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Zweiter Band.
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Seide

Seide

wurden erst im 16. Jahrhundert Maulbeer-häume angepflanzt. In Deutschland hat man,außer in den südlichen österreichischen Staaten, woziemlich viel Seide erzeugt wird, fast in allenLändern, besonders in Baiern, Preußen, Sachsen rc.die Seidenzucht mit gutem Erfolg einzuführen ge-sucht, aber sie liefert bis jetzt noch keinen bedeuten-den Ertrag, und das Nämliche findet auch im süd-lichen England statt; dagegen wird außer in Italienund Frankreich, auch in Spanien, Portugal, derTürkei, im südlichen Rußland, besonders im Kauka-sus, ferner in China, im englischen Ostindien, Per-sien, Kleinasien, rc. viel Seide erbaut. Die Er-zeugung von ganz Europa wird auf 15 Will. Pfd.,zu einem Werthe von ca. 105 Mill. Thlrn. an-geschlagen. In Ostindien und namentlich in Hinter-indien wird auch viel Seide aus dem Gespinnstmehrerer anderer Nachtschmetterlinge verfertigt,namentlich von Saturnia Paphia, die aus demgemeinen Judendorne lebt und die sogenannteTussehfeide liefert; von Phalaena Cynthia , aufdem gemeinen Wunderbaume, deren Cocons nichtabgehaspelt werden können, daher die Seide, welcheA r r i n d y s e i d e genannt wird, gekrämpelt werdenmuß, aber sie liefert einen außerordentlich haltbarenFaden; von Bombyx Ficus religiosae, gibt sehrseine, glänzende Fäden; von Saturnia silheticau. a.— Das Weibchen des Seidenschmetterlings legt imHerbste 3—400 Eier, die im Naturzustände imFrühjahre bei einer Wärme von 17—18° R-, sobaldder Maulbeerbaum Blätter bekommt, auskriechen;bei der Zucht in nördlicheren Ländern wird dieseWärme, wenn es nöthig ist, durch Kunst erzeugt,jedoch nicht eher, als bis Nahrung für die jungenRaupen vorhanden ist. Die Eier sind anfangs weiß,werden aber nach und nach gelb, röthlich, bräunlichund endlich bläulichgrau. Die Raupen häuten sichviermal und erreichen nach der letzten Häutung ihrevöllige Größe von ohngefähr 3 Zoll; sie müssenwährend dieser Zeit sehr reinlich gehalten undmehreremale des Tages mit frischen Maulbeer-blättern versorgt werden. Obgleich mau sich schonviel Mühe gegeben hat, eine andere Nahrung fürsie aufzufinden, um in den nördlichen Ländern nichtzu sehr von dem Fortkommen der Maulbeerbäumeabhängig zu sein, so ist dies doch bis jetzt noch nichtgelungen, und nur in den ersten Lebenstagen süttertman die Räupchen zuweilen mit Salat und anderenzarten Pflanzen. Nach ihrem 25—30. Lebenstagespinnt sich die Raupe ein, indem sie aus zwei Oeff.nungen am Kopfe vermittelst einer zähen, klebrigenSubstanz einen äußerst feinen Faden auszieht, dergewöhnlich 7—900, zuweilen aber 1500—2000 Fußlang ist. Aus diesem Faden bildet sie eine eiförmigeHülle, welche Cocon oder Galeite genannt wird;sie verwandelt sich darin in eine Puppe, aus welchernach 25— 30 Tagen der Schmetterling auskriecht;eine Oeffnung in den Cocon macht und davonfliegt.Der Cocon besteht im Innern aus einem festenHäutchen von der Größe eines Taubeneies, das auszusammengeklebten Fäden gebildet ist; dann folgteine ziemlich dicke Lage von lockeren, aber dicht undregelmäßig liegenden Fäden, welche die eigentlichegute Seide geben, und die mit einem weitläufigen,verworrenen Gespinnst umgeben ist, welches zurBefestigung des Cocons an äußere Gegenständedient. Dieses kann nicht abgehaspelt werden undwird daher nur zur Floret- oder Wattseite genom-men. Der Cocon ist ungefähr 1 Zoll lang und

V 2 Zoll dick, doch auch größer oder kleiner, undweiß, schwefel- oder dottergelb, zuwtilen auch röth-lich von Farbe. Ein Loth Eier gibt ungefähr 14,000Raupen, welche zu ihrer Ernährung etwa 20 aus-gewachsene Mctztlbeerbäume nöthig haben; man er-hält davon ca. 50 Psd. Cocons, welche 4—5 Psd.gehaspelte Seide geben. Um das Auskriechen derzur Seidengewinnung bestimmten Cocons zu ver-hindern, muß das darin enthaltene Thier, sobaldman die Puppe darin fühlt, getödtet werden, wasdurch Ofenwärme, durch Wasserdämpfe, durchSchwefeldampf oder durch die Ausdünstung vonTerpentinöl, indem man damit getränktes Papierzwischen, die Cocons legt, geschieht. Das äußere,lockere Gewebe wird davon abgenommen; dannwerden die Cocons nach ihrer Farbe, Festigkeit undVollkommenheit sortirt, und bilden so einen Han-delsartikel, indem namentlich die größeren Anstalten,welche Magnanerien, in Italien Bigotterie ge-nannt werden, sie von den kleinen Züchtern auf-kaufen. Auch die Eier werden unter dem NamenGraius verkauft und versendet. Die weißen Co-cons geben die beste Seide Die durchlöcherten, ausdenen der Schmetterling ausgekrochen ist, in ItalienGalette reali oder fioriti , auch Bucate und Galettedi semenza genannt, desgleichen die Doppelcocons(ital. Doppioni) können nicht rein abgehaspelt wer-den und geben daher ebenfalls nur Floretseide,ebenso auch die unregelmäßig geformten (Galettom)und sonst fehlerhaften Cocons oder FalloppeU(Galette fallope), sowie die mit kranken, weich an-zufühlenden Puppen (Galettami oder Galette ba-cinate). Die Seidenfäden werden von den Cocons,die man dabei in warmes Wasser legt, vermittelsteiner eigenen Maschine, dem Seidenhaspel, ab-gehaspelt, was meist in großen Anstalten, Seiden-spinnereien, Filanden oder FilanderieNgenannt, geschieht. Man vereinigt aber dabei, I cnachdem man feine oder stärkere Seide haben will,sogleich 2, 4, 6 bis 20 Fäden mit einander. yß° rdem Abhaspeln werden die Cocons mit einemkleinen Besen geschlagen oder purgirt, um allenoch darin befindliche Flockseide zu entfernen. Donder auf das Abhaspeln verwendeten Sorgfalt, vonder Geichicklichke t der Arbeiterin, von der richtigenTemperatur des Wassers rc. hängt großentheils dieQualität der gewonnenen Seide ab. Auf dem H 3 ^pel, der gewöhnlich 1 Pariser Stab im Umfange hat,werden Gebinde von 400 Fäden und Strähne von24 Gebineen gemacht; dann wird die Seide ab-genommen und getrocknet, und heißt in diesem Z^stände rohe Seide, Grez- oder Matasse^seide. Auch nennt mau sie einfache oder Sin& le >zum Unterschiede von der zum Weben brauchbare^Organsin- und Tramseide. Die Organs^seide, in Spanien Demos sedas genannt» die lder Regel zur Kette der Gewebe verwendet wird, Mgezwirnt; man dreht nämlich mehrere gäben b°feiner roher Seide, und dann wieder 2 oder 3 solchFäden zusammen, was Dubliren genannt wir -Die Tramseide oder Trama dagegen wird zuEinschuß gebraucht und es werden dazu mehr

Fäden stärkerer Rohseide nur locker zusammengevr vund nicht gezwirnt. Beide Arten zerfallen wienach der Qualität und nach den Orten, wo ste 1 'bereitet worden, in mehrere Sorten. Bon dergansinseide unterscheidet man in Italien jueritganzino erudo, welche gelblich, und 0 . bianco, w ...mehr weiß von Farbe ist. Die beste Sorte h v