Smyrna 568 Soda
Kleinasien, an dem Meerbusen von Karaburnu, dieroßte, reichste und bedeutendste Stadt der ganzenevante, mit mehr als 160,000 Einw., darunterviele Griechen, Armenier, Franzosen und Italiener,die bedeutenden Handel treiben, reich werden undgroße, schöne, steinerne Häuser bauen, 15,000 Ju-den, die hauptsächlich vom kleinen Verkehr leben,und 80,000 Türken, die sich mit,Handel, Hand-werken rc. beschäftigen. Die Stadt liegt rings umden ungeheuren Hafen an einem Bergabhange undgewährt mit ihren Moscheen und Minarets und denHunderten von Schiften, welche beständig das Meerbedecken, in der reizenden Umgebung einen herr-lichen Anblick, dem jedoch das Innere nicht ganzentspricht, denn die Straßen sind eng und krumm,die meisten Häuser niedrig und unansehnlich undauch die Moscheen sind nicht ausgezeichnet. Indessenist sie größtentheils reinlich und enthält auch vielsteinerne Häuser von mehreren Stockwerken. Sie istnicht allein der große Markt für die Erzeugnisse derasiatischen und europäischen Türkei, sondern auchvieler Waaren aus Persten und Arabien, welchemeist durch Karavanen nach den Küsten des mittel-ländischen Meeres kommen und von Smyrna ausweiter verschifft werden. Ebenso versorgt die Stadteinen großen Theil der inneren Länder mit euro-päischen Waaren. Die Ausfuhr, welche die Ein-fuhr bedeutend übersteigt, besteht hauptsächlich ausOpium, Kreuzbeeren, Krappwurzeln, Knoppern,Feigen, Rosinen, Schafwolle, Teppichen, Weizen,Gerste, Seham, Ziegenhaaren, Süßholz, Baum-wolle, roher Seide und Cocons, getrockneten Rinds-häuten undSchwämmen. Haupteinfuhrartikelsind: ord. Manufakturen aus England; Seiden-waaren aus Lyon und Wien; grobe Baumwollen-waaren, namentlich Kopftücher und Kattune ausder Schweiz; - feine baumwollene und halbwolleneDamenstofte aus Sachsen; Tuche und Thibet ausOesterreich, Sachsen und Preußen; Spitzen ausBelgien, der Schweiz und England; Papier ausFrankreich, Belgien und Fiume; Bänder, Kordelnund Litzen aus Frankreich, der Schweiz, Oesterreichund Rheinpreußen; Eisenwaaren aus Preußen,England und Frankreich; Fensterglas aus Belgien;Glaswaaren aus Böhmen, Steyermark und Frank-reich; Fayence aus England; kurze Waaren jederArt aus Nürnberg, Solingen und England; Leder-waaren aus Marseille und den Rheinlanden; Bijou-teriewaaren aus Pforzheim; außerdem Zucker, Kaffee,Bier, Rum, Butter, Stickwolle, Strümpfe, Wachs-tuch , Stearinkerzen, Parsümerien. Goldgespinnste,Bauholz und Mannskleider. Der Gesammtwerth derAusfuhr belief sich im1.1863 auf 112,967,000 Frs.;der der Einfuhr auf 68,158,316 Frs. Die Zahlder an gekommenen fremden Schiffe mit Ladungbetrug 847 von 211,785 Tonnen; in Ballast 80von 3890 Tonnen. Ausgelaufen sind beladen827 von 204,620 Tonnen; in Ballast 327 von12,706 Tonnen. Fast alle Nationen haben hierihre Repräsentanten, und sogar Chinesen und Tar-taren haben sich hier niedergelassen. Dampfschiffegehen nach allen Häfen der Türkei, des mittellän-dischen Meeres und nach England. Die Industrieder Stadt ist nicht bedeutend; indessen werdenschöne Teppiche, baumwollene, wollene und seideneWaaren, Kameel-, Baum- wollen- und Tür-kischgarn, Saffian rc. verfertigt.
Geldwährung, s. Türkei. — In vielen,namentlich größeren europäischen Magazinen wird
noch immer nach Franken gerechnet. Bei größerenZahlungen kommen eben so viel Napoleons undeffective Pfd. Sterl., als türkische Goldpfunde zu100 Piaster vor. Die Herstellung der legalen Va-luta, das türkische Goldpfund, ist nur für denKleinverkehr durchgesetzt worden, da dieser gern dieGelegenheit benutzte, unter Beibehaltung derselbenNominalpreise alle Bedürfnisse um 44 % zu ver-theuern. Der Großhandel hat den sogenanntenWechselgeld-Tarif (das türkische Pfund zu 123^Piastern) beibehalten, hauptsächlich deßhalb, weil dieZwischenhändler des inneren Landes darauf be-stehen , in diesem Tarif zu kaufen, und an ihre Ab-nehmer, die von der Valuta-Verschiedenheit keineKenntniß haben, mit einem scheinbar kleinen Vor-theil in legalem Gelde zu verkaufen. Die Differenzzwischen gutem und Tarifgeld bildet dann den eigent-lichen Vortheil.
Course wie Konstantinopel, nur verstehensie sich in Smyrna in Metallgeld. Ein Thalercoursexistirt nicht. Der Cours auf Konstantinopel wird
3 Tage nach Sicht, zu ± Pari bis 1 % Aufgeldnotirt, wobei aber, wenn der Wechsel daselbst inPapiergeld einzulösen ist, der Verkäufer um so vielweniger erhält, als dessen Verlust beträgt. — Com-mission 72 bis 1 %; Courtage V* % vom Verkäuferallein.
Platzgebräuche. Diese sind in der Hauptsachewie in Konstantinopel; die Verkäufe geschehen jedochgewöhnlich auf 2 —6 mal 15 Tage; die Einkaufs-commisston wird oft mit 3 %, die Einkaufscourtagedann mit 1 % und die Courtage auf die Tratte mit
4 % berechnet.
Maße und Gewichte wie die Türkei (s. d.),es ist aber in Bezug auf die letzteren zu bemerken,daß man sich beim Getreidehandel noch häufig desalten Kilo von Smyrna bedient, welches — 17 s Kilovon Konstantiuopel gerechnet wird. Die Oka ist ein *wenig schwerer, als die von Konstantinopel, näm-lich — 1284,9 6 Grammen, wird aber der letzterengleich gerechnet. Der Kantor hat 45 Oke ä 400Drachmen, man theilt ihn aber auch in 100 Rotteloder Lodra ä 180 Drachmen und der Rottel istdaher--- 578 ,290 Grammen; der Batman, besondersfür persische Seide, ist — 6 Oke; der Metikal fürRosenöl u. a. kostbare Waaren ist — 17a Drach-men ; der Tscheki, eigentlich 1 / i Oka, bedeutet beiKameelhaar 2 Oke, bei Opium 250 Drachmen.
Soally , ein Getreidemaß in Bengalen.
Societät, s. Handelsgesellschaft.
Societätsinseln, s. Gesellschaftsinseln.
Socius heißt Gesellschafter, Theilnehmer, undnamentlich Handelsgesellschafter, Compagnon.
Soda, Sodasalz, mineralisches Laugen-salz, kohlensaures Natron, Sal Sodae,Sal Alcali minerale, Natrum carboni'cum, findet sich entweder in der Natur oder wirdkünstlich bereitet. Die natürliche Soda erzeugtsich als Salzbeschlag auf der Erde, namentlich ausdem Boden ausgetrockneter oder ausgetreten ge-wesener Salzseen, und auch zuweilen an feuchtenMauern rc. Dies geschieht besonders an vielen Or-ten in Ostindien, Persien, Aegypten, Ungarn rc., mdiesem letzten Lande nach dem Austreten des Neu-siedler u. a. Seen, auf der Szegediner und Debrecziner
Heide rc. Diese wird gesammelt, kalcinirt und unterdem Namen DebreczinerSoda theils in Ungarnverbraucht, theils nach Wien rc. ausgeführt. Dieägyptische natürliche Soda, auch Trona ge-