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Spießglan^oxyd
oder Arsenik enthaltend, theils und häufiger mitSchwefel vererzt oder mit anderen Metallen ver-bunden, oder als Oxyd. Am häufigsten kommt dasGrauspießglanzerz, der Antimonglanz oderSchwefelspießglanz vor, ein Mineral von blei-grauer oder eisengrauer Farbe und starkem Metall-glanz, das aus 72,«« Spießglanz und 27,^ Schwefelbesteht und zuweilen auch etwas Eisen und Arsenikenthält. Durch Saigern oder Ausschmelzen wirddaraus der rohe Spießglanz oder Schwefel-spießglanz, Antimonium crudum oder Stibiumcrudum, stibium sulphuratum nigrum, s. laevi-gatum, Antim. crudum praeparatum, SulphurctumAntimonii nigrum gewonnen, welcher zur Darstel-lung des reinen Spießglanzmetalls, zum Reinigenmancher Erze auf den Hütten, zum Putzen uudPoliren von Metallen, bei der Feuerwerkerei, zurBereitung des Neapelgelb uud mehrerer chemischerPräparate, wie sehr vieler Arzneimittel, wie Spieß-glanztinkturen, Spießglanzwein, Pulver, Pflasterund Salben, von denen wir die im Handel vorkom-menden in den nachfolgenden Artikeln aufführen,verwendet wird. Er ist schwärzlichgrau von Farbe,hart, aber zerbrechlich, auf dem Bruche strahlig, undkommt hauptsächlich von Rosenau im Gömörer Ko-mitat und noch einigen anderen Orten in Ungarn,aus Siebenbürgen, der preuß. Rheinprovinz, außer-dem auch aus Frankreich, Spanien, Sicilien rc. inhalbkugelige oder kegelförmige Stücke gegossen. Dasdaraus bereitete reine Spießglanznietall,regulinische Spießglanz oder der Spieß-glanzkönig, Regulus Antimonii oder Stibiumpurum, welches ebenfalls meist aus Ungarn in rundeBrote oder Hüte gegossen kommt, ist von schönerglänzendweißer Metallsarbe und hat die oben er-wähnten Eigenschaften. Oft ist er mit Eisen, Blei,Arsenik, Kupfer rc. gemischt. Man braucht es beson-ders zu verschiedenen Metalllegirungen, namentlichals Zusatz zum Schriftmetall, und zu verschiedenenSpießglanzpräparaten. — Wenn man Spießglanz-metall mit Königswasser erhitzt, dann abdampft,concentrirte Salpetersäure zusetzt und diese wiederverdampft, so erhält man die Antimon säure,Acidum stibicum, ein gelbes, beim Erhitzen sichdunkler färbendes, geschmackloses Pulver. Anti-monige Säure, Acidum stibiosum, ist ein weißes,durch Erhitzen gelb werdendes, sehr feuerbeständigesPulver, das man durch Oxydation des Spießglanz-metalls in Schwefelsäure, Abdampfen und Glühender Maffe erhält.
Spießglanzblumen oder weißes Antimon-oxyd, Stibium oxydatum album, FloresAntimonii oder Nix Stibii, sind weiße, leichte,meist silberglänzende Nadeln, welche entstehen, wennSpießglanzkönig an der Luft geglüht wird und sichals ein weißer Rauch verflüchtigt, der sich an kaltenKörpern anlegt. Es wird besonders zur Bereitungdes Brechweinsteins, Tartarus emeticus oderTart. stibiatus, Kali stibiato tartaric., Stibio kalitartaric. Tartras kalico-stibicus angewendet, indemman es mit gereinigtem Weinstein und Wasser kocht,dann verdunstet und krystallisiren läßt. Er wird zuMalaga zugesetzt, als Brechwein bei Kindern undschwachen Personen gegeben; Vinum stibiatum oderLiquor tartari emetici. Der Brechweittstein schmecktsüßlich, hinterher ekelhaft, ist geruchlos und krystalli-sirt in rhombischen Oktaädern, ist in größeren Gabengiftig, auf die Haut eingenebelt erzeugt er Pusteln.Der neutrale Brechweinstein wird aus der Mutter-
lauge, aus welcher der Brechweinstein auskrystallisirtist, durch Abdampfen derselben bereitet. Er krystal-lisirt in schiefen rhombischen Säulen.
Spießglanzbutter oder Wasser ha ltig es An -timonchlorür, Chlorspießglanz, ButyrumAntimonii, Chloraretum Antimonii, An-tim oniummuriaticum,LiquorStibiimu-
riatici oder Stibium muriaticum liqui-dum, Wird durch Auflösung des grauen Antimon-oxyds in Salzsäure und Verdünnung mit destillirtemWasser bereitet und ist eine klare gelbe, sehr ätzendeFlüssigkeit von scharfem, unangenehmem Geruch,die an der Luft raucht und als'heftiges Aetzmittelgebraucht wird. Das wasserfreie Antimon-chlorür wird entweder durch trockne Destillationeiner Mischung von Spießglanz und Quecksilber-sublimat , oder von Spießglanz und abgeknistertemKochsalz mit Schwefelsäure bereitet und ist einebutterartige, leicht schmelzbare Masse, die in derWärme wie Oel fließt, beim Erkalten ein strahligkrystallinisches Gefüge annimmt und an der Luftdicke weiße Nebel ausstößt. Mit Wasser vermischtgibt sie einen voluminösen weißen Niederschlag, dasAlgarothpulver, Pulvis Algarothi oder Mer-curius Vitae, das ein heftiges Brechmittel ist undzur Bereitung des Brechweinsteins benutzt wird.
Spießglanzglas oder Antimonglas,VitmmAntimonii oder Stibium oxydulatum vi-trificatum, eine glasartige Masse, die, wenn sieviel Metall enthält, schwarz und undurchsichtig, ent-hält sie wenig, röthlich und durchsichtig ist, und be-reitet wird, indem man den noch nicht vollständiggerösteten rohen Spießglanz oder die Spießglanz-asche schmilzt. Man benutzte es früher zur Bereitungdes Brechweinsteins und der sogenannten Brech-becher, kleiner Trinkgefüße, in denen Wein, dereinige Zeit darin stand, eine Brechen erregende Krafterhielt.
Spießglanzjodür , I o d s p i e ß g l a n z, An t. s.
Stib. jodatum Joduretum Antimonii, einbrauurothes Pulver, das sich durch Wasser undWeingeist zerfetzt. Zerrieben ist es zinnoberroth.Es entsteht durch Zusammenreiben von Spießglanzund Jod.
Spießglanzleber oder Schwefelantimon-kali, HeparAntimonii, eineleberbrauneMaßevon schwefelleberartigem Geruch und Geschmack,welche durch Zusammenschmelzen von rohem Spieß-glanz und kohlensaurem Kali bereitet wird undFeuchtigkeit aus der Luft anzieht. Sie wird zuSpießglanzpräparaten und zuweilen in der Thier-heilkunde angewendet.—Die kalkhaltige Spieß"glanzleber, Hepar Antim. calcareum oder Cal-I caria sulphurato - stibiata, Calx Antimonii oumsulphure, wird durch Glühen von 3 Th. Schwesel-autrmon, 4 Tb. Schwefel und 16 Th. gebranntenAnsterschaalen bereitet, und ist ein gelbliches oderbräunliches, nach Schwefelleber schmeckendes Pulver.
Spießglanzmvhr, s. Quecksilberschwefel-antimon.
Spießglanzoxyd, gewaschenes, schwerß-treibendes, oder übersaures antimon-saures Kali, Stibium oxydatum a 1 b uv>ablutum, Cerussa Antimonii, An timonium diaphoreticum 'ablutum, ein weiße ,geschmackloses, nicht brechenerregendes Pulver, dabereitet wird, indem man rohen Spießglanz m3 Theilen Salpeter verpufft und den Rückstand nkaltem Wasser auswäscht. Dieses Präparat komm