Band 
Zweiter Band.
Seite
596
JPEG-Download
 

Stärkmehl

596

Stahl

welche theils nur Sirup, theils auch Zucker ver-fertigen.

Stärkmehl, s. Stärke.

Stärkmehl, amerikanisches oder india-nisches, s. Arrowmehl.

Stahl ist eine Verbindung von Eisen mit % bisÜ% Kohlenstoff. Er steht daher zwischen dem Stab-ersen oder Schmiedeisen, das fast kohlenstofffrei ist,und dem Gußeisen, das 4—5% Kohle enthält, inder Mitte, und darauf beruhen auch sowohl seineEigenschaften, als seine Bereitungsart. Er ist un-gehärtet weicher und schwerer zu schmelzen als Guß-eisen, aber viel härter und elastischer und Leichterschmelzbar als Schmiedeeisen. Er hat einen dichten,feinkörnigen Bruch, ist graulichweiß von Farbe, insWeiße, aber nie ins Bläuliche übergehen!), außerbeim Anlaufen, und nimmc eine schönere Polituran als das Eisen. Das Härten des Stahles be-fiehl darin, das man den rothglühenden Stahl schnellin kaltem Wasser ablöscht, wodurch er eine solcheHärte bekommt, daß er Glas ritzt und von keinerFeile angegriffen wird, auch in gleichem Verhältnißspröde wird und sich nur schwer zusammenschweißenläßt. Wenn man ihn nach dem Härten wieder er-hitzt und langsam abkühlen läßt, so erhält er seinevorherige Weichheit wieder, bei welcher er sich feilen,sägen, abdrehen rc. läßt. In dem durch das Härtenerzeugten höchsten Grade von Härte und Sprödig-keit wird der Stahl glashart genannt, ist dann abernur zu wenig Arbeiten brauchbar, weshalb man ihmdurch das Anlassen denjenigen geringeren Härte-grad geben muß, der zu den verschiedenen Zweckennöthig ist. Dies geschieht, indem man ihn wiederbis zu einem gewissen Grade erwärmt; dabei läufter nach der Reihe in verschiedenen Farben an, ausdenen man zugleich die Grade seiner Härte erkennt.Zuerst wird er strohgelb und eignet sich dann zustarken Schneiden, wie Meisel zum Abdrehen vonEisen und Stahl und für Bildhauer; bei der darauffolgenden goldgelben Farbe eignet er sich ebenfallszu Meiseln und anderen Werkzeugen zur Bearbei-tung von weicheren Metallen, zu Grabsticheln derKupferstecher, zu Bohrern, Stecheisen, Pfriemen,Drahtzügen, Scheer- und Federmessern, chirur-gischen Instrumenten, zu Werkzeugen für Tischler,Zimmerleute, Drechsler rc.; bei Purpurroth zu ge-wöhnlichen Messern, Scheeren und ähnlichen Werk-zeugen für den täglichen Gebrauch; bei Violett zuWagen - und anderen großen Federn; bei Blau zuUhrfedern, Säbel- und Degenklingen, Schlosser-instrumenten , Uhrketten, Schnallen rc. — ZurBereitung des Stahles können hauptsächlich 2 ver-schiedene Wege eingeschlagen werden, nämlich ent-weder aus Gußeisen, dem man einen Theil seinesKohlengehalts entzieht, oder aus Schmiedeeisen, demman die nöthige Menge Kohle zusetzt. Das ersteregeschieht in der Regel, indem man Roheisen untereiner Bedeckung von Schlacke schmilzt und es danndem Gebläse aussetzt, wobei ein Theil der Kohleverbrennt; hierauf läßt man die Masse in Rinnenfließen, so daß halbcylindrische Stücke oder Flößegebildet werden, die, wenn sie gehörig stahlartig,dicht, hell oder schwarzgrau von Farbe, auf demBruche feinstrahlig und spiegelnd finb und beimAblöschen im Wasser erhärten, Hartflöße heißen.Diese schmilzt man auf dem Stahlheerde zu einemKlumpen, Luppe oder Teichel, den man dannzu Stangen ausstreckt, und dieser heißt Schmelz-st ahl, Roh stahl, natürlicher Stahl, Mock-

oder Kern stahl. Am besten eignen sich mangan-haltige Eisenerze dazu, indem das Eisen durch denMangangehalt schon härter wird. Wenn Stahl ausStabeisen verfertigt werden soll, so werden in einemwohl verkittetem Kasten von Eisen oder BacksteinenStäbe von hartem, nicht sehnigem und von unganzeuStellen möglichst freiem Eisen, von l 1 /* — 2 ZollBreite und V« — Va Zoll Dicke mit Kohlenpulver,dem gewöhnlich der 10. Theil Holzasche zugesetztwird, oder mit einem Gemisch von Kienruß, Horn-spänen , Klauen und dergleichen oder noch besser mrtschwach geröstetem und gepulvertem Blutlaugensalzzusammengeschichtet und mehrere Tage der Weiß-glühhitze ausgesetzt oder cementirt. Nach demErkalten sind die Stäbe spröde, aber nicht hart undwerden Cement stahl, Brennstahl, oder, weilsie auf der Oberfläche Blasen haben, Blasen stahlgenannt. Durch beide Berfahrungsarten erhält manjedoch einen in seiner Masse ziemlich ungleichförmigenund für die meisten Verwendungen unbrauchbarenStahl, der daher noch einem Verfahren unterworfenwerden muß, durch welches er gleichförmiger gemachtwird. Dies geschieht wieder auf zweierlei Art, ent-weder durch das Gärben oder Rafsiuiren, wo-durch man den Gärbstahl erhält, oder durch daSSchmelzen, welches den Gußstahl gibt. DasGärben geschieht, indem man mehrere Stäbe wieder-holt zusammenschweißt und ausschmiedet; der Vtahlerhält dadurch zwar keine vollkommene Gleichförmig-keit, ist aber zu vielen Arbeiten brauchbar, zu denener mehr zähe als spröde sein muß. Wird er jedochgeschmolzen und in kalte eiserne Formen gegossen,so wird er vollkommen gleichförmig, sehr hart unddeshalb zu den meisten Arbeiten geeignet, aber auchspröde. Man kann sowohl Gußstahl als auch Gärb-stahl aus Schmelzstahl und auch aus Cementstahlbereiten; indessen wird der Gußstahl meist aus Ce-mentstahl und der Gärbstahl meist aus Schmelzstahlgemacht. Je öfter der Gärbstahl zusammengeschweißtund ausgeschnliedet wird, desto feiner und gleich-artiger wird er, aber auch desto weicher, weck ihindurch die wiederholte Weißglühhitze immer ein Theildes Kohlenstoffs entzogen wird. Beide Arten desStahls haben zn den verschiedenen Verwendungenihre Vorzüge vor einander, und es läßt sich dahernicht sagen, daß die eine im Allgemeinen besser sibals die andere. Jetzt verfertigt man auch Gußstahl-bleche zu Dampfkesseln. Der gegärbte Schmelzstahleignet sich besonders zu solchen Arbeiten, bei denenein genaues, reines Schweißen gefordert wird, oderdie kalt leicht brechen, oder die oft gewärmt und ge-härtet werden müssen, wie die gröberen Werkzeugefür Schmiede- und andere Metallarbeiter, Mcistl,Stempel, gröbere Wagenfedern, Schlagfedern,Degenklingen, Sicheln, gröbere Messer, Säge-blätter u. dgl.; der gegärbte Cementstahl dagegen znFeilen, Feilenmeiseln, kleinen Bohrern, Grabsticheln'Fleischer-, Holz - und Federmessern, sowie zu allenArten Tischler- und Bildhauerwerkzeugen, fernerwegen seiner ausgezeichneten Elastizität auch beson-ders zu Uhrfedern. Der Gußstahl besitzt eigeutuwalle Eigenschaften eines guten Stahls iu vorzüg-lichem Grade, einer seiner Hauptvorzüge aber zergsich beim Schleifen und Poliren, wobei er sichreinsten und feinsten verhält und mit der geringsteMühe den höchsten Grad von Politur und G a Hannimmt, ohne schwarze Streifen, Flecken oderll 'dichtigkeiten, von denen anderer Stahl nie ganz 1ist, zu zeigen. Er eignet sich daher besonders z