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Erster Band.
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Chili

Chili

Bicekönigreich Peru, hat sich aber 1818 frei gemachtund ist jetzt Republik unter einem Präsidenten, einemSenat und dem Congreß der Repräsentanten. DerBoden ist meist ebenes Küstenland, besonders im Nor-den sehr dürr und zum Theil völlige Wüste, weitersüdlich aber und in der Nähe der Flüsse höchst frucht-bar. Gegen Osten erhebt er sich zu einem niedrigenBerglande, das im südlichen Theile weiter von derKüste zurücktritt und besonders hier finden sich schöneWaldungen und fruchtbare Thäler mit üppigen Wie-sen und Steppenebenen. Die Anden, mit einigenbis 21,000 Fuß hohen Gipfeln und 16 meist nochthätigen Vulcanen, bilden gegen den übrigen süd-amerikanischen Kontinent einen Grenzwall, der nurmit großer Schwierigkeit und außer aus einer einzigeneinigermaßen gangbaren Straße nur aufgefährlichen,höchstens für'Maulthiere gangbaren Felsenwegen zupassiren ist. Von dem Gebirge kommen 12, sämmt-lich nur wenige Meilen lange und wenig oder garnicht schiffbare Flüsse herab, die in eben so vielenThälern das Land bis zum stillen Ocean quer durch-schneiden und unter denen der Huasco, Maypo, Ac-oncagua, Maule und Biobio die bemerkenswerthestensind. Das Klima ist im ganzen mild und gesund, inder nördlichen Hälfte weniger heiß als in den Tropen-ländern, aber sehr trocken, so daß oft großer Wasser-mangel eintritt, in der südlichen weniger beständig,aber demohngeachtet, mit Ausnahme des unfreund-lichen Winters, lieblich und angenehm. Erdbebensind häufig, besonders im Süden, wo die meistenVulcanesind und von wo man auch überall Spurenfrüherer vulcanischer Verwüstungen antrifft. Derfruchtbarere südliche Theil liefert die meisten Pro-dukte des Pflanzenreichs; Weizen wird daselbst vielgebaut, im Norden aber wegen des Mangels anfruchtbaren Thalebenen nur wenig; Gerste fast nurim Süden; Mais und Hafer wenig, Roggen ist fastunbekannt; dagegen viel Hülsensrüchte, im Nordenvortrefflicher, selbst den russischen übertreffender Hanf;viel spanischer Pfeffer, Oliven , Obst, vorzüglicheMelonen; Wein und Tabak gedeihen gut, der letztereist aber von geringer Qualität; Kaffee, Zucker undReis sind schlechter als in Brasilien, da das Klimanicht mehr warm genug dazu ist; ferner gibt es vonder hiereinheimischen und vielfach benutzten Kartoffel7—8 vorzüglich gute Arten und die Distel des Pam-pas dient als wichtiges Viehfutter. Die Waldungenin den südlichen Gebirgen, welche sich durch Bäumevon ungewöhnlicher Stärke auszeichnen, liefern vor-treffliches Schreiner-„und Zimmerholz, sowie Farbe-stoffe, Gummi und Aerba (Paraguaythee), die abernur nach Buenos-Äyres und Peru abgesetzt wird.Von europäischen, zum Theil verwilderten Haus-thieren, besonders Rindern, gibt es große Heerden,auf manchem Landgute 10—12,000 Stück, ob-gleich trockne Jahre oft sehr viele davon hinraffen;wichtige Pferdezucht, viel wilde Ziegen, aber wenigSchweine und gar keine Gänse; ferner Llamas,Bicusias, eine Art Biber und Fischotter und vieleandere kleine, zum Theil noch unbekannte wildeThiere, jedoch keine Schlangen. Wallfische sind imMeere zahlreich. Von Vögeln find besonders Papa-geien, Kolibris und andere schöne Arten, sowie dieschwarzen Geier zu bemerken, welchedurch VerzehrenKupfer, zweimal geschmolzen . . . .

* „ in Barren..

„ Erz.

Silber amalgamirt und in Barren . .

„ Erze.

des Aases sehr nützlich werden. Seit einiger Zeitsind an der Nordgrenze Chiles bedeutende Guano-lager entdeckt worden, deren Werth auf viele Mmt-onen veranschlagt wird. Das Mineralreich liefertGold (jährlich 3—4000 Markl aus den Gebirgen undaus dem Sande der Flüsse, Silber (gegen 160,000Mark), Kupfer (ca. 50,000 Ctr.), Quecksilber, Blerund Eisen, und überhaupt geben die Metalle einejährliche Ausbeute von 4 bis 5 Will. Piaster; fernerviel Steinkohlen, See- und Quellsalz. Die InselChiloe ist gebirgig, sehr fruchtbar und hat gesundesKlima, obgleich die Luft feucht ist, da die Regenzeit6 Monate dauert. Sie hat viel Wälder, die eineherrliche Cedernart enthalten, und liefert Weizen.Kartoffeln und europäische Obst- und Gemüsearteuim Ueberfluß. Die weiter südlich liegenden lava-und basaltreicheu Chonos- und Guayatecas-inseln sind unbewohnt, und die etwa 100 Meilenvon der Küste unter 32 » 20'südlicher Breite gelegenenbeiden Juan Fernandez-Jnseln: Masa-tierra und M a safuero, haben außer einer chile-nischen Berbrechercolonie, die 1830 aus ersterer an-gelegt wurde, nur wenig Bewohner. Auf Masatierragibt es schöne Waldungen und Thäler, verwilderteHunde und andere verwilderte europäische Haus-thiere, viele Hummern und Fische. — Die In-dustrie ist noch ziemlich zurück; Ackerbau, Vieh-zucht, Bergbau, Jagd und Fischerei sind die Haupt-beschäftigungen der Einwohner, doch werden verschie-dene Gewebe aus Wolle und Baumwolle, Leder,Kupfer- und Töpfergeschirre, Seife, Branntwein rc.verfertigt. Der Handel ist fast ganz in den Händeneuropäischer und nordamerikanischer Kaufleute, welcheviel zu dessen Hebung beigetragen haben. Nirgendin der Welt ist der deutsche Handelsstand von einerfremden Nation so geachtet wie hier und in fast allenenglischen und chilenischen Handlungshäusern findensich deutsche Buchhalter und Cassirer. Eingeführtwerden hauptsächlich Manufaktur- und Fabrikwaaren,Maschinen, Tauwerke und andere Schiffsbedürfnisse,Zucker, Reis, Thee, Tabak. Glanzleder, Branntwein,Weine, Bier, Stockfische, Quecksilber u. s. w. DerGesammtwerth der Einfuhr belief sich im Jahre 1862auf 17,210,955 Pesos oder Piaster <1 Peso5 Francs) gegen 16,676,314 Pesos im Vorjahre.Die Einsuhr von Luxuswaareu betrug 1,378,229Dollars, die anderer Manufakturwaaren 9,687,590Dollars. Die Ausfuhr belief sich 1862 aus21,994,432Pesos und besteht in Weizen, Weizenmehl, Gerste,Zwieback, Wolle, Bohnen, Chinchillafellen, Talg,Häuten, Branntwein, Fischbein, Chilisalpeter,Fleisch, Bauholz, Steinkohlen rc.; die Hauptrolleunter den Exportartikeln spielen aber die Metalle.Der Gesammtwerth aller aus Chili ausgeführtenWaaren belief sich im Jahre 1862 aus 39,205,33Pesos. Die seewärts exportirten Waaren gingennach England und seinen Colonieu, nach Peru, REamerika, Frankreich und seinen Colonieu, nach Demlw-land, Bolivien, Brasilien, Australien, Neugranav»'Californien, Ecuador, Polinesien und Centra -amerika. Der Totalwerth der ausgeführten berg-männischen Erzeugnisse erreichte die bedeutetSumme von i 6,494,005 Dollar, darunter:

Wertn.

. 5,307,254 Dollar,

.4,918,130 „

. 2,194,648 „

. 2,187,173 „

. 1,026,153 „