Spitzengrund 590 Staatspapiere
Muster. Zuweilen werden auch bloße Spitzenmustergeklöppelt und dann auf feine» Mafchinenfpitzen-rund aufgenäht; man nennt diese Application s-pitzen. Seidene Spitzen, die in der Regelschwarz oder weiß, nur selten bunt von Farbe sind,heißen Blonden. Sie werden aus roher Seidemit Einlage aus starker, offener Seide entweder ge-klöppelt oder mit der Nadel gefertigt, indem dieMuster in einen seinen Spitzengrnnd genäht odergestickt werden, oder auch gewebt; auch gibt esApplicationsblonden, deren Muster geklöp-pelt und dann mit der Nadel auf einen feinenSpitzengrund befestigt wird. Man verfertigt sie insehr vielen Arten hauptsächlich in Frankreich, na-mentlich in Paris und in mehreren kleinen Orten indessen Nähe, sowie auch in Mailand, Venedig,Genua rc., und früher auch im sächsischen Erzgebirge;jetzt aber sind auch die geklöppelten und genähtenBlonden durch die englischen gewebten, seidenenMaschinenspitzen meist verdrängt worden, und be-sonders die weißen stehen überhaupt jetzt in geringererGunst als früher. Die schwarzseidenen werden auchzuweilen mit Kordeln oder seidenen Schnüren, mitChenille, Gort, Sammt, Schmelz rc. geklöppeltoder ausgenäht.
Spitzengrund, s. B o b b i n e t.'
Spitzenzwirn ist der feine flächsene Zwirn, mitwelchem die Spitzen geklöppelt werden. Man hatihn von verschiedener Stärke, der feinste wird nurin Belgien in und um Gent, Kortryk, Mecheln rc.aus ganz feinem Handgespinnst verfertigt, das sofein nirgends anders gesponnen werden kann.Außerdem verfertigt man auch guten Spitzenzwirnbesonders in Sachsen und Böhmen.
Spodium, s. Knochenkohle.
8pon»1as, s. Badschwämme.
Sporco, s. Brutto.
Sporerarbeiten begreifen außer den Sporenauch alle zu den Pferdegeschirren gehörenden metall-nen Theile, namentlich Steigbügel, Gebisse, Kinn-ketten , verschiedene Schnallen, Ringe rc. Sie wer-den meist von den Sporern von Eisen, Stahl,Messing rc., mit oder ohne Verzinnung oder Silber-plattirnng, außerdem auch häufig von Argentanverfertigt; viele und besonders wohlfeile und häufiggebrauchte Gegenstände dieser Art verfertigt manaber auch fabrikmäßig in Schmalkalden, Brottroda rc.,auf dem Thüringerwalde, sowie in Jserlohn, Nürn-berg, und im sächsischen Erzgebirge in Schwarzen-berg, Grünhain, Aue rc.
Sprengkohle ist eine Masse aus Kohlenstaub,Gummi, Storax, Benzoe, Salpeter rc., welche indünne Stängelchen geformt ist, die, wenn man sie>an dem einen zugespitzten Ende anzündet, fort-glühen, so daß sie zum Absprengen von Glas ge-braucht werden können.
Spriet, s. Branntwein.
Springender Regreß, s. Wechsel.
Springgläser sind kleine, hohle Glaskugeln, diein ein dünnes, am Ende zugeschmolzenes Röhrcheuauslaufen und zur Hälfte mit gefärbtem Spiritusgefüllt sind, daher sie, wenn man sie in eine Licht-flamme hält, mit einem Knalle zerspringen. Siewerden besonders von den Glasbläsern in Sonnen-berg und Umgegend verfertigt. — Die Glas-tropfen (s. d.) werden ebenfalls zuweilen Spring-gläser genannt.
Springgurke, Spritzgurke, s. Esels-gurke.
Springkörner, Treib körn er oder kleinePurgierkörner, Semen Cataputiae mino-ris, sind die Samenkörner der kreuzblätterigenWolfsmilch, Lu^lwrdia Lathyris, von der Größeeines länglichen Sandkornes, welche früher alsBrech - und Purgirmittel im Gebrauch waren. Ausihnen wird ein Oel gepreßt, 01. I,atllyriäis s-Oatap. min, das zum Abführen benutzt wird. '
Sprit, s. Branntwein.
Spritzenschläuche, die man früher von Lederverfertigte, das man der Länge nach zusammen-nähte, werden jetzt allgemein aus festem, starkenHanfzwirn vermittelst einer eigenen Maschine ohneNaht und so dicht gewebt, daß sie kein Wasser durch-lassen, aber wohlfeiler und dauerhafter sind, als dieledernen, und auf die nämliche Art werden auch dieFeuereimer verfertigt. Fabriken dieser Artikelbefinden sich unter anderen in Nürnberg. Weimar,Chemnitz, Göttingen, Berlin, Wittenberg rc.
Sprotte, Breitling oder Brätling, 01u-peaSprattus, ist ein zum Heringsgeschlecht ge-hörender Fisch, aber kleiner und schmäler als dieser,nämlich 4 bis 5 Zoll lang und etwa 1 Zoll breit,auf dem Rücken bläulich, am Bauche silberfarbig.Er lebt auf dem Grunde des Meeres in der Ost-und Nordsee, dem mittelländischen Meere rc., kommtaber zur Laichzeit im Herbste in ungeheuren Schaarenan die flachen Küsten und wird dann in manchenGegenden in großer Menge gefangen. Das Fleischist noch wohlschmeckender als das der Sardellen,weshalb die Sprotten häufig frisch gegessen und aucheingesalzen und geräuchert versendet werden. Dieeingesalzenen werden gewöhnlich für Sardellen ver-kauft, von denen sie sich aber durch den vorstehendenUnterkiefer unterscheiden, während bei den Sardellender Oberkiefer vorsteht. Nach Norddeutschland kom-men sie meist geräuchert von Kiel oder Lübeck, zu-weilen auch aus England.
Spulen, s. Federn.
Spydernet, s. Spidernet.
Lliuillg. maritima, s. Meerzwiebel.
Staatspapierconto , s. Effecten conto.
Staatspapiere ,Staatsobligationen,Staatseffecten, Effecten oder Fonds sindSchuldverschreibungen, welche ein Staat iiber einein vielen kleinen Summen aufgenommene Anleiheausstellt und welche dazu bestimmt ist, aus einerHand in die andere zu gehen und so Gegenstand desHandels zn werden. Es ist nämlich nur selten odernie der Fall, daß, wenn ein Staat sich veranlaßtsieht, ein Darlehn aufzunehmen, sich ein einzelnerKapitalist findet, der ihm die ganze Summe vor-streckt, deren er bedarf, und diese wird daher immerin kleine Summen getheilt, welche von einzelnenPrivatpersonen angenommen werden. Zwar wirdhäufig die ganze Anleihe von einem oder von einigenBankiers, die sich dazu vereinigt haben, übernom-men, aber nur um die Aufbringung derselben ineinzelnen kleinen Summen zu vermitteln. DerBankier, mit welchem eine Anleihe auf diese Artuegocirt wird, macht sich gegen den Staat ver-bindlich, ihm die Summe derselben binnen einergewissen Zeit, zuweilen auch in mehreren Raten zuverschaffen, und erhält dagegen die von der Staats-behörde darüber ausgestellten einzelnen Obligationen,durch deren Verkauf er die Summe, insoweit erdiese nicht selbst besitzt, zusammenbringt. Sehr oskann jedoch der Bankier die Obligationen nicht znihrem vollen Nennwerthe an den Mann bringen,