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Zweiter Band.
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Stahl

Stahl

fernen Arbeiten, wie chirurgische Instrumente, Rasir-mrd andere feine Messer, feine Feilen k ., ferner zuWalzen für Streckwerke, zu Draht, Triebstahl u. dgl.Jetzt verarbeitet man viel Gußstahl, da er bedeutendwohlfeiler ist als früher, zu größeren Gegenständen,namentlich zu verschiedenen Theilen der Lokowa-ren, zu Eisenbahnwagenfedern und selbst zu Achsenderselben, und der Verbrauch desselben hat sich da-durch außerordentlich vermehrt. Man hat dabei theilsden Vortheil größerer Festigkeit, theils auch den desbedeutend verminderten Gewichts, weil die Gegen-stände viel schwächer gemacht werden können, alsaus Eisen und gewöhnlichem Stahl. Auf der Lon-doner Ausstellung von 1802 war von Krupp inEssen ein Block Gußstahl von 40,000 Pfd. Gewichtsehen; eine bis dahin noch nicht vorgekommeneLeistung. Der Werth des Blockes betrug 8000 Thlr.;eben so ^Seeschiffsachsen von 32,000 Pfd. Schwere,welche allgemeine Bewunderung der Kenner er-regten. — Um die Eigenschaften des Gußstahls wo-möglich noch zn verbessern, hat man Versuche ge-wacht, ihn mit auderen Metalleu zu legiren, vondenen jedoch nur eine Verbindung mit Vsoo Silber,Silberstahl genannt, besonders zu Rasirmessernund anderen feinen Instrumenten zu häufiger An-wendung gekommen ist; aber man hat durch Ver-suche gefunden, daß der Stahl dadurch nicht härterwird, und jetzt werden dergleichen Messer nicht mehrverfertigt. Eine Legirung mit Wolframmetall wirdbesonders als Wolframstahl gerühmt; 3 TheileGußstahl und 1 Theil Kupfer bilden den gelbenStahl. 1 0/0 Nickel, V* % Silber und 6 %' Zinkgeben gleichfalls einen sehr guten Stahl, den soge-uaunten Meteorstahl oder Nickelstahl. Auch Ver-bindnngeu mit Platina 1 / 100 geben dem Stahl einegsoße Zähigkeit und Härte. Aus Stahl und Rho-dium wie Iridium und Osninm erhält man werth-volle Compositiouen, doch sind diese wegen derSeltenheit und Kostbarkeit jener Metalle noch nichtvon practischem Nutzen. Eine Verbindung desStahls mit Chrom kommt schon in der Natur vor.wird aber auch künstlich dargestellt. Sie ist beson-ders für Instrumente zum Schneiden, Dolche,Säbel rc. geeignet. Werden die polirten Klingenwit verdünnter Schwefelsäure behandelt, so entstehtdadurch eine Damascirung. Sehr berühmt war be-sonders früher der aus Ostindien kommende soge-nannte Wootzstahl oder indische Stahl, einGußstahl, der sich durch außerordentliche Festigkeitund Härte und zugleich durch eine schöne Damas-^rung auszeichnet, die sich sogar durch mehrmaligesUmschmelzeu nicht verliert. Man gewinnt in Ost-wldien das Eisen dazu aus einem schwarzen magne-tischen Eisenoxyd und schmilzt Stücke dieses Eisenswit Spähueu Holz von der Cassia auriculata unduut einigen grünen Blättern von der AselepiasSigantea oder von Convolvulus lougifolius in kleinen,uur ca. 1 Pfd. fassenden krugförmigeu Tiegeln. Diedadurch erhaltenen Stahlklumpeu werden wieder ge-müht und mit Haudhämmern ausgeschmiedet. Derss'orzug desselben scheint seinen Grund darin zuhaben, daß ein kleiner Antheil von Aluminium-wetall, und auch vielleicht von Kiesel und Titan,aus der Masse der Schmelztiegel in den Stahl über-seht. Man hat daher in England durch eine Verbin-dung des Stahls mit Aluminium oder Thonerde-wetall einen dem Wootz fast ganz ähnlichen Stahlyervorgebracht, der aber doch nicht alle Eigenschaftendesselben besitzt. Auch ist der indische Stahl oft auf

eine eben so schöne, als unnachahmliche Weise mitGold ausgelegt; prächtige indische, auf solche Artfabricirte Waffen zeigte die Londoner Ausstellungvon 1862, namentlich den Kuftgori aus Gugzeratim Pendschab. Seit Kurzem hat sich in Englandeine Gesellschaft gebildet, die India Iron- and Steel-Company , die bei Calcutta und an einigen anderenOrten aus indischem Magneteisenstein, jedoch nacheuropäischem Verfahren Roheisen gewinnen, diesesin England mit Holzkohle frischen und cementirenlassen und den dadurch gewonnenen Stahl unterdem Namen indischen Stahl in den Handelbringen will. Ob die Qualität dem echten Wootzgleich sein und ob überhaupt das Unternehmen imGroßen zur Ausführung kommen wird, steht nochdahin. Auf dem Continent wird der Wootzstahlnicht sehr beachtet und nur selten verarbeitet, da ihnder englische Gußstahl, der jetzt in großer Vollkom-menheit verfertigt wird, vollständig ersetzt. Eineeigene Art der Stahlfabrikativn ist von Bessemererfunden. Dieser Stahl wird dadurch erzeugt, daßdurch flüssiges Roheisen in einem retortenförmigenGefäße ein Windstrom von hoher Pressung geblasenwird. Man verarbeitet auf diese Weise 00 bis100 Ctr. auf einmal, und der Prozeß dauert 18—22 Minuten. Dieser Stahl wird hauptsächlich inSheffield verfertigt und zu Panzerplatten für Pan-zerschiffe verwendet. Die Methode von UchatiusStahl herzustellen, besteht im Zusammenschmelzenvon Roheisen und Eisenoxyd. — Eine schon seitJahrtausenden wegen ihrer außerordentlichen Festig-keit, Zähigkeit und Elastizität berühmte Stahlsorteist der nach seinem ersten Verfertigungsorte DamaS-cus in Syrien benannte D amascen er oder da -mascirte Stahl oder Stahldamast, der sichbesonders durch die auf seiner Oberfläche nach demPoliren und Beizen mit Scheidewasser und anderenSäuren zum Vorschein kommende Zeichnung vonverworrenen dunkleren und helleren Linien, Flecken rc.auszeichnet, welche durch die ganze Masse gehen undsich daher nicht abschleifen lassen. Diese Zeichnungen,welche man Damast oder Damasc nennt, sowiedie große Zähigkeit des Stahls rühren ohne Zweifelvon einer Verbindung verschiedener mehr undweniger harten Stahlsorten und auch weichen Eisensher, denn im Orient soll man ihn durch Zusammen-schweißen von allerhand alten Stahlwaaren, Sensenund Sicheln, Messerklingen, Hufnägeln rc. bereiten;die daraus gefertigten Stäbe werden schraubenartiggedreht, dann der Länge nach zusammengeschweißtund dieses mehreremale wiederholt, wodurch diemehr oder weniger steinen Schlangenzeichnungenentstehen, welche bei aller Verworrenheit doch immereine gewisse Regelmäßigkeit zeigen und sich nie durch-kreuzen. Durch verschiedene ähnliche Manipulationenwird in Europa ebenfalls damascirter »stahl er-zeugt, der zwar dem persischen zum Theil sehr ähn-lich ist, ihm aber doch nicht ganz gleichkommt. InDamascus selbst wird dergleichen Stahl jetzt garnicht mehr verfertigt, sondern hauptsächlich in Per-sien, namentlich in Schiras, Tebris, Jcsd und anmehreren auderen Orten. Man verarbeitet ihn dorthauptsächlich zu Säbelklingen und zu Gewehrläufen.Eine ächte Damascenerklinge ist so hart und elastisch,daß man damit einen starken eisernen Nagel durch-haueu kann, ohne daß sich die schneide umlegt oderansspringt, und daß man die Spitze bis an denGriff herumbiegen kann. ohne daß sie zerbricht odereine Biegung bebält. In Europa werden seltener