Band 
Erster Band.
Seite
646
JPEG-Download
 

Hasrlwurztl

646

Hasenscllr

enthalten einen weißen süßen Kern. 2) Der Lam-bertsnnß st rauch, Oor^Ins tübulosa, der nur imsüdlichen Deutschland, Frankreich, Italien rc. wildwächst, hat ins Bräunliche fallende Blätter, lange,an der Spitze fein behaarte Nüsse, die von dem faströhrenförmigen, am Rande etwas zusammengezoge-nen Kelche zum größten Theile eingehüllt werdenund deren sehr wohlschmeckender Kern theils miteiner rothen, theils niit einer weißen Schale über-zogen ist. 3) Der byzantinische oder türkischeHaselnußbaum, Corylus colurna, der inder europäischen und asiatischen Türkei, im Banat,in Dalmatien, Sirmien, der Militairgrenze rc.wächst, eine Höhe von 10—l 2 Klafter und einenDurchmesser von 30—36 Zoll erreicht, und dessenwohlschmeckende Nüsse, die aber nur selten nachDeutschland kommen, einen doppelten Kelch haben.Von den beiden ersten Arten gibt es niehrere Varie-täten , die aber bald zu der einen bald zu der anderngerechnet werden, daher die Grenze zwischen ihnenziemlich unsicher ist. Als die beste gilt in Deutsch-land die Zellernuß, die auch als eine besondereArt: voraus sativa, aufgeführt wird; sie ist groß,rund, oben platt gedrückt und die hölzerne Schalespringt oft an der Spitze von selbst auf; der Kern istsehr wohlschmeckend und sie wird zuweilen bis P /2Zoll lang und s /i Zoll dick. Andere Arten sind:die Blutnuß, welche eine rothe Schale hat, und dieMandelnuß, welche länglich, unten keilförmigbreitgedrückt ist und einen mandelsüßen Kern hat. —Besonders in den südlichen Ländern: Italien, Jstrien,Frankreich, Spanien, der Levante rc. sind die Hasel-nüsse ein nicht unbedeutender Handelsartikel; imnördlichen Deutschland werden sie nicht so häufiggegessen, am meisten aber sind sie in Rußland be-liebt , wo sie fast bis in die Polarländer von Armund Reich genossen werden. In Frankreich heißt diebeste Sorte Avadiöros oder Oadieres, von demOrte La Cadiöre bei Lyon, die aber sehr theuer sind;außerdem kommen besonders die aus Languedoc inden Handel und aus Turin werden viel piemonteserbezogen. Auch aus ©teilten und Neapel kommenin manchen Jahren große Quantitäten nach Mar-seille. Die byzantinischen gehen besonders nach demArchipelagus und dem schwarzen Meere. In Eng-land zieht man die spanischen vor, welche meist vonTarragoua kommens, aber gewöhnlich Barcelona-nüsse genannt werden. In manchen Gegendenpreßt man auch Oel aus den Haselnüssen, von demsie gegen 6 O /0 enthalten; es ist hellgelb, klar undvon angenehmem Geschmack und kann zum Speisen,zum Brennen und zum Malen benutzt werden. Dasweiße, leichte, harte und zähe Holz des Straucheswird jung zu feinen weißen Korbmacherarbeiten undzu Reisen, von den stärkeren Stämmen und den sehrstarken Wurzeln auch zu Tischler- und Drechsler-arbeiten verwendet; es ist ein gutes Brennholz undgibt auch gute Reißkohlcn.

Haselwurzek, Asaru m europaeuni, eine inschattigen Bergwäldern, besonders unter Haselnuß-sträuchern häufig wachsende Pflanze, mit glocken-förmiger, brauner Blume, deren strohhalmdicke, ge-gliederte, außen graue, innen schmutzig weiße, faserigeWurzel, Radix Asari, einen starken Geruch undscharsen, bitteren, ekelhaften Geschmack hat, und Pur-giren und Brechen erregt. Die Wurzel kommt ge-wöhnlich mit vielen anderen Wurzeln gemengt in denHandel, woher sie auch oft den ihr fremdartigen Bal-driangernch erhält. Sie schmeckt und riecht ähnlich

wie Pfeffer, was beini Reiben besonders hervortritt.Früher wurde sie iu der Medizin benutzt, jetzt nurnoch in der Thierheilkunde. Die eisörinigen, leder-artigen immergrünen, glatten, langgestielten Blätter,von denen nur zwei an jeder Pflanze sind, werdenzu dem sogenannten Schneeberger Schnupftabak nntverwendet. Durch Destillation mit Wasser gewinntman das Asarumöl, welches gelblich, ziemlich dmund leichter als Wasser ist und einen brennend scharffen Geschmack hat. Dieses Oel bildet Krystalle. DerAsarumkanlpher, Asarin, sind weiße, durch'sichtige, pcrlmutterglänzende, Oseitige Prismen. & tcsind die wirksamen Bestandtheile des Asarum, hst^»einen aroinatischen Geschmack und scharfen gewiirphaften Geruch. Sie werden in der Medizin gleich'falls als Brechmittel angewendet.

Hasenfelle oder Hasenbälge, die behaarte»Felle des gemeinen Hasen, Ropus timidus, der fastÜber die ganze Erde verbreitet ist und die einen nichtunbedeutenden Handelsartikel bilden, da ihre Haarevon den Hutmachern als da« hauptsächlichste Male-'rial zu den seineren Filzhüten gebraucht werde».Durch die zunehmende Verbreitung der seidenen Hütehat sich zwar der Verbrauch der Hasenbälge bedeu-tend vermindert und die Preise derselben sind jetztviel niedriger als früher, aber demohngeachtec ko>»'men iinnier noch große Quantitäten in den Handel.Von den besten Fellen werden auch die Rückenstückezuweilen als Pelzwerk benutzt. Die Sommerfellehaben, da ihnen das feine Wollhaar fehlt, nur sehegeringen Werth; von den Winterfellen sind die ü»December und Januar abgezogenen die besten. Westlldiese ohne Blut und ohne Flecken auf der Fleischseitesind, nennt man sie gan ze Felle; die im Herbst undin den letzten Winternionatcn gcschoffeneu und d»fleckigen oder durch den Schuß beschädigten heißethalbe Felle, und die vom August und September,sowie die sehr zerschossenen heißen Quarten; vo»diesen werden 4 und von den halben 2 für ein gast'zes Fell gerechnet, für welches gewöhnlich der Pro»gestellt wird. Von jungen Hasen rechnet man 12—Stück für ein ganzes Fell. Man classificirt die g eU .hauptsächlich nach den Ländern woher sie komme»'im Allgemeinen sind die aus nordischen Länder»besser als die aus südlichen, da jene ein dichtere»Wollhaar haben, und aus diesem Grunde haben I»aus dein nämlichen Lande während eines strenge»Winters mehr Werth, als während eines milde»'Die meisten kommen aus Rußland, unter dein»man wieder die kurländischen und litthauischeu »»den russischen und taurischen unterscheidet; f» v » eaus Polen, Galizien, der Moldau und Walackre»den türkischen Provinzen, Kleinasien rc. Die jn'V t 'nischcn werden am meisten geschätzt und auch dieÄonstantinopel, Salonichi, aus der Moldau »»Wallachei werden den russischen vorgezogen. Ustseden deutschen gelten gewöhnlich die sächsischen, d»d'mischen und mährischen für die besten. Nach E»üland kommen auch viele aus Nordamerika. 2» »»Regel kommen die Hasenfelle in Ballen und werd»nach 100 oder 1000 Stück verkauft; von dene 'welche als Pelzwerk brauchbar sind, werden jed»^auch die Rückenstücke und die Seitenstücke besolides^von ersteren gewöhnlich 24, von letzteren 48 St»zu einem oben und unten offenen Sacke zufallt»»' ^genäht. In Deutschland machen Frankfurt »• öOder, Krakau, Wien und besonders Leipzig“Hamburg die meisten Geschäfte in diesem Art» 'außerdem Triest, Livorno, Amsterdam, Antwerpen