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Zweiter Band.
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Seide

Seide

Die beim Kämmen dieser Floretsorten in den Werk-zeugen zurückbleibenden kurzen Fäden werdenStumpen oder Seidenwerg, ital. Petenuzzioder Stumba genannt und zu Decken, Mützen undanderen groben Artikeln, das schlechteste zum Kal-fatern der Schiffe verwendet. Außerdem werdennoch mehrere Abfälle zur Floretseide genommen,namentlich die Risselchen und Knötchen, welche beimSpinnen der Floretstämme herausgezupft werdenund die man Spinnerknöpfe, ital. Grimelli,das nach nochmaligen Kämmen daraus gesponneneGarn Knöpfgarn nennt; ferner der beim Ver-arbeiten der Seide von Doppelcocons zu Nähseideentstehende Abfall, ital. Costa di doppioui , welcherdie sogenannte Flockseide, ital. Fattone, gibt; dieverworrenen, zu kurzen und groben Fäden, welchebeim Filiren uud Dubliren entfernt werden müssen.Alle diese Abfälle bezeichnet man mit dem allge-meinen Namen Strazza; sie geben gekämmt denS t r a z z e n st a m m, aus welchem das L> t r a z z e n -gärn gesponnen wird. In der Levante nennt maualle Cocons, die nicht abgehaspelt werden können,Ltrazzidi seta; sie gehen IN bedeutenden Quantitä-ten nach Frankreich, der Schweiz, Holland rc., woman gute Floretseide daraus macht. In Europaliefert Italien die meiste Seide (jährlich über 7Mill. Pfd.) uud zum Theil von vorzüglicher Quali-tät. Die beste erzeugt das ehemalige FürsteuthumPiémont und, die Lombardei, und namentlich ist diepiemontesische Organsine wegen ihrer Feinheit, ihresschönen Glanzes und ihrer vortrefflichen Zurichtungberühmt. Aus sie folgt die aus der Gegend vonBergamo, in welcher Stadt jährlich Ende Augustuud Anfang September eine große Seidenmesse ge-halten wird, welche die Preise für ganz Italien uuddie benachbarten Länder bestimmt. Ferner sindMailand, Brescia, Verona, Vicenza und Udinewichtige Plätze für die Seide der Lombardei undVenedigs; namentlich in der Provinz Udine hatsich die Seideuerzeugung in den letzten 20 Jahren,hauptsächlich durch die Bemühungen der dortigenHandelskammer, in Quantität und Qualität sehrgehoben; im Jahre 1849 wurden daselbst fast iy 2Mill. Kilogr. Cocons und 133,400 Kilvgr. Rohseidegewonnen. Die Mantuaner Seide ist etwas geringerals die Mailänder, Brescianer rc. Die genuesischeund Parmesanische Seide-ist zum Theil ebenfalls sehrgut, besonders zeichnet sich die natürlich weiße ausder Gegend von Novi durch Feinheit, glatten undglänzenden Faden und sorgfältige Zubereitung aus.Sie wird meist von den Engländern und Franzosenfür ihre Spitzen- und Gazemannfaktnren gekauft.Die aus den Marken (Fossombroue) kommende Seide,von der aber nur ein geringes Quantum erzeugtwird, kann in Hinsicht ihrer Schönheit zu den bestenitalienischen Sorten gezählt werden; auch die Bo-logneser ist sehr schön und wird zu vortrefflicher Or-gansine und Luzierseide verarbeitet. In den neapo-litanischen Provinzen des Königreichs Italien, zeich-net sich die in der Umgegend Neapels und besondersin Sorrento gewonnene Seide namentlich durchsorgfältige Behandlung aus, und es wird darauseine recht gute Organsie bereitet. Die aus Terradi Lavoro ist fein und leicht, gibt wenig Aus-schuß und nimmt die Farben gut an, weshalbsie ebenfalls gesucht ist; man verarbeitet sie be-sonders zu Trame, die Organsinseide dagegen istmeist nicht fein genug und zu unrein. Am stärk-sten wird der Seidenbau in Calabrien betrieben,

erzeugt jedoch ein geringeres, stärkeres und un-gleicheres Produkt. Die Salerner ist der vonTerra di Lavoro gleich. Eine Art neapolitanischerSeide, in kleinen, nicht über 6 Unzen schwerenBunden, welche besonders nach Lyon geht, heißtCosta. Auf Sicilien wird sehr viel Seide, be-sonders um Messina, Catanea, Milazzo, Castroreale rc. erzeugt, ist aber meist, wegen geringerSorgfalt beim Abhaspeln rc. von nicht besondererQualität; am besten ist die aus der Gegend vonMessina und Catauea. Im Kirchenstaate wirdebenfalls viel Seide gewonnen und ausgeführt. —In Deutschland ist die Seidenkultur nur inden südlichen österreichischen Staaten von Be-deutung, namentlich in Tirol, wo sie besondersin der Gegend von Roveredo, Trient und Botzenbetrieben wird; ferner wird im Görzer Kreiseund in Jstrien gute Seide gewonnen, undaußerhalb Deutschland in Dalmatien, der Militair-grenze und dem südlichen Ungarn. — In Frank-reich ist die Seidenzucht besonders seit dem Anfangedes jetzigen Jahrhunderts wieder sehr in Aufnahmegekommen und wird in 20 südlichen Departementsmit Eifer und Sorgfalt betrieben, so daß sie in vielenGegenden den wichtigsten Erwerbszweig der Be-! wohner bildet. Es werden jährlich gegen Z>/ 2 2ßi2-j Pfd. rohe Seide erzeugt, was aber für den Bedarfdes Landes noch nicht ausreicht, weshalb noch vielaus Italien, Spanien uud der Levante eingeführtwird. Die in der französischen Grafschaft Nizza er-zeugte Seide,welche von guter Qualität ist, geht nmstroh nach dem Innern, doch spinnt man in Nizza auchvorzügliche dreifache Organsine. Die Regierungthut viel für die Vermehrungdes Seidenbaues undbemüht sich besonders, andere Raupenarten auf-zufinden, welche keine Maulbeerblätter zu ihrerNahrung verlangen, und das Nämliche geschiehtauch in England. Es waren in London 1^aus der Ausstellung von Cuseigneur in Lyh"eine Mustersammlung von 150 Arten verschw-deuer Cocons eingesandt. Besonders findet jetzt dieUombvx lynthia, die hauptsächlich von der Nwl-nuspflauze lebt, weite Verbreitung. — In Spa-nien wird die Seidenkultur nicht so stark betriebetals es der Lage und dem Klima des Landes nachgeschehen könnte. Am bedeutendsten ist sie in densüdlichen Provinzen Granada, Valencia und M.ur-cia; die Qualität ist aber in Folge der mangelhaftenBearbeitung nicht vorzüglich. Es wird ziemlich vm,meist roh, besonders nach Frankreich und Englangausgeführt. Die beste Sorte, die sich durch Feinhe"und Festigkeit vor den übrigen auszeichnet, wird mGranada gewonnen und theils ausgeführt, theils nnLande selbst verarbeitet. — Die Türkei uud Grie-chenland erzeugen zwar viel Seide, die aber wegender mangelhaften Behandlung meist von ö e n I1 fclQualität ist, obgleich sie der aus Unteritalien 4^'kommen könnte. Die meiste wird in ThcssaUO'besonders im Distrikt von Zagara, gewonnen, allste 'dem in Albanien, Bulgarien, in Rumelien ni| 5Umgegend von Adrianopel, auf Morea und aus oemeisten Inseln. Die aus Bulgarien und Adriauopist schön weiß und sein; die von Morea ist aetwas feiner als die von den meisten Inseln. zbedeutender ist der Seidenbau in Kleinasien >Syrien, wo mehrere sehr gute und geschätzte Sorerzeugt werden, meist weiß von Farbe, die aveder Regel viel Gummi haben, schwer und zum **auch ungleich gesponnen sind. Smyrna, Awp^ '