Meerzwiebelkssig 184 Mehl
schnittenen und getrockneten Häute von Trieft, Li-vorno, Marseille rc.; die letzteren sind weißlich,gelblich oder grünlich von Farbe, hornartig durch-scheinend und behalten ihre medizinischen Kräftelange. Die ersteren muß man in feuchtem Sande,die letzteren an einem ganz trockenen Orte aufbe-wahren , da sie sonst leicht verderben. Frisch riechensie beißend-scharf, trocken sind sie geruchlos, habenaber einen ekelhaft bitteren Geschmack und wirken ingrößeren Gaben brechenerregend und giftig, in klei-neren befördern sie die Absonderung der Nieren undder Schleimhäute. In der Wurzel findet man Zucker,verschiedene Salze, einen Bitterstoff das S c illi tin,Gummi und einen scharfen Stoff. Man bereitetExtracre, Tincturen, Meerzwiebelwein und Essigals Arzneimittel aus ibr. Das Scillitin bildet kleine,weiße, prismatische Krystalle, von etwas bitteremGeschmack. Der Extract dagegen schmeckt sehr bitter, istbraun von dritter Consistenz. Die frischen Zwiebeln,Radices Squillae mar. recentes, werdenin Trieft nach dem Hundert, die getrockneten, R. 8 q.mar. siccatae, nach dem Centner verkauft.
Meerzwiebelessig, Acetum squillitieum,wird bereitet, indem man 1 Theil getrocknete Meer-zwiebeln und 12 Theile scharfen Essig einige Tagelang maceriren läßt. Er ist braun von Farbe, hatden nur durch die Säure veränderten, ekelhaftenGeschmack der Zwiebel und wirkt wie diese. Wennman ihn mit der doppelten Quantität Honig ver-mischt und dann bis zur Sirupsconsistenz einkocht,so erhält man den Meerzwiebelsauerhonig,Ox^rnel squillitieum, der als ein gelindesBrechmittel rc. gebraucht wird. In den Apothekenführt man auch noch den Meerzwiebel wein,Vinum squillitieum, der aus 1 Theile Meer-zwiebeln und 24 Theilen weißen Wein digerirt, be-reitet wird.
Meeswein ist ein guter rother Wein, der in derGegend von Mees unweit Digne, im französischenDepartement der niederen Alpen erbaut und gewöhn-lich zur 4. Classe der französischen Rothweine, inguten Jahren aber zur 3. gerechnet wird.
Mehl, das durch Mahlen in feines Pulver ver-wandelte und zugleich von den Hülsen der Körnerbefreite Getreide, hauptsächlich Weizen und Roggen,und in manchen Gegenden auch Dinkel und Mais.Gerste und Hafer werden nur selten zu Mehl gemah-len, da dieses nur in Mangeljahren oder wo Roggenund Weizen fehlen, zu Brod verbacken oder unteranderes Mehl gemischt wird; dagegen wird das Mehlvon Heidekorn zu manchem Backwerk, und Reismehlzu feinen Bäckereien, in der Türkei auch zu vielenSpeisen benutzt. Erbsen-, Bohnen- und Linsen-mehl wird hier und da auch zuweilen unter dasBrodmehl gemischt. Stärkemehl, zu welchemauch das Kartoffelmehl (f. beides) gehört, wirdauf andere Art bereitet und ist auch von dem ge-wöhnlichen Mehl in vieler Hinsicht verschieden. Ge-genstand des größeren Handels ist nur das Weizen-und Roggenmehl und diese sind es besonders in derneueren Zeit geworden, seitdem in der Constrnctionder Mühlen bedeutende Verbesserungen eingeführtworden sind und das Mahlen an vielen Orten ingrößerem Umfange betrieben wird. Die wichtigstedieser Verbesserungen besteht darin, daß das Getreidenicht, wie bei der alten Einrichtung, angefeuchtet,sondern entweder zwischen Steinen oder zwischenWalzen trocken gemahlen und durch eine besondereVorrichtung zur Verhütung des Erhitzens abgekühlt
wird, wodurch es haltbarer wird und sich besser ver-senden läßt als bisher. Außerdem wird es auch nochhäufig vor dem Verpacken der Sonnenhitze oderOfenwärme zum Trocknen ausgesetzt, wodurch esweit besser sich conservirt. Auch die Anwendung desDampfes kann hierzu gerechnet werden, da sie dasMahlen unabhängig vom Wassermangel und Winter-frost macht, und deshalb wird sie auch bei vielengroßen Mühlenwerken angewendet. In Deutsch-land gibt es jetzt an mehreren Orten große Mühlen,welche Mehl zur Versendung anfertigen und nichtselten geht es auch über die nördlichen Häfen undüber Trieft und Fiume ins Ausland. Große Quan-titäten Mehl werden aus Rußland, sowohl über Pe-tersburg, Archangel, Riga rc. als über Odessa aus-geführt; auch aus den französischen Häfen, Havre,Nantes, Bordeaux rc. findet in manchen Jahren einebedeutende Ausfuhr statt, sowie auch aus dem nörd-lichen Italien und zuweilen aus dem südlichen Spa-nien. In der Londoner Ausstellung 1802 ragteninsbesondere die Mehlprodukte Oesterreichs durch ihreGüte vor allen übrigen hervor. Am meisten führtjedoch Nordamerika aus, besonders Nenyork, Balti-more und Neuorleans, von wo alljährlich bedeutendeQuantitäten nach Mittel- und Südamerika, West-indien, und oft auch nach England und andereneuropäischen Ländern kommen. Auch Maismehlwird viel von Nordamerika aus verschickt. Das bestenordamerikanische Mehl ist das sogenannte Ge-nesseemehl, welches über Nenyork kommt, undüberhaupt wird das aus diesem Staate in Bezug aufdie Qualität den anderen Sorten vorgezogen; dochsoll sich das aus den südlichen Staaten besser halten.Das amerikanische Mehl wird in ganzen oder halbenFässern oder Barrels, erstere von 100 Pfv. Nettoverschickt. Bei der Versendung zur See in großerWärme und nach südlichen Gegenden ist das Mehlleicht dem Verderben unterworfen; es darf dann nurlocker in die Fässer geschüttet werden, wogegen es sichbei kälterer Temperatur und in nördlicheren Gegen-den fest eingestampft gut hält; doch ist dies nie sogut, als das frisch von der Mühle kommende. Ambesten ist es, wenn das Mehl sogleich nach dem Mah-len in die Fässer geschüttet, eingerüttelt und nur mitden Händen etwas nachgedrückt wird; es hat dannwenigstens in den ersten Monaten nach der Ueber-fahrt noch den angenehmen Geschmack des frischmahlenen. In den amerikanischen Häfen wird alleszur Ausfuhr bestimmte Mehl von besonderen Be-amten untersucht und die Fässer des besten erhaltendas eingebrannte Zeichen Superfine, die folgendenSorten Fine, Fino Middlings und Stipstufs ; das-jenige aber, welches für den Handel nicht als gut ge-nug befunden wird, erhält das Zeichen Lad (schlecht)nnd wird ebenso wenig zur Ausfuhr zugelassen, alsFässer, welche nicht das richtige Gewicht haben. DiePrüfung muß bei einer Strafe von 0 Doll. pr-Tonne m dem Hafen und zur Zeit der Ausfuhr statt-finden. Wenn eine Tonne nicht das richtige ® e *wicht hat, so müssen 30 Cents und außervem nochfür jedes fehlende Pfund 20 Cents als Strafe gezahuwerden. In Nordamerika und besonders im StaateNenyork, gibt es so große Mühlwerke, daß ein ein-ziges in 24 Stunden gegen 800 Fässer mahlen, beu-teln und packen kann. — Die Hauptkennzeichen heGüte des Mehls sind die Farbe und Trockenheit; mAllgemeinen ist es um so besser, je weißer und troa-ner es ist, denn trocknes Mehl nimmt mehran und gibt daher mehr Brod als feuchtes. Wem