Seifemiirde 553 Selen
auch angebaute Pflanze mit glatten, eirunden, lan-zettförmigen, gegenüberstehenden, glatten, ungestiel-ten, mit 3 Rippen gezeichneten Blättern und rispen-ständigen, weißen oder röthlichen Blüthen, derenWurzel und Kraut in der Medizin gebraucht wird.Die erstere, rothe Seifenwurzel, Radix Sapo-nariae rubrae genannt, besteht aus einer rundenHauptwurzel mit vielen Seitenwurzeln und 2—3Fuß langen, cylindrischen, schwanfederdicken Aus-läufern. Sie ist äußerlich rothgelb, getrocknet hell-braun, inwendig weiß, geruchlos und hat einen an-fangs süßlichen, dann bitterlichen, scharfen undkratzenden Geschmack. Man unterscheidet die an-gebaute und die wild gewachsene. Die erstere,welche am häufigsten gebraucht wird, ist der Längeuach tief gefurcht und runzlich, außen braunröthlichbon Farbe und innen weiß; sie kommt in mehr-mals umgebogenen, Vz Elle langen Bündelchen inden Handel. Die Farbe der letzteren ist mehr grau-braun ; die dünnen langen Ausläufer fehlen gewöhn-uch, nur die Seitenwurzeln sind daran. Sie kommtm 8—12 Zoll langen Bündelchen und nicht umge-bogen, da sie leicht zerbricht. Außerdem kommtauch die türkische, levantische oder ägyp-tische Se,ifenwurzel vor, von GypsophilaStruthium und fastigiata aus dem südlichen Eu-ropa und dem Orient, welche ebenso wie jene zumWaschen gebraucht wird, aber etwas schärfer ist undden Nachtheil der rothen Farbe nicht hat. Sie iststielrund, außen hellgrau oder gelblichbraun, miteiner 2—3 Linien dicken, quergefurchten und rissigenRinde und einem holzigen, gelben, strahligen Kerne,und kommt von Trieft in Stücken bis zu 1 FußLänge und 2 Zoll Dicke. In den Wurzeln der 8a-ponaria officinalis und Gypsopbila Struthium,wie in den Lupinenwurzeln, kommt ein Eptractiv-stoff vor, Saponin 'oder Struthiin genannt,Welches durch Reinigen ganz weiß wird, eine ge-ruchlose, amorphe Masse bildet, die in wässrichterLösung seifenartig schäumt und zum Reinigen derWäsche benutzt werden kann. Es hat einen scharfenGeschmack und erregt gepulvert Niesen. Durch Be-handlung mit Säuren und Alkalien entsteht darausdw Saponinsäure, ein weißes Pulver. Ferner istm der Wurzel Gummi, Bassorin, weiches Harz und^ptractwstoff enthalten. Das Saponin dient dazu,«nige in Wasser unlösliche Körper mittelst desselbensüdlich zu machen. Unter dem Namen weißeseifenwurzel, Radix Saponariae albae, kommt"Uch hier und da die Wurzel der in Deutschlandwachsenden Ryebnis Vespertina vor, welche dünnund hellgelblich ist, aber wenig Seifenstoff enthält.T Das Seifenkraut, Herba Saponariae, hate »ien bitterlich schleimigen Geschmack und wird,außer in der Medizin, zuweilen auch zum Waschengebraucht.
Seifenrinde, wird seit einiger Zeit in den Han-asl eingeführt und kommt von einem südamerika-Ulschen Baume, der Quillaja saponaria, bon Peruuach Europa. Sie ist so schwer, daß sie im Wasseruntersinkt, und enthält das Saponin in sehrWelchem Maße. Auch findet mau in ihr viel kohlen-sauren Kalk. Man läßt die Rinde im Wasser macer-??on, und es entsteht eine klare, neutrale Lösung,an der Luft getrübt wird. Mit 68 Theilen^"denöl versetzt gibt es eine Emulsion, welche zumhaschen gebraucht wird und statt der Seife, besondersReinigen von gedruckten Stoffen, wollenen-o^ugen und insbesondere für diejenigen Farben des
Damenputzes empfohlen wird, welche sonst dasWaschen nicht vertragen.
Seifenspiritus, 8piritns Saponis, einehellgelbe Flüssigkeit, welche durch Auflösen von Oel-seife in rectificirtem Weingeist und Rofenwasser be-reitet und äußerlich zu Einreibungen rc. gebrauchtwird.
Seifenstein, Seisenthon, s. Speckstein.
Seifenzwiebel, kommt in Californien vor, istdie Wurzel von Rbalongium pomeridianum, welche,wie das Seifenkraut, viel Gehalt an Soponin hatund weit bessere Dienste als Seife leistet.
Seignettesalz, Polychrestsalz oder wein-steinsaures Kalinatron, Sal Seignetteoder rochelens e , Tartarus natronatusoder Tartras Kalinatricus cum aqua,Natro-Kali tartaricum, ein zuerst in LaRochelle bereitetes Doppelsalz, welches aus großen,Wasserhellen, 4- oder 6 seitigen Krystallen von kühlendbitterlich salzigem Geschmack besteht, die sich leicht inWasser auflösen, an der Luft nicht zerfallen dürfenund gestoßen ein blendend weißes Pulver geben. Eswird in chemischen Fabriken durch Neutralisation desgereinigten Weinsteins mit kohlensaurem Natron be-reitet und in der Medizin gebraucht.
Seile, Stricke, Taue, Tauwerk, werdenüberall von den Seilern, am meisten aber in denSeestädten verfertigt, weil sie in großer Menge zurAusrüstung und zum Betakeln der Seeschiffe ge-braucht werden. Die Werkstätten der Seiler nenntman daselbst gewöhnlich Reeperbahnen oderReepschlägereien. Zu dem Tauwerk der Schiffeverwendet man hauptsächlich guten russischen Hanf;zu manchem kleinen Strickwerk wird er auch mitHeede vermischt und geringes auch ganz ausHeede verfertigt. Außerdem wird in Ost- undWestindieu, Amerika rc. auch viel Tau- und Strick-werk aus Mauillahanf, Cocosfasern, Sunnhanf undähnlichen Faserstoffen verfertigt. In Rußland istTauwerk ein bedeutender Handelsartikel, von demviel ins Ausland versendet wird. Auch in Englandwird viel aus russischem Hanf verfertigt, zum Theilvermittelst Maschinen, welches Patenttauwerkgenannt wird und manche Vorzüge vor dem ge-wöhnlichen hat.
Seinbrief, s. Admiralschäst.
Selamin, ein Maß für Getreide in Portugalund Brasilien.
Selen, Selenium, ist ein mineralischer Kör-per, der von Manchen zu den Metalloiden, von An-deren zu den Hallogenen gerechnet wird. Es findetsich in der Natur nur selten und in geringer Mengein einigen Erzen, namentlich in Schweden und amHarz; entdeckt wurde es zuerst von Berzelius indem ziegelrothen Schlamme, der sich auf dem Bodender Vleikammern in der Schwefelsäurefabrik zuGrypsholm absetzt. Es kommt in dreifacher Formvor: zuerst amorph, wenn seliuige Säure durchschweflige Säure niedergeschlagen wird. Diesergetrocknete Niederschlug bildet ein dunkelrotheö Pul-ver, dessen spec. Gew. 4,282 ist. Wird dieser Nieder-schlag vor dem Trocknen bis zu 80° erhitzt, so bildetsich ein schweres, schwarzes Pulver, das bei 217°fchmilzt; es zeigt beim Erkalten ein gekörntes, kry-stallinisches Gefüge, dessen spec. Gew. 4, 79 g ist.Endlich bilden sich aus Auflösungen von Selenka-lium und Selenammouium an der Luft rothe Kry-stalle, die ein spec. Gew. von 4,89« haben. Das ge-fchmolzene Selen bildet nach dem Erkalten eine