Stärke
595
Stärkezucker
»ach dem Grade der Verdünnung desselben, eineviolette bis tief dunkelblaue Verbindung geben.Wenn man das Stärkmehl trocken erhitzt, zerspringendie Kügelchen ebenfalls und bilden eine gelbbrauneMasse, welche Leiokom, Lekogomme, Stärke-gummi oder geröstete Stärke genannt wird.Wird Stärkmehl in verdünnter Salpetersäure auf-gelöst. oder wird es mit geleimter, getrockneter undgemahlener Gerste vermischt und dann in warmemWasser aufgelöst, so bildet sich daraus Dextrind.) und später Zucker (s. Stärkezucker). —Für den Handel ist besonders das aus Weizenkör-nern, Gerste und aus Kartoffeln bereitete Stärkmehlvon Wichtigkeit; das erstere gibt die eigentlich soge-nannte Stärke, welche zum Stärken der Lein-wand und Wäsche, zur Weberschlichte, bei der Kat-tundruckerei, zur Verfertigung des Neublaues undmehrerer anderer Farben, der Oblaten, der Sauer-kleesäure, zum Leimen des Papiers rc. benutzt wird;das letztere wird besonders als Kartoffelmehlund zur Verfertigung des Kartoffelsagos undähnlicher Nahrungsmittel gebraucht, doch wird zu-weilen auch Kartoffelstärke daraus bereitet. DieStärke des Handels wird in eigenen Stärkefabrikenbereitet, indem man geschrotene Weizenkörner mitWasser in einem leinenen Sacke unter Wasser knetet,welches das Stärkmehl aufnimmt, das sich darin zuBoden setzt. Es wird dann noch mehrere Maleausgewaschen, durch feine Haarsiebe getrieben, derdadurch erhaltene Teig ausgepreßt, in würfelförmigeStücke zerschnitten und dann völlig ausgetrocknet.Zuweilen werden auch die ganzen Weizenkörner ein-geweicht und ausgepreßt und vermittelst eines Walz-werks zerrieben'/nach dem neuesten Verfahren aberuimmt man Weizenmehl, macht daraus einen steifenTeig wie Nudelteig, den man unter vielen feinenWasserstrahlen durchknetet, und behandelt das ab-gießende Wasser, welches das Stärkmehl enthält,auf die oben angegebene Art. Da die Stärke selbstuach dem sorgfältigsten Trocknen an der Luft imInnern doch immer einige Feuchtigkeit behält, wo-durch sie bei weiter Versendung zur See leicht ver-erben könnte, so wird sie, besonders in England,Frankreich, Spanien, Holland rc. noch in besonderen-^efen oder geheizten Kammern noch mehr getrocknetund dann noch halbwarm in Fässer gepackt. Ausdw nämliche Art wird auch das sogenannte Bis-kuit- oder Krafttnehl bereitet, das zu feinemBackwerk benutzt wird und das daher nichts weitersts- als völlig ausgetrocknetes Stärkmehl. Wirddw Stärke zerrieben und durchgesiebt, so erhält mandkn Haarpuder. Gute Weizenstärke muß blen-dend weiß und ganz trocken sein, meist aus ganzenStücken bestehen, zwischen den Fingern knirschenund einen eigenthümlichen, schwach mehlartigen Ge-ruch besitzen. Die Fabriken verfertigen gewöhnlichaußer der besten ganz weißen, noch eine geringere,«was gelbliche Sorte, welche zu Kleister, zuschlichte und dgl. brauchbar ist. Die Kartoffel-k'avke, die sich zu vielen Zwecken weniger gut eignet,a>s die Weizenstärke, unterscheidet sich von dieser imÄußeren durch ein mehr glänzendes und durch-kn^k^udeS Ansehen, auch ist sie leicht zerreiblich undarW) ^was mehr, die Kügelchen derselben sindb vßer und anders geformt und sie verhält sich auchm.'Mancher Beziehung anders als jene. — DieJSrttr Stärkefabriken in Deutschland gibt es in11, , ' ferner in Erfurt, Langensalza, Nördlingen,"W Köln, Nürnberg rc. — DaS Stärkmehl
anderer Pflanzen gibt 'unter anderem den S a g o,das Arrowmehl, den Manioc und die Ta-st ioka.
Stärkeglanz ist ein schon vor Jahren von derFabrik Klotten u. Co mp. in Köln in den Handelgebrachter Artikel, welcher der Stärke zugesetzt- wird,damit sie die Wäsche glänzender macht und ihr einzarteres Ansehen gibt. Es ist jedoch nichts andresals in Tafeln geformte Stearinsäure, auch die Er-findung eigentlich nicht neu, da man in den Fär-bereien beim Appretiren von leinenen und baum-wollenen Zeugen der Stärke und dem Leim zu jenemZwecke schon längst Wachs, Talg und ähnliche Ma-terialien zusetzt. Ein ähnliches Präparat, das inBerlin unter dem Namen Glanz stärke verkauftwird, besteht aus gröblich gepulverter Stärke, derauf das Pfund 2 Loth zerriebene Stearinsäure zu-gesetzt ist, wodurch sich die letztere beim Kochen bessermit der Stärke vereinigt.
Stärkegummi, s. Dextrin.
Stärkezucker oder Stärkmehlzucker kannaus jeder Art von Stärkmehl bereitet werden, wes-halb man meist das wohlfeilste, nämlich das Kar-toffelstärkmehl dazu verwendet. Er wird bereitet,indem man das Stärkmehl mit sehr verdünnter con-centrirter Schwefelsäure kocht, bis das Ganze zueiner gleichmäßigen dünnen Flüssigkeit geworden ist,worauf man die Säure durch Kreide neutralisirt,dann die Masse filtrirt und abdampft. Man erhältdadurch einen bräunlichen Sirup, der zu manchenZwecken brauchbar ist, und den man, wenn es aufdie Farbe ankommt, durch Thierkohle entfärbt. ZumHaudel wird derselbe gewöhnlich bis zu 1,24 spezif.Gew- abgedampft und heißt dann Stärkesirupoder Kartoffelsirup. Um Stärke- oder Kar-toffel zu cker daraus zumachen, dampft man ihnbis zu l,44 spez. Gew. ab und läßt ihn in flachenGefäßen ruhig stehen, in denen er sich durch eineunvollkommene Krystallisation in eine klebrige, kör-nige, feuchte Masse verwandelt, die mau in diesemZustande versendet. Verlangt man aber trockenenZucker, so läßt man den noch darin enthaltenenSirup ablaufen und trocknet den Zucker in einemOfen, dessen Boden aus einer dicken Gipsplattebesteht, welche die noch zurückgebliebenen flüssigenTheile einsangt, während der feste Zucker schnellvollkommen austrocknet. Dieser besteht aus trocknenweißen, krystallinischen Krümeln, die sich nicht zueinem festen Körper, wie der Rohrzucker, vereinigenlassen, sich viel schwerer als dieser in Wasser auf-lösen, auch nur ohngefähr % so viel Süßigkeit haben.Auf die Zunge gebracht, schmeckt der Stärkezuckeranfangs mehlig und erst nach einiger Zeit süß undzugleich etwas schleimig; auch hat er einen etwasherben Nachgeschmack, da er immer noch etwasschwefelsauren Kalk und zuweilen auch freie Schwe-felsäure enthält. Er ist daher zum Ersatz des Nohr-und Rübenzuckers nicht geeignet, wird aber aller-dings, besonders in Frankreich, wo viel davonfabrizirt wird, von den Kleinhändlern häufig mitdemselben vermischt. Den halbflüssigen körnigenStärkezucker soll man daselbst als eine geringe Sortebretagnischen Honig und selbst als braune weicheManna verkaufen. Außerdem benutzt man den-selben hauptsächlich zur Fabrikation von Weingeistund Essig, zur Verbesserung geringerer Weine u. dgl.In Deutschland gibt es keine Stärkezuckerfabrikenmehr, außer in den österreichischen Staaten, undzwar in Unterösterreich, Böhmen und Galizien,
38 *