Berlin 134 Berlin
lauft und verlauft, Wechsel und andere Papiere aufBerlin einzieht, Girogeschäfte macht und Noten von200, 100, 50, 20 und 10 Thlr. bis zum Betrage von
1 Million ausgibt. Für den Betrag der umlaufen-den Noten muß die Bank immer wenigstens 1 / 3 inbaarem Gelde oder Silberbarren und 1 / 3 in discon-tirten Wechseln besitzen. Von dem reinen Gewinnwerden zuerst 8 "/» als Tantième für den Verwaltungs-rath und den vollziehenden Director genommen, wennnämlich der übrige Gewinn wenigstens 40 Thlr. per'Actie beträgt, indem das Fehlende außerdem von derTantième ergänzt wird. Beträgt der Gewinn mehrals 50 Thlr. pr. Actie, so wird die Hälfte des Ueber-fchusses zur Bildung eines Reservefonds verwendet,welcher zur Ergänzung des Stammlapitals, wenndieses sich etwa vermindern sollte, bestimmt ist, undsollte er dazu nicht ausreichen, so wird bis zur voll-ständigen Ergänzung nur die Hälfte des Gewinnsals Dividende vertheilt. — Am 31. December 1861betrugen die Activa des Vereins 4,450,081 Thlr.29 Sgr. 2 Pf., die Passiva 4,386,313 Thlr. 26 Sgr.
2 Pf. ; er befaß an baarem Gelde 1,716,400 Thlr.24 Sgr. und einen Reservefonds von 104,516 Thlr.20 Sgr. Von den unter den Pafsivis des Vereinsfigurirenden 1 Million Banlnoten, waren im Jahre1861 durchschnittlich 578,379 Thlr. im Umlauf.
Discontogefellfchaft. Im Sommer 1850wurde von dem Director der preußischen Banl, Han-semann, die Berliner Kreditgesellschaft, zu-nächst mit einem durch Actien aufzubringenden Ka-pital von IV- Mill. Thlr. gegründet, die jedoch erstmedio October 1851 unter dem Namen Disconto-gesellschaft eröffnet wurde. Diese gibt ihren Mit-gliedern Kredit, theils auf Grund anerlannter Soli-dität, theils gegen Bürgschaft von 3 Personen odergegen Unterpfand courshabender Papiere. JedesMitglied zahlt als Einlage 10»/o der Summe, die esals Kredit beanspruchen will und die bis 10,000 Thlr.,bei Handwerlern und ähnlichen Gewerbtreibendenaber auch nur 200 Thlr. betragen lann, so daß dieletzteren mit 20 Thlr. Einlage Mitglieder werdenkönnen. Die Einlagen werden mit 4"/v verzinst undnehmen außerdem an dem Gewinne und Verluste derGesellschaft Theil. — Für das Jahr 1861 wurdeeine Super-Dividende von 2 °/ 0 bezahlt. Die Activabetrugen am 31. December desselben Jahres21,818,426 Thlr. 6 Sgr. 10 Pf., die Passiva21,095,535 Thlr. 6 Sgr. 10 Pf. Der Reservefondsenthielt 892,092 Thlr. 12 Sgr. 7 Pf.
Handelsgesellschaft. Zweck dieser im Jahre1856 begonnenen Gesellschaft, sind: Banl-, Handels-und industrielle Geschäfte. Ihr Grundkapital beträgt3,750,000 Thlr. in Antheilscheinen à 200 Thlr. Ausdem Gewinne erhalten 1) die Eigenthümer der Firmazusammen eine Tantième von 5 Proc., 2) die Mit-glieder des Berwaltnngsraths ebenso 5 Proc., 3) derReservefonds 5 Proc., 4) den Rest die Actionäre. Zah-lung der Dividende im Juli. Der Reservefonds sollnicht über 10 Proc. betragen. Die Gesellschaft löstsich auf, wenn die Auflösung vor Ablauf der statuten-mäßigen Frist von der Generalversammlung miteiner Majorität von B U der in ihr vertretenen An-theilsscheine beschlossen wird und sämmtliche Eigen-thümer der Firma diesem Beschlusse zustimmen. DemWillen letzterer entgegen, kann die Generalversamm-lung die Auflösung nur dann rechtsgültig und mitverbindlicher Kraft für die ganze Gesellschaft beschlie-ßen, wenn nach der letzten endgiltig festgestellten Bi-lanz der Reservefonds und mehr als V- des Grnnd-
lapitals zu Verlust gegangen ist. — Am 31. Decem-ber 1881 berrugen die Activa der Gesellschaft4,748,659 Thlr. 19-/- Sgr., die Passiva 4,479,404Thlr. 3 Sgr. 4 Ps., der Reservefonds enthielt230,544 Thlr. 8-/2 Sgr.
Außer den erwähnten Anstalten ist Berlin noch derSitz zahlreicher Actiengesellschasten von Eisenbahnenund industriellen Unternehmungen, sowie von Feuer-,Hagel-, Lebens-, Transport- und Hypothekenversiche-' rnngs-Gesellschasten.
Platzgebräuche. Die meisten Gewichts-waaren werden entweder nach dem Centner odernach dem Pfunde verlauft und es geschehen dieKäuse säst immer gegen baar. Getreide- und Oel-samen werden seit 1. September 1859 ebenfalls nurnach dem Gewicht verlaust und es verstehen sich diePreise bei Roggen für 20 Ctr. oder 2000 Psd. beieiner Qualität von,77 Psd. pr. Scheffel; Weizenund Gerste ebenfalls für 2000 Psd., ohne Qualitäts-angabe ; Hafer für 1200 Psd. Qualität 47 Psd. pr.Scheffel; Erbsen, Linsen, Bohnen, Wicken, Lupinenund Kartoffeln für 100 Psd.; Oelsaat für 2000 Psd.Bei Oel soll für je 100 Ctr. Netto nicht unter 114Ctr. und nicht über 119 Ctr. Brutto geliefert werden.Im königlichen Magazin in Berlin wird Hafer auchfür 25 Scheffel zu 47 Psd. gehandelt. Im gewöhn-lichen täglichen Marliverkehr werden Getreide, Erb-sen und Kartoffeln andauernd nach dem Maße undzwar nach dem Scheffel verlaust; Kartoffeln im klei-nen Marltverlehr nach der Metze. Lieserungsgeschästein Roggen werden usanzmäßig ans ein Quantumvon 1000 Ctr. abgeschlossen und es hat der Verkäuferdas Recht, bis 50 Ctr. rc. oder weniger zu liefern,welches Mehr oder Weniger zu dem am Kündigungs-tage stattfindenden durchschnittlichen Tagespreise deslaufenden Termins regulirt werden. Von zäh lan-den Gütern rechnet man 1 Stück Garn zu 20Gebinden L 40 Faden ä 3 , 6 Berliner Ellen. EinSchock Stroh zu 4 Mandel oder 60 Bund ü 20Pfund. Der Ballen Papier enthält wie in ganzDeutschland 10 Ries, das Ries 20 Buch. DasBuch hat beim geleimten Papier (Schreibpapier)24 Bogen, beim ungeleimten (Druckpapier, Fließ-papier rc.) gewöhnlich 25 Bogen. Englisches Blechverlaust man pr. Kiste; Citronen pr. 100 Stück;Chamottesteine pr. Mille; Rum pr. 192 Quart;chlestsche Butter pr. Faß von 30 Quart; Sardellenpr. Anker; Thran pr. Tonne (Südseethran pr. Ctr.).
Ueber die Usanzen beim Spiritushandel s.Branntwein. — Für das Gebinde werden 1%Thlr. für je 100 Quart berechnet. Der Preis ver-steht sich bei Spiritus „ohne Faß für die Waarefrei ins Hans'geliesert." — Als Tara rechnet manin der Regel die Netto-Tara; vom Hamburger Si-rup die Hamburger Tara; bei Wolle 3% Proc.;ranz. und engl. Sirup, Rüböl, Talg, Rosinen, Kaffeeund Schwefel in Kisten genießen 10 pCt., Baumöl,über 1000Psund, 14pCt., 500 Pfund 16 pCt., unter500 Pfund 18pCt., Hanföl 15pCt. Tara. — DieWaaren-Couriage^ welche der Verkäufer bezahlt,heträgt 1 Proc.; die Courtage bei Versicherungen^4 Proc. von Seite des Versicherten. Provisionund Delcredere nach Uebereinlunst; letzteresschwankt zwischen 2 und 10 Procent. Die Ein-kaussprovision aus Landesprodukte beträgt1 bis2Proc.; die Verkanssprovision aus Lan-desprodukte und Getreide 1—3Proc.,aus Co-lonialwaaren V- Procent; auf Wein 5—10Procent.