Drachenblut
399
Draht
mor und dgl., sowie in geringer Menge zu Zahntink-turen und Zahnpulvern.
Drachenblut, ein rother Rheinwein aus derGegend von Drachenfels.
Drachensame, s. Hohlwurzel.
, Drachma , ehemaliges Gewicht in Polen, fernereine Münze in Griechenland, s. d.
, Drachme, ein in ganz Deutschland und auch indielen anderen Ländern eingeführtes Apotheker-gewicht, s. d.
Draden, Garnmaß in D a n z i g.
Dragoman, s. Dolmetscher.
Dragomiten,s. Marmaroscher Diamanten.Dragun,Dragon, Estragun , Bertram,Eaisersalat,Artomisia draeunculus, eineArt des Beifuß, die in Asien einheimisch ist und beiUns in Gärten gezogen wird. Die perennirende1—IV2 Fuß hohe Pflanze hat glatte, glänzende, lan-iettförmige Blätter von scharfem, gewürzhaftem Ge-schmack, weshalb man die Blüthenstengel sowohl frischals getrocknet, als Gewürz an Salat, Saucen,Braten, eingelegte Gurken, marinirte Fische rc. undiur Bereitung des beliebten Estragunessigs (s.d- folg. Art.) braucht. Die Pflanze enthält ein gelbes,ätherisches Oel, aus welchem vermittelst Salpeter-säure die Drag uns äure dargestellt wird, aus wel-cher eine Reihe chemischer Verbindungen hervorgeht.Sie ist mit der Anissäure identisch, hat schwere, farblose,aber glänzende Krystalle, ohne Geruch und Geschmack.Das Kraut hat noch die Eigenthümlichkeit, wennfrisches Fleisch damit eingerieben wird, die Schweiß-fliegen von diesem zu vertreiben.
Dragunesfig oder Estragunessig, ein aroma-tischer Essig, dessen hervorschmeckender BestandtheilDragun ist und der zu Salat, Saucen und dgl. ge-braucht wird. Man bereitet ihn, indem man Estra-gun mit mehreren anderen Kräutern, gewöhnlichPfefferkraut, etwas Majoran, Thymian, Krause-münze, Chalotten u. dgl. und einigen Gewürzen(Nelken, Cassia, Macisblumen rc.) mit gutem, ächtenWeinessig übergießt und in einer leicht verschlossenenFlasche 14 Tage lang an der Sonne digeriren läßt,dann den Essig abgießt und die Kräuter auspreßt.Er erhält einen lieblichen Geschmack, wenn man ausdie Kanne V2—1 Loth Zucker zusetzt, und wird ganzvorzüglich, wenn man aus 15Kannen1 Kanne gutentveißen Franzwein hinzusügt und ihn einige Zeitlagern läßt. Auch kann man ihn bereiten, wennwau etwas Dragunöl zu Essig hinzusetzt.
Draht nennt man in lange, mehr oder wenigerdünne Fäden gezogenes Metall, namentlich Eisen,Stahl, Kupfer, Blei, Messing, Tomback, Zink, Sil-ber, Platin. Die Bereitung desselben geschieht, indemchan eine zugespitzte Metallstange mit Gewalt durche>n Loch in emer Stahlplatte, dem Zieh eisen zieht,und dieses durch immer engere Löcher so lange wie-derholt , bis der Draht hinlänglich dünn ist. Wenndaran gelegen ist, daß der Draht auf eine bedeutendeLänge durchgehends ganz gleich stark ist, so zieht manwn jetzt durch Löcher, welche in harte Edelsteine, wieRubin, Saphir rc. gebohrt sind, denn der Stahlweitet sich nach und nach etwas aus. Man hat durchttn Rubinloch von 3,E Zoll Durchmesser einenSilberdraht von 170 deutsche Meilen Länge gezogen,dessen beide Enden noch keinen bemerkbaren Unter-schied in der Dicke zeigten, während ein gewöhnlichessn weichen Stahl gebohrtes Ziehloch schon nach demDurchziehen eines Drahtes von 1400 Wiener Klas-tern bedeutend erweitert worden war. Starker
Draht wird auch zuweilen verfertigt, indem man ihnzwischen zwei Walzen durchgehen läßt, die auf ihremUmfange genau correspondirende halbcylinderförmigeRinnen haben und sich in entgegengesetzter Richtungdrehen. Meist ist die Form des Drahtes cylindrisch(d. h. sein Querdurchschnitt bildet einen Kreis), dochverfertigt man ihn zu manchen Zwecken auch oval,Halbrund, halbmondförmig, viereckig, rosen - odersternförmig rc. und nennt ihn dann gauffrirt oderfavonnirt, auch Fayon- oder Dessindraht.Solcher Draht wird besonders von Messing fürDruckformen verfertigt; auch dieGetriebeder Taschen-uhren bestehen aus gezogenem sternförmigem Stahl-draht, der in kleine Stücke zerschnitten ist. PlatterDraht heißt L a h n (s. d.). Die Länge des Drahteswächst nach dem Quadrate der abnehmenden Dicke,so daß ein bis zur Hälfte seiner Dicke ausgezogenerDraht viermal so lang wird, als er vorher war;wird er bis aus 1 / 3 ausgezogen, so wird er ömal solang rc. — Der wichtigste und in den Gewerben amhäufigsten angewendete Draht ist der Eiseudraht,welcher im Großen auf Drahthütten versertigt wird,wo das Ziehen meist vermittelst Maschinen geschiehtund der Draht oft durch 40—50 Ziehlöcher von ab-nehmender Weite gehen muß. Man verfertigt dengewöhnlichen Eisendraht meist in 25—d0 verschiede-nen Stärken, von denen der dünnste etwa V,oo Zoll,der stärkste y 2 Zoll und darüber ist. Die einzelnenSorten bezeichnet man in der Regel durch Nummern,doch sind diese Bezeichnungen aus den einzelnen Wer-ken sehr verschieden; nieist ist Nr. 1 die stärkste Sorteund die Nummern gehen bis zur feinsten aufwärts,oft ist es aber umgekehrt und zuweilen sängt Ulanbei einer nicht ganz seinen Sorte mit Nr. 1 an, steigtmit den Nummern bis zur stärksten und bezeichnetdie feineren mit 0, 00, 000 und so fort bis zu 6—7Nullen. Außerdem wird der Draht auch nach denZwecken benannt, zu denen er bestimmt ist; der feinsteist der Blumendraht, der zur Verfertigung künst-licher Blumen gebraucht wird; dieser ist geglüht, umihn biegsamer zu machen, und daher schwarz, außer-dem ist der Eisendraht immer blank gescheuert. InDeutschland gibt es in allen Gebirgsgegenden Draht-sabriken, namentlich in Steiermark, Westphalen(Altena, Jserlohn rc.), auf dem Harz, dem Thürin-gerwalde, dem Fichtelgebirge, in Oberschlesien, imsächsischen Erzgebirge (besonders in Schwarzenberg),in Baiern rc. Als der beste gilt der Lilienfelder ausSteiermark, welcher seinen Namen von der Fabrikzu Frauenthal bei Lilienseld hat; doch nennt manjetzt in Oesterreich jeden guten und schönen steier-märker Draht Lilienfelder. Der westphälische istebenfalls sehr geschätzt, besonders zu Krempeln, wo-zu man ihn früher aus Frankreich bezog, doch wirdjetzt auch noch englischer dazu verwendet. FeinenBlumendraht versertigt man in Köln, Nürnberg,Wien rc. In Nürnberg wird auch verzinnter Drahtverfertigt. — Stahldraht wird von 2 / 5 bis V125Zoll Dicke verfertigt; der stärkste, bis zu V 4 Zollherab, wird jedoch gewöhnlich Rund stahl genanntund kommt in fußlangen Stücken, am besten ausEngland, obgleich ihn jetzt auch die deutschen Fabri-ken sehr gut liefern, namentlich in Steiermark, Kärn-then, Solingen rc., außerdem auch in Nürnberg,Wien, Hamburg, Frankfurt a. M. rc. Dazu gehörtauch der schon oben erwähnte fahvnnirte Stahldrahtzu Taschenuhrgetrieben, der mit 6, 7,8,^ 10, 12 tiefenLängssurchen versertigt wird. Auch gibt es stähler-nen Sperrkegeldraht, welcher, in Stücke zerschnitten