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Zweiter Band.
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Stecken

Steingut

Ilexaquifolium, ein zuweilen baumartig wach-ender europäischer Waldstrauch mit eirunden, dun-kelgrünen, dicken, lederartigen, am Rande mit harten,spitzen Stacheln besetzten Blättern, welche einen schlei-migen, herben Geschmack haben und in der Medizingegen Wechselfieber, jedoch nur noch selten, gebrauchtwerden. Die Blüthen sind weiß, die Früchte kugel-förmig, schön roth, von der Größe der Wachholder-öeeren und sind als Baccae Ilicis aqui folii officinell.Auch die Wurzel und die Rinde waren früher offi-cinell. Das feine weiße, feste und schwere Holznimmt sehr gut alle Farben und eine schöne Polituran und wird zu Drechsler- und feinen Tischlerarbei-ten, zu Werkzeugen, Rollen. Globen u. dgl. benutzt;aie Zweige geben Spazierstöcke, die in Ungarn Tar-kars genannt werden, und die Rinde gibt einenguten Bogeljeim, der grün, sehr klebrig, halb flüssigsst und an der Luft nicht trocknet. In den Blätternlst ein Bitterstoff, das Ilicin (s. d.), ein gelberFarbestoff, ein sehr bitterer, nicht kry stallt sirbarerStoff, Gummi und viele Salze enthalten.

Stecken, ein Brennholzmaß im GroßherzogthumHessen und in Frankfurt a. M-

Steckmuschel, edle, s. Muschelseide.

Stecknadeln werden bekanntlich meist aus Mes-singdraht verfertigt, nur die schwarzen Trauer-nadeln sind von Eisendraht, schwarzblau ange-laufen oder auch schwarz lackirt. In neuerer Zeithat man jedoch auch Stecknadeln von Eisendrahtund verzinnt, und zuweilen auch galvanisch versil-bert oder vergoldet verfertigt, welche härter undsteifer sind, als die messingenen. Die Verfertigunggeschieht jetzt noch allgemein durch Handarbeit, wo-£ ei zu 1 Mill. Nadeln ohngefähr 1400 Arbeitsstun-ben eines Menschen nöthig sind. In einigen Fa-briken, besonders in England u. Frankreich, bedientwan man sich jedoch neuerdings einer Maschine, mitwelcher die Köpfe an die Nadeln gemacht werdenjder aufhältlichste Theil der Arbeit), aber durch auf-stauchendes Schlagen auf das stumpfe Ende desTrahtes (Schaftes), wodurch sie die Form einesumgekehrten abgestumpften Kegels erhalten. Eswerden damit in einer Stunde 4000 Köpfe an großeUnd mittle Nadeln gemacht und mit der übrigen,wlt der Hand ausgeführten Arbeit gehören zu 1 Mill.Radeln 64! Stunden eines Menschen. In Eng-land hat man zwar auch Maschinen erfunden, welchealle Arbeiten ausführen, sie sind aber zu compli-^art und deshalb wieder aufgegeben worden. Manberfertigt die Stecknadeln je nach den Zwecken, zubenen sie bestimmt sind, von verschiedener Länge undStarke und gibt ihnen danach auch besondere aberUterst sehr willkürliche Namen, wie: Anschlag-Uadeln für Tapezierer, kurz und dick, Haubeu-uadeln oder Bandnadeln, klein und dünn,rsUNgfernnadeln oder Demoiselles, die‘‘ernsten, Jnsektennadeln, lang und dünn, fer-ä?*, 4^issennadeln, Tuchhändlernadeln,?nefelettennadeln. Perrückenmacherna-hvl n îc ' Man verkauft sie theils nach dem Ge-wcht, theils nach der Zahl, im letzten Fall auf Pa-(Briefe) gesteckt. Die Sorten werden meist^rch Nummer bezeichnet, zuweilen auch nach demwelches 1000 Stück haben sollen, und manbat dann 2-, 3-, 4-, Opfündige Nadeln re. Diemetsten und auch die besten Stecknadeln, welche be-l nders eine gute Politur haben und sich nicht leichtwgen, werden in England in Birntingham, Soho,^otverhampton rc. verfertigt; in Deutschland find

die Karlsbader die besten, die sich ebenfalls nichtleicht biegen, da sie aus gehärtetem Draht bestehen;doch werden auch viele in Johanngeorgenstadt undeinigen anderen Orten des sächsischen Erzgebirgesverfertigt unb an die Fabrikanten in Karlsbad ge-liefert, die sie für eigenes Fabrikat verkaufen. Außer-dem gibt es besonders Nadelfabriken in Aachen,Jserlohn, Köln, Wien, Hainburg und Nadelburg inNiederösterreich, in Nürnberg, in Glauchau undAuerbach in Sachsen rc. In mehreren dieser Orte,namentlich in Aachen, Jserlohn, Wien rc. verfertigtman jetzt auch viel lange und kürzere eiserne undmessingene Nadeln mit Köpfen von farbigem Glasoder Emaille, welche sehr häufig gebraucht werden.

Steicrmärkische Weine, rothe und weiße,zeichnen sich zwar nicht durch Geist und Süßigkeitaus, sind aber von guter mittler Qualität undstehen ungefähr mit den Moselweinen in gleichemRange. Die besten werden im südlichen Theile desLandes erbaut und am meisten geschätzt sind derLuttenberger, Piker, Pettauer, Marburger, Bacherund Radkersburger. In der neueren Zeit ist derWeinbau sowohl in Quantität als in Qualität sehremporgebracht worden, so daß jetzt ziemlich viel da-von ausgeführt wird. Die meisten Weine eignensich besonders zur Champagnerbereitung.

Steifleinwand nennt man sowohl die Glanz-leinwand (]. d.), als auch eine geringere unge-bleichte und mit Leim gesteifte Leinwand, welche zumEinlegen in die Kleider, Mützen rc. gebraucht wird,um ihnen Halt zu geben.

Steige, s. Stiege.

Stein, ein Gewicht in Deutschland und mehrerenangrenzenden Ländern, meist der fünfte Theil desCentners.

Steinnlkali, s. Lithium.

Steinbeerenkraut, s. B ä r e n tr a u b e n k r a u t.

Steinbuche, s. H a i n b u ch e.

Steinbutte, s. Scholle. •*

Steinbutter, s. Bergbutter.

Steinflachs, s. Asbest.

Steingut nennt man eine Art weißes oder far-biges Thongeschirr mit einer durchsichtigen, gewöhn-lich bleihaltigen Glasur, ohne welche dasselbe Wassereinsangt. Dadurch unterscheidet es sich von demPorzeflan, dessen Masse auch ohne die Glasur wasser-dicht ist, und von der Fayence, deren Glasur un-durchsichtig und die auch eigentlich nur weiß ist.Doch wird der Unterschied zwischen diesen 3 Artendes Thongeschirrs nur selten beobachtet; .besonderswird Fayence und Steingut sehr oft miteinanderverwechselt und auf der anderen Seite versteht manunter englischem Steingut eine wie das Por-zellan glasartige Masse, die also auch ohne Glasurkein Wasser einsangt. Ueberdies werden besondersin der neueren Zeit sehr verschiedene Arten Thonge-schirr verfertigt, die mit mehr oder weniger Rechtbald Steingut, bald Fayence und bald Porzellan ge-nannt werden und denen die Fabrikanten auch zu-weilen ziemlich willkürliche Namen geben, wieChromalith, Emilian, Siderolith, Sanitäts- oderGesnndheitsgeschirr (mit bleifreier Glasur). Dasenglische Steingut wurde im Jahre 1690 voneinem Töpfer in Staffordshire erfunden und wirdnoch jetzt vorzugsweis in dieser Grafschaft in einerAnzahl großer Ortschaften im Thale des oberenTrent, welche zusammen die Potteries stenanntwerden, in großer Menge verfertigt. Der etseufreieThon sowohl, als auch die zur Feuerung nöthigen