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Zweiter Band.
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Steinkohle

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Steinkohlenkati

Blätterkohle, Schichten- oder Scherbel-kohle, ist graulich-, eisen - oder sammtschwarz vonFarbe, zuweilen bunt angelaufen, äußerlich glas-glänzend , innerlich fettglänzend, und hat ein blät-im Großen grobschieferiges Gefüge. Siefindet sich in Schlesien, Sachsen, Baiern, der Rhein-Provinz, Schottland und England. 5) Ruß kohle,Staub- oder Löschkohle, eisen - oder graulich-schwarz von Farbe, matt, locker; fast erdig undabfärbend. Sie brennt leicht und geht oft in Schiefer-kohle über. 6) Anthracit, Glanzkohle oderKohlenblend e, enthält kein Harz, sondern be-steht nur aus Kohle, der zuweilen einige Erdartenbeigemengt sind, und brennt daher schwer und ohneGeruch. Er ist undeutlich krystallinisch oder faserig,gewöhnlich eisenschwarz, zuweilen schön bunt ange-rufen, im Striche graulichschwarz, hat einenMuscheligen, meist etwas dickschieferigen Bruch undbesonders anf dem frischen Bruche einen halb-metallischen oder Seidenglanz. Er findet sich anmehreren Orten in Frankreich, England und beson-ders in sehr großen Lagern in Nordamerika, woMan ihn auch trotz seiner schweren Brennbarkeitzum Hohofenbetrieb und zur Lokomotivheizung ver-wendet. — In Bezug aus ihr Verhalten im Feuer,welches bei der technischen Benutzung der Stein-kohlen von besonderer Wichtigkeit ist, theilt man siein folgende 3 Classen: 1) Backkohlen, welchebeim Brennen erweichen, aufschwellen, zusammen-backen und den Rost verstopfen. Gepulvert in einerRetorte erhitzt, schmelzen sie, indem sie sich starkaufblähen, zu einer homogenen Masse zusammen.2) S int er kohlen, schwellen nicht anf, schwindenaber auch nicht; gepulvert sintern sie zu einer festenMasse zusammen. 3) Sand kohlen, schwinden imFeuer mehr oder weniger und ihr Pulver bleibtbeim Erhitzen staubig und unzusammenhängend. —Je mehr Kohlenstoff eine L-teinkohle enthält, destomehr Hitze gibt sie, aber sie brennt auch destoschwerer, bedarf daher eines stärkeren Luftzuges undgibt nur wenig Flamme. Ist dagegen der Kohlen-stoffgehalt geringer, so brennt sie leicht und miteiner größeren Flamme, gibt aber eine wenigerintensive Hitze. Die erste Art wird daher am vor-theilhaftesten angewendet, wenn der zu erhitzendeGegenstand in unmittelbarer Berührung mit demBrennmaterial kommt, wie bei Schmiedefeuern,Kalköfen rc., wogegen die zweite Art sich vorzüglichzur Kesselfeuerung u. dgl. eignet. Wenn die Stein-kohlen durch Ausglühen oder dnrch die trockeneDestillation bei der Leuchtgasbereitnng ihres Gehaltsan Wasserstoff und Sauerstoff, sowie des etwa darinenthaltenen Schwefels beraubt werden, so verwan-deln sie sich in eine Art brennbare Schlacke, welcheKohks (s. d.) genannt wird. Ein Centner Kohleliefert ca. 440 Cnbikfuß Gas. Der pulverförmigeRückstand der Steinkohle wird fein gepulvert unddann mit heißem Steiukohlentheer zu einem dickenBrei geformt, in große, etwa 20 Pfd. schwere Kuchenoder Ziegel zusammengepreßt. Diese getrocknethaben weit mehr Heizbarkeit als die Steinkohlenlelbst und werden besonders von Schiffen auf weitenSeereisen benutzt. — Die Steinkohlen sind in derneueren Zeit für die Gewinnung und Bearbeitungdes Eisens und für den Betrieb der Dampfmaschinenaußerordentlich wichtig geworden, eben so sehr fürdse große Reihe von Produkten, welche aus denSteinkohlen und Steinkohlentheer gewonnen wer-den. Unter diesen zeichnete sich als das Merkwür-

digste in der Londoner Industrieausstellung 1862eine aus Frankreich gesandte Flasche voll Spiritusaus, der aus Steinkohlen bereitet war, und welcher,wenn dieProduction billig hergestellt werden könnte,eine völlige Revolution im Betriebe der Landwirth-schaft hervorrufen würde. DaS Vorhandensein derSteinkohle in der Nähe, oder die Möglichkeit, sie mitwenige:: Kosten aus nicht zu weiter Entfernung her-beizuschaffen , ist oft eine Hauptbedingung für dievortheilhafte Ausbeutung von Eisengruben und fürdie Ausführung mancher großartigen industriellenUnternehmungen. Das aus der Erde vorhandeneHolz würde bei der jetzigen ungeheuren Vermehrungdes Eisenbedarfs und der in die gesainmte Industrieso tief eingreifenden Dampfmaschinen ohne dieSteinkohlen sehr bald völlig aufgezehrt werden.Deshalb haben auch diejenigen Gegenden, in denensich Eisenerze und große Steinkohlenlager in un-mittelbarer Nähe beisammen befinden, wie vorAllem in England und nach diesem in Belgien, inBezug auf die Gewinnung und Bearbeitung des! Eisens ein außerordentliches und sicheres Ueber-j gewicht über andere. Zum Glück birgt die Erde in; vielen Gegenden unerschöpfliche Vorräthe dieses! wichtigen Brennmaterials, und gewiß ist nur erstj ein geringer Theil der Lager aufgefunden. Man! kann das jährliche Gesammterzeugniß an Stein-j und Braunkohlen (welche letztere jedoch nur einen

> kleinen Theil des Ganzen ausmachen), auf weit über

> 1000 Mill. Ctr. anschlagen. Im Jahre 1845 wurde' es zu 900 Mill. Ctr. angegeben, wovon 573 Mill.>auf Großbritannien, 90 anf Belgien, 80 aus die

Vereinigten Staaten, 75 auf 'Frankreich, 63 auf: Preußen, 13 Mill. auf Oesterreich rc. gerechnet wnr-

> den. England besitzt die meisten und zugleich die! besten Steinkohlen; es hat außerordentlich ansge-! dehnte, sehr mächtige und in vielen Tausend Jahren! nicht zu erschöpfende Lager, deren Bebauung da-• selbst auch mit dem größten Eifer betrieben wird,j da das Land selbst außerordentlich viel verbraucht,

I und anch eine nicht unbedeutende Ausfuhr von Koh-: teil und Kohks stattfindet. Die bedeutendsten Werke

befinden sich bei Newcastle in Northumberland,Whitehaven in Cumberland, in den GrafschaftenDerby, Nottingham, Durham, Westmooreland,Leicester, Warwick, Stafford, in Südwales beiSwansea, Pembroke, Carmartheu rc. Schottlandhat besonders in den Thälern des Forth und desClyde und in Ayrshire Steinkohlengruben, doch sinddie Kohlen nicht so vorzüglich als die englischen.Frankreich besitzt viel und meist sehr gute Stein-kohlen, welche zum Theil den englischen an die Seitegesetzt werden können und die sich in 36 Departe-ments finden, die meisten in denen der Loire, desAveyron, der Saone und Loire, des Calvados unddes Nordens. Noch stärker ist Belgien damit ver-sehen , wo sich besonders in den südlichen ProvinzenHennegau, Namur, Lüttich und Limburg bedeutendeSteinkohlenlager mit mehr als 250 Gruben finden.Deutschland hat die bedeutendsten Steinkohlenlagerin der preußischen Rheinprovinz und in Westphalen,außerdem in Schlesien, bei Halle an der Saale, inSachsen, Baiern, Baden, Hannover, Kurhessen,Böhmen, Mähren, Niederösterreich, Steiermark undauch in Ungarn. In Rußland, Skandinavien, derSchweiz und Italien fehlen sie dagegen fast gänzlich.

Steinkohlenkali, ^nttiralcoüali, lütllantllro-kali entsteht durch Mischung von alkoholisirterSteinkohle mit schmelzendem Kalihydrat. Es ist ein