menschen. Zu glei-cher Zeit aber wurde durch die größere Wohlfeilheitdes Garnes und der Gewebe, deren Verfertigungebenfalls durch Erfindung von Maschinen sehr er-leichtert wurde, die Consumtion außerordentlich ver-mehrt und der Welthandel erhielt eine ganz neueGestalt, indem keine Garne mehr aus Asten kamen,wohl aber bald Garne und Zeuge aus Europa dahingingen, die Baumwolle dagegen, deren Erzeugungdadurch ebenfalls außerordentlich vermehrt wurde,direct nach Europa und namentlich nach Englandging. In diesem Lande bildete sich die Baumwollen-spinnerei ani schnellsten und am höchsten aus, ver-breitete sich aber auch bald über das übrige Europaund andere civilistrte Länder und jetzt wird fast nir-gends mehr Baumwolle mit der Hand gesponnen.Die Zahl der jetzt in England, Frankreich, Deutsch-land, in dem übrigen Europa und in den VereinigtenStaaten von Nordamerika in Thätigkeit befindlichenBaumwollenspiudeln ist ohngesähr 30 Millionenohne die übrigen außereuropäischen Staaten. Eng-land aber versorgt viele Länder noch mit eurem gro-ßen Theile ihres Garnbedarfs, besonders von denfeinen Sorten. Man kann im ^vrchschnrtt anneh-men, daß 12 Spindeln täglich 1 Pfd. Baumwolle, toctfbinttcu — SöciuniiüüHcnQctvu , in Qsttcjlßttb| Twist genannt, welcher Name auch in Deutschland
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