Seide
547
Seide
Orsoglio, zu welcher die besten und feinsten Coconsausgesucht werden; Maraboutseide besteht aus 3Fäden und ist sehr weiß; Luzierseide ist eben-falls eine sehr gute Art, die besonders für die fran-zösischen Sammt- und Seidenwaarenmanufakturengekauft wird; Pelseide oder Pelo heißt eine gr-usigere, meist zu halbseidenen Zeugen, Tressen,Spitzen u. dgl. verwendete Sorte, und man unter-scheidet davon Pelo d’oro, gelbe, Pelo d’argento,b)eiße, Contrapelo, links gedrebte, und Pelo friso,ganz locker dublirte. Torsseide ist eine dublirteSorte, die besonders zu Fransen, Schärpen, Hand-schuhen, Teppichen rc. verarbeitet wird; Platt-seide ist ungezwirnt und zum Färben bestimmt, umM Bordirungen, zu ausgenähten Arbeiten u. dgl.verwendet zu werden; ciochepied heißt in Frank-reich eine Organsine auö weißer ostindischer Seide,zu der erst zwei gedrehte Fäden und dann noch einrmgedrehler Faden zusammengezwirnt werden;^renadinseide ist eine sehr schöne feine Sorte,öle aus Granada in Spanien kommt und zumNähen und zu Posamentirerarbeiten verwendetivird; Comtatseide ist eine ähnliche Sorte ausöer Gebend von Avignon in Frankreich rc. DieTramseide wird übrigens hauptsächlich in 3 Sorten:ferne, Prima und Secunda getheilt. — Der roheSeidenfaden hat einen klebrigen, gummiartigenÜberzug, welcher beim Zusammendrehen der Fädenöen Nutzen hat, daß er sie aneinander befestigt undzusammenhält. Um die Seide jedoch glänzenderund geschmeidiger zu machen, wird dieser Gummi-uberzug vor dem Farben und der weiteren Verar-mung davon entfernt, indem man die Seide mit^ehr oder weniger Seife anhaltend kocht, was manAuskochen, Degummiren oder EntschälenUennt und wodurch die Seide gegen 7* ihres Ge-^chts verliert. Man unterscheidet ganz gekochte,>UlNz. tout cuite, und halbgekochte, dem! cuite^et souple; die letztere wird nicht so stark gekocht,'7 daß nur ein Theil des Gummis davon entfernt^trd und sie zwar geschmeidig ist aber viel weniger^ianz hat, als die ganz gekochte. Gewöhnlich wird? Ur Trame, welche zum Einschlag verwendet wird,yalbgekocht und man nimmt zum Auszug, damitver Stoff nicht ganz glanzlos wird, ganz gekochte^ganstn. Besonders zu Atlassen und ähnlichenAugen, deren Kette den Einschlag bedeckt, wird zuletzterem halbgekochte Seide genommen; andereAuge aber erhalten immer ein schillerndes Ansehen,^nn zur Kette ganz und zum Einschlag halb ge.
chte Seide genommen ist, da die letztere auch die»arbe weniger annimmt, als die erstere. — Da dieum so theurer ist, je feiner sie ist, d. h. jeMrger Coconfäven zu einem Seidenfaden genom-j/ eu sind, so wird ihre Feinheit nach dem Gewicht""flucht, das eine bestimmte Anzahl Fäoen wiegen,
. ud dann die Sorte danach bezeichnet. Die Einheitdazu verwendeten Gewichts ist der Denier von~ rau » welcher in Frankreich u. Italien — 0,o 7 38kölnisches Gewicht ist. Man nimmt gewöhn-de? ^dem Ballen 4 Bunde, von denen jedes inied ""gel 4 Strähne enthält, u. wiegt entweder ausNen^ Elunde ein Gebind von 400 Faden nach Gra-24 °der, was das Nämliche ist. einen Strähn von^ Eebind nach Denicrs genau aus einer seinenund^ au8; diese 4 Gewichte werden bann summirta.^.der 4. Theil der Summe als das Durchschnitts-des Ballens angenomnien, welches alsUluier oder mit dem Buchstaben I) die Sorte be-
zeichnet. Die feinste aus 2 Coconfädeu bestehendeGrezze, die aber nur in Frankreich gesponnen wird,wiegt nur 472 D, sonst hat man die Sorten von8—10 v bis zu 80—90 D, als der stärksten u. daherwohlfeilsten. Dieses Verfahren, die Feinheit zu bestim-men, wird d. Titriren genannt. — Unter Flor et-seide, Flockseide, Phantasieseide,Tresen-seide, ital. Strazza, franz. Bourre de soie, Fleurets,Filosellea, Contailles etc. versteht man alle diejeni-gen Fäden des Seidengespinnstes, die sich nicht ab-haspeln lassen u. die bei der Bearbeitung abfallen.Sie müssen daher, um versponnen werden zu können,nach Art der Baumwolle kardätscht und gekrämpeltwerden, und dasjenige, was sich nicht dazu eignet,wird zu Watte, zum Ausstopfen von Bettdecken, dasallerschlechteste auch zum Kalfatern der Schiffe be-nutzt. Die gekrämpelte Seide heißt in Italien8tame, woraus man im Deutschen Stamm gemachthat. Von den Cocons kommen hauptsächlich 5 ArtenFloretseide: 1) Die äußeren Fäden, welche die Raupezuerst an die nächsten Reiser des Spinulagers an-klebt, um den Cocon daran zu befestigen; sie sindwollartig, haben wenig Gummi und geben dieschlechteste Floretseide, welche Wattseide, Werk-seide, Spinnwebe, ital. Plaje, franz. rlraigneeoder Fleur genannt wird. Man braucht sie meistals Watte, doch wird sie auch gekrämpelt und zu ge-ringem Garn, zu groben Zeugen, ordinairenStrümpfen rc. und der Abfall zum Kalfatern derSchiffe benutzt. 2) Die hierauf folgenden verwor-renen Fäden, welche vor dem Abhaspeln durch dasPurgiren entfernt werden, um den guten Faden zufinden, und die in Italien Spelaja, Strusi, Orescen-tine, Costoni, Flappe, auch Struzzi, Strafilzi undMoresche, in Frankreich Cöte de Soie genannt wer-den. Zuweilen geben sie eine lange, nicht sehr ver-worrene Floretseide, meist aber ist sie verworren undwird dann Frisons genannt. Sie wird meist kar-dätscht und gesponnen und zu geringen Geweben ver-wendet. 3) Das innere papierartige Häutchen, dasnach dem Abhaspeln übrig bleibt und aus ganzfeinen Fäden besteht, die durch viel Gummi undSchleim fest zusammengeklebt sind. Es muß daherlängere Zeit in Wasser eingeweicht und macerirt,geschlagen und getreten werden, damit sich die Fädentrennen und zum Verspinnen brauchbar werden.Man nennt es in Italien Eicotto oder Capitano diSeta, auch Grossa und Strusada. Nach dem Auf-weichen wird die Seide gekämmt und heißt dann,wie die vorige Art, 8tame di Oreecentiue und diStrusi, Crescentin - und Strusstamm, dasdavon gesponnene Garn Crescentingarn, ital.Bavella filata. Was sich nicht kämmen läßt, wirdCiappe, deutsch Schuppen genannt; es wird noch-mals macerirt und gekämmt und dann Schappen-st amm oder Chardeseide, franz. Chapes cardees,das davon gesponnene Garn Schap pen gärn ge-nannt. Dieses ist grau von Farbe und hat von demwiederholten Maceriren einen unangenehmen Ge-ruch. 4) Das Gespinnst von den fehlerhaften odereine kranke Puppe enthaltenden Cocons, welchessich nicht oder doch nur unvollkommen abhaspelnläßt, und 5) das von den ausgekrochenen und durch-gebissenen Cocons, welche beide die beste Floretseidegeben. Sie werden ebenfalls macerirt, in lauemWasser mit den Füßen getreten und die Seide ge-kämmt; die ersteren gebenden G alettamstammund das Galettamgarn, die letzteren den Ga-lettarealstamm und das Galettarealgarn.
35 *
&