Band 
Erster Band.
Seite
114
JPEG-Download
 

Baumwolle

114

Baumwolle

Sevilla und Granada wurde früher, besonders wäh-rend des Unabhängigkeitskrieges, wo die kataloni-schen Fabriken ihren Bedarf nicht von außen beziehenkonnten, in ziemlicher Menge und schöner Qualitäterbaut; aber in Folge der schlechten Bewirthschaf-tung ging diese immermehr zurück, so daß die Kulturendlich ganz ausgegeben wurde. Erst in neuerer Zeithat man sie in Sevilla wieder aufgenommen. —.Die neapolitanische Baumwolle ist von verschie-dener Qualität; die beste wird bei Castellamare undDellatorre erbaut, glänzend weiß, fein, rein, aberungleich und kraftlos. Sie kommt in Ballen vonfeiner weißer Leinwand, mit 5—6 Stricken geschnürt.Bedeutend geringer, in Folge vernachläßigter Kulturund Reinigung ist die Puglieser aus der Gegendvon Bari und Leere; an letzterem Orte wird aucheine ins Röthliche fallende Gattung erbaut. Dannfolgen die Sorten aus Calabrien, als die gering-sten. — Sicilien erzeugt besonders bei Terranuova, an der Küste westlich von Syracus und imThal von Noto Baumwolle. Die beste wird Bi-anca» illa genannt und in der Gegend von Mes-sina erbaut; sie wird der Louisana fast gleich geschätzt,ist aber nicht besonders rein. Die Modica undDerra nuova stehen ihr nicht viel nach. Man un-terscheidet im Lande ungereinigte, loräo, mit denSamen, welche in: Lande selbst verbraucht wird j vonden Körnern befreite, magalugio, welche in Bündelgeschlagen ist, und fein ausgesuchte, üor äi rodn, dieaus der Mitte der Kapseln genommen ist; die ge-ringste heißt Oottono äa vela. Die Neapolitanischeund Sicilianische kommt in leinenen Säcken, aufwelche4%Tara gegeben wird. — Auf Malta wirdweiße und bräunliche Baumwolle erzeugt, beide mitseinem, weichem, aber nicht sehr langem Faden, dieein schönes feines Garn liefern. Sie wird sämmtlichaus der Insel versponnen und das Garn nach Trieftund Italien ausgeführt.

So bedeutend auch die Quantität der Baumwolleist, die aus der ganzen Erde erzeugt wird, so reichtsie doch zu dem Bedarf kaum aus, und schon imJahr 1834 ergab eine von Nik. Köchlin in Mühl-hausen gemachte Zusammenstellung ein Deficit von10 Millionen Kilogr. Seitdem hat sich zwar Vielesgeändert, der Anbau hat sich in mehreren Ländernvermehrt und besonders die bedeutend vermehrte Zu-fuhr aus Ostindien hat manchen Bedarf befriedigt;dagegen hat aber die Verbreitung der Maschinen-spinnerei, wozu nur Baumwolle von einer gewissenLänge und Haltbarkeit benutzt werden kann, mancheSorten verdrängt und die Consumtion hat bedeutendzugenommen.

In Großbritannien erreichte die Einfuhr vonBaumwolle zu Anfang des vorigen Jahrhundertsdie Zahl von 2 Mill. Pfund noch nicht; 1800 betrugsie schon 43, im Jahre 1859 belies sie sich auf 1200,im Jahre 1860 auf 1250 Mill. Pfd. Im Jahre1758 wurde aus den Vereinigten Staaten noch keinPfund eingeführt und 1850 kamen von dort alleinnach dem englischen Markt 493 Mill. Pfd.; 1859:950 Mill. Pfd. In letztgenanntem Jahre gingennach dem europäischen und asiatischen Rußland undden drei skandinavischen Staaten427,000 Ballen, wo-von die Vereinigten Staaten 327,000, Brasilien 6000,Ostindien 90,000 und Aegypten4000 Ballen lieferten.

Nach den Zollvereinsstaaten sandten 1860:

Die Vereinigten Staaten 177,000 Ballen,Westindien 9,000 „

Ostindien 121,000 „

Da aber bedeutende Quantitäten Baumwolle vonLiverpool, also indireet bezogen worden sind, so müßtedie in Deutschland verarbeitete Baumwolle weitgrößere Zahlen als die obigen ausweisen. Nach Hol-land gingen von den Vereinigten Staaten 67,000,von Westindien 4000, von Ostindien 46,000 Ballen;nach Belgien von den Vereinigten Staaten 34,000,von Westindien 1000, von Ostindien 29,000 Ballen;nach Frankreich und der Schweiz von den Vereinig-ten Staaten 551,000, von Brasilien 3000, vonWestindien 26,000, von Ostindien 8000, von Aegyp-ten und Algerien 33,000 Ballen; nach Oesterreichvon Amerika 29,000, von Ostindien 37,000, vonAegypten 11,000 Ballen; nach Spanien von denVereinigten Staaten 103,000, von Brasilien 3000Ballen, und nach Italien sandte Amerika 104,000,Ostindien 17,000, Aegypten 1000 Ballen. Der ge-sammte europäische Kontinent mit Einschluß desrussischen Asien führte demnach 1,841,000 Ballenund zwar:

Von den Vereinigten Staaten 1,392,000 Ballen,

Von Brasilien 12,000 „

Von Westindien 40,000 „

Von Ostindien 348,000 „

Von Aegypten und Algerien 49,000 „

ein. Dagegen bezog England im gedachten Jahrevon den Vereinigten Wtaaten 2,242,000, von Bra-silien 113,000, von Westindien 6000, von Ostindien176,000 und von Aegypten 96,000 Ballen. DieVereinigten Staaten verbrauchten im Ganzen972,000 Ballen , wovon 787,000 auf die freien und185,000 auf die Sclavenstaaten kommen. DieseBaumwollenmassc von 5,446,000 Ballen hatte einGewicht von 22,984,900 Ctr. oder 2,298,490,000Pfund.

Nordamerika hat bis jetzt bei Weitem den größtenTheil der in Europa zu verarbeitenden Baumwollegeliefert. Die in Folge des unglücklichen Bürgerkrie-ges in Amerika eingetretene, voraussichtlich nochlängere Zeit fortdauernde Baumwollnoth, welcheden europäischen Baumwollenfabriken drohte, isttheilweise abgewendet worden, indem man bedeutendeQuantitäten roher Baumwolle von Ostindien bezog.Allein die Qualität letzterer ist kaum mit der ameri-kanischen zu vergleichen und obwohl die englischenSpinner im Stande sein mögen, solche ostindischeBaumwolle zu verarbeiten, so lange ihm die bessereamerikanische vorenthalten bleibt, ist doch kein Zwei-fel, daß sofort nach Wiederöffnung der Häfen vonCharleston, Savannah, Mobile und Neuorleans, die„Surate" (indische Baumwolle) dem amerikanischenProdukt wieder den Platz überlassen wird, und indieser Voraussicht wird Niemand in Indien sich aufdauernden Anbau von Baumwolle in großem Maß-stabe einrichten wollen. England, dessen Verbraucha / 3 Theil desjenigen von ganz Europa ist und dasdie Baumwolltheurung bitter empfindet, hat schonlange auf Mittel gegen die wachsende Noth gesonnen.Intervention in Amerika war der erste von Laneashireverlangte Ausweg; die englische Regierung hat ihnnicht eingeschlagen, wohl zu ihrem Glücke. Baum-wolle aus Indien, Algier, ja Italien war das zweiteLosungswort und die Baumwollbeschafsnngskom-pagnie schien die verschiedensten Länderstriche mitBaumwollpflanzungen bedecken zu wollen. EinSurrogat für Baumwolle sollte jetzt gefunden wer-den, und es liegen Borschläge eines Herrn Harbenvor, der aus grobem Flachse und Seegras einenSpinnstoff bereiten will, während ein Herr Ferrar