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Zweiter Band.
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Sennesblättcr

Senf

Der schwarze Senf, Sinapis nigra, hat schwärz-liche, etwas kleinere Samen, welche in der Regelmehr Schärfe besitzen als der gelbe (zuweilen aberauch umgekehrt) und gibt nur l8«/g bräunlichgelbesfettes Oel. Aus dem letztem gewinnt man durchDestillation das goldgelbe (in reinem Zustande je-doch vollkommen klare und farblose) ätherischeSenföl, Oleum Sinapis, welches einen scharfenbrennenden Geschmack, durchdringenden, zu Thränenreizenden Geruch hat und auf der Haut Blasen zieht;es ist schwerer als Wasser (spez. Gewicht l,«),enthält etwas Schwefel und hat die Eigenschaft, dieGährung des Traubenmostes zu verhindern, wes-halb der Senf zuweilen dazu gebraucht wird. DieSckärfe liegt in den Hülsen der Kerne, aus dengelben öligen Kernen kann ein fettes, mildes Oelgepreßt werden. In dem Senföle ist eine Schwe-selverbindung enthalten. Der wirksame Bestand-theil ist das Sinapin, Weiße, geruchlose Krystallevon bitterem, senfähnlichem Geschmack; ein vondiesem verschiedener Stoff ist das Sinapisin,welches in blendend weißen Schuppen krystallisirt.Aus dem schwarzen Senf wird die Myronsäuregewonnen, eine geruchlose, nicht flüchtige, sirupartigeSubstanz; aus dem weißen Senfsamen das Myro-sin, bräunlich, gummiartig, welches durch seineEinwirkung auf Myronsäure Senföl bildet. Ausdem weißen Senf wird auch noch das Erucin,ein weißes Pulver gewonnen, in Wasser unlöslich,in Oelen u. Aether leicht löslich; die E r u c a s ä u r e,glänzende, bei 34° schmelzende Nadeln; endlich dieSinapin säure, welche man durch Salzsäureaus Sinapin darstellt, eine krystallinische Masse, diedurch Salpetersäure und Chlorwasser roth wird.Der Senfsamen, Leinen Linapis oder Frnoae,wird in der Medizin , meist als Senfteig, Sina-pismus, als äußerlich reizendes, ableitendes, zu-weilen auch innerlich als magenreizendes Mittel,und das Oel als äußeres Reizmittel gebraucht.Man zieht jedoch dafür gegenwärtig eine Mischungvon 45 Theilen Glycerin mit 1 Theil Senföl vor,deren Wirkung nicht stärker als Senfteig, wohl aberconstantcr ist. Die vorzüglichste Benutzung desSenfs ist aber zum Würzen der Speisen, besondersdes Fleisches, wozu er auf einer Mühle gemahlenund mit scharfem Essig oder Kräuteressig, oder auchnur mit Wasser zu einem dicken Brei eingerührtwird, dem man gewöhnlich etwas Salz und einigeGewürze zusetzt. In dieser Gestalt wird er auchhäufig Mostrich oder Möstrich genannt und vonden Fabrikanten in Fäßchen oder auch in steinernenBüchsen versendet. Zu gleichem Zweck wird auchder gemahlene Senf oder das Senfmehl in denHandel gebracht, das man jedoch in sorgfältig ver-schlossenen Büchsen aufbewahren muß, indem essonst leicht ranzig wird und das scharfe Oel sich ver-flüchtigt. Das Ranzigwerden wird vermieden, wennman den Senf vor dem Mahlen auspreßt, wobeiman auch das fette Oel gewinnt Dies geschiehtnamentlich in England, wo man das Senfmehl, demjedoch gewöhnlich Cayennepfefler, Weizenmehl undzuweilen auch Knrknme beigemischt ist, meist inBlasen versendet. In Deutschland gibt es an vielenOrten, unter anderen in Düsseldorf, Koblenz, Hal-berstadt, Erfurt, Leipzig, Magdeburg, Frankfurta. d. Oder, Krems und Stein in Oesterreich, inEßlingen rc. Senffabriken; in Frankreich nament-lich in Paris, Dijon und Chalons; in England inYork rc.

Seni, Sen, l) eine Scheidemünze in Japan;2) ein Längenmaß in Siam.

Sennesblätter, Folia Sennae, sind die ge-trockneten Fiederblättchen mehrerer Arten Cassia,welche in Ostindien, Arabien, Oberägypten rc.wachsen und die in der Medizin besonders als Pur-girmittel gebraucht werden. Man bereitet aus ihneneinen Extract, der mit etwas Zucker und Weingeistversetzt wird. Sie haben einen eigenthümlichen,widrig süßlichen Geruch und einen ekelhaft bitter-lichen Geschmack; der darin enthaltene pnrgirendeStoff wird Kathartin oder Sennastoff ge-nannt. Im Handel kommen folgende Sorten der-selben vor: 1) Alexandrinische, die beste undtheuerste, von der in Oberägypten, Nubien rc.wachsenden Oassia lanoeolata, einer 1—IV 2 Fußhohen strauchartigen Pflanze mit 3- bis bpaarig ge-fiederten, kleinen Blättern; sie ist aber immer mitden Blättern der folgenden Sorten, 0. obtnsata undobovata, und mit den sogenannten Argel blät-tern von Cynanchum oder Solenostemma Arguelvermischt. SDte ächten Blätter von 0. lanoeolatasind 6—15 Linen lang, ohngefähr 4 Linien breit,eirund lanzettlich, etwas lederartig, mit ganzem,knorpeligem, ein wenig zurückgekrümmtem Rande,in ein kurzes Stachelspitzchen ausgehend, gegen dieBasis ungleichseitig und auf beiden Selten mitkleinen Härchen besetzt. Sie haben eine blasse, gelb-lichgrüne Färbung, einen scharfen, bittern undschleimigen Geschmack und widerlichen Geruch. DieArgelblatter dagegen sind blaßgrün, kurzgestielt,lederartig, oval lanzettlich, spitzig, aderig und dieMittelrippe ragt unten hervor; sie sind dicker als dieVorigen und auf der Oberfläche mit einem weißenWiederschein versehen, schmecken viel bittrer mitsüßlichem Nachgeschmack; ihr Geschmack ist herbe undbitterer als der der Sennesblätter. Außerdem istdie naturelle Waare in der Regel auch noch mitvielen Blattstielen, mit Samenhülsen (Sennes-bälgen) und mit röthlichem Sand gemischt, undvon diesen Beimischungen muß sie durch Auslesen,Sieben, Ausschwingen rc. befreit werden; sie heißtdann gereinigte, äepurata. Uebrigens müssendie Blätter frisch und nicht durch das Alter abge-blaßt sein, in welchem Fall sie viel weniger werthsind. Sie kommen in Ballen von ca. 500 Psd.Wien. Gew. 2) Tripolitanische, aus den Bar-bareskenstaaten, bestehen nur aus 0. lanoeolata undobovata, ohne Argelblätter, sind aber sonst den vori-gen sehr ähnlich, nur haben sie eine etwas lebhaftereFarbe, sind leichter und mehr zerstückelt, nicht garrzso dick; auch sind sie mit Stielen und Sand gemischt-Sie kommen meist über Livorno, in Ballen voneinigen hundert Psd. 3) Aleppische, syrischs-auch ovale oder runde genannt, sollen von Cassiaobovata kommen und auch mit 0. obtnsata vermischtsein; sie sind mehr rund, nämlich ohngefähr eben solang, aber doppelt so breit als die alexandrinischeu,übrigens drüsig, gestielt, umgekehrt eirund, gast^räudig und stachelspitzig; die von 0. obtnsata stnomehr länglich, abgestumpft, oben eingedrückt und >asverkehrt herzförmig. Man erhält sie über Trieft,,'Ballen von 2- 300 Pfd. und sie kosten ohngesayrhalb so viel, als die Alexandriner. 4) Mokka-Sennesblätter, von denen es eine brell-blätterige kurze Art, von 0. lanoeolata,eine schmalblätterige lange Art, auch Pt^sen na genannt, von 0. Fbrenbergii, ca. IV»lang und 3 /s Zoll breit, gibt; manche Blätter st