Steinöl
Steirilwhltnklttnpher 604
schwarzes, abfärbendes, zartes Pulver, das einenbituminösen Geruch und alkalischen Geschmack hat.Setzt man noch Schwefelblnmen dazu, so entstehtdas Steinkohlen - Schwefel - Kali. Es gleicht in allenBeziehungen dem Vorigen, riecht jedoch nachSchwefel. Beide finden Anwendung in der Medizin.Steinkohlenkampher, s. Naphtalin.
Steinkohlentheer ist eine bei der trockenenDestillation der Steinkohlen zur Leuchtgasgewinnungin großer Menge sich erzeugende dunkelschwarzbraune,übelriechende, mehr oder weniger dünnflüssige Masse,von 1 , 120 —l-iso spec. Gew., welche zum Anstreichenvon Holzwerk und Mauerwerk, sowie zur Bereitungkünstlicher Asphaltmassen, wie des Terrestns rc.benutzt wird. Auch wird er in den Gasbereitungs-anstalten zuweilen zum Verbrennen unter den Re-torten verwendet. Wenn man ihn mit Wasser destil-lirt, so erhält man ein sehr flüssiges, braunes,ätherisches Oel von durchdringendem, kampherähn-lichem Geruch, das mit rußender Flamme brenntund SteinkohleutHeeröl oder Steinkohle u-N a P h t a, Oleum empireuniaticum ex ligno fossili,genannt wird. Durch Rectification wird es gelblich,am Lichte und an der Lust aber färbt sich dasselbebraunroth. Es ist das beste Auflösungsmittel desKautschuk, indem es ihn, nachdem es verdunstet ist,mit seinen elastischen Eigenschaften zurückläßt, undes wird daher besonders bei der Bearbeitung dessel-ben zu wasserdichten Zeugen benutzt. Es sind zweiSorten, eine leichte, rohe Naphta, die zuerst über-geht und eine schwere. Letztere wird zu Firniß,vampenschwarz verwendet, besonders zur Conser-virung von Holz. Der Rückstand ist Pech , der zuAsphalt oder Eisenfirniß dient. Das leichte Oelriecht sehr widerwärtig und muß erst vielfach ge-reinigt werden, ehe es verkäuflich ist.
Steinlakrizen, s. Engelsüßwurzel.
Steinlinde, s. Alatern und Linde.
Steinmark oder sächsische Wundererde istein ziemlich weiches, fettig anzufühlendes, nicht ab-färbendes, an der Zunge klebendes Mineral vonweißlicher, gelber, grauer, bläulicher oder bräun-licher Farbe, das früher als Arzneimittel und zurVerfertigung mancher Siegelerden gebraucht wurde,jetzt aber nur zuin Polireu von Serpentin, Mar-mor u. a. weichen Steinarten benutzt wird. Esfindet sich besonders bei Rochlitz in Sachsen, amHarze, bei Schmiedeberg in Schlesien, in Böhmen,Siebenbürgen rc.
Steinot, Bergöl, Erdöl, Petroleum oderOleum Petrae, ist ein dickflüssiges, zähes, halb-durchsichtiges oder undurchsichtiges, rothes, braunesoder schwärzliches Oel, oder eigentlich eine durchErdharz verunreinigte Naphta (s. d.), das sichauch fast immer an den nämlichen Orten wie diesefindet, besonders auch auf der Halbinsel Abscheronvei Baku am kaSpischen Meere, wo es an vielenPunkten zu Tage kommt und schwarze Naphtagenannt wird, wie auch am todten Meere; fernerinGalizien an den Karpaten, in Tirol, bei Parma rc.Es hat einen unangenehmen Geruch und scharfsäuerlichen, brennenden Geschmack, und verhält sichübrigens wie die Naphta, die auch durch Destillationdaraus gewonnen wird. Man unterscheidet im Han-del r o t h e s und schwarzes und braucht es in derMedizin, zuweilen innerlich, öfter jedoch äußerlichals zertheilendes Mittel, besonders gegen Frost-beulen. Die Naphta wird auch zuweilen weißesStein öl genannt. Im Jahre 1859 sind bei Ge-
legenheit der Bohrung eines artesischen Brunnensin Pensylvanien Erdölquellen aufgefunden worden,die an Reichhaltigkeit alle übrigen der Erde über-treffen. Das Oel findet sich in der Gegend vonTitusville an dem sogenannten Oelbache, der mden Alleghanysluß mündet, bei Bil City, Clintock-ville, Rouseville rc. und weit in Canada hinein.Auch in Trinidad haben sich in neuester Zeit uner-schöpfliche Petroleumquellen vorgefunden. Meist hatman zu der Gewinnung des Oels artesische Brunnengegraben, die eine sehr reiche Ausbeute liefern; inPensylvanien geben diese Brunnen über 200,000preuß. Eimer in einer Woche. Am 11. Febr. 1862ist in Kingston ein Brunnen eröffnet, dessen Oelnoch reiner sein und besser als das in Pensylvanienbrennen, auch in 24 Stunden 2000 Tonnen liefernsoll. *) Die Brunnen sind von 30 — 400 Fuß Tiefein Sand und auch in Felsen gebohrt, und viele,wenn sie ausgeschöpft sind, sammeln in kurzer Zeitdas Oel wieder bis zum Ueberflicßen an. Dasamerikanische Erdöl ist reiner wie das gewöhnliche,das rohe ein Gemisch vieler ätherischer Öele und imhohen Grade feuergefährlich. Es brennt wie Spiri-tus ohne Docht und strömt bei warmer Temperatureinen Kohlenwasserstoff als leichtentzündliches Gasaus, durch welches plötzliche Entzündungen, Ex-plosionen auf Schiffen hervorgebracht sind, weshalbdie Schiffe selten rohes Oel in Ladung nehmen unddie Assekuranzgesellschaften die Versicherung fürsolche Schiffe verweigern. Das Oel wird daher meistin Amerika selbst raffinirt, und verliert dann einengroßen Theil der Feuergefährlichkeit, indem es nichtmehr ohne Docht brennt. — Seit der Entdeckungdieser Quellen hat man auch den Gegenden Europas,wo man Erdöl entdeckte, mehr Aufmerksamkeit ge-schenkt. Es sind zunächst außer den galizischen,hauptsächlich die Quellen in der Walachei, derenAusbeutung in Angriff genommen ist. Aus letzteremLande wurden in jüngster Zeit schon mehrere hun-dert Tonnen Erdöl nach England versendet und fürdie Lieferung von 20,000 Tonnen Contracte ab-geschlossen. In der Walachei ist es besonders dieGegend von Ploest, wo sich das Erdöl befindet; inGalizien südöstlich von Krakau und im SamborerKreis ist es durch Quantität und Qualität aus-gezeichnet. Die Ausfuhr betrug von dort 186337,000 Ctr., 1864 bis October 41,000 und dieganze Förderung schätzt man auf 150,000 Ctr.Auch den Petroleumschätzeu Südrußlauds wendetdie Spekulation ihre Aufmerksamkeit zu, und es istnicht unwahrscheinlich, daß in nicht langer ZeitEuropa seinen Bedarf selbst befriedigen kann. "Das rohe, ungereinigte Erdöl ist bei durchfallendeMLichte dunkelbraun, bei auffallendem grünlich oderbläulich; nach Verhältniß der Temperatur steif, dickoder flüssig, welches letztere noch bei einer Kälte von26° der Fall ist. Das gereinigte Oel ist mehr gelbals weiß; es kann aber auch wasserhell dargestelltwerden. — Die Erdölflamme ist weit schöner undHeller als Oellampenlicht, doppelt so stark, brenntmit weißer Flamme, koinmt dein Gaslicht am näch-sten und ist dabei 1 / 3 billiger als dieses; es brenntauch langsamer als Oel und hat bei weitem nicht
*) Es ist eine Eisenbahn in die Oelgegenden gebeusi,welche den Aktionären 250/0 Dividende gewährt hat.ganze Gegend ist mit Tonnen voll Oel angefüllt, da »ieTransportmittel zur Weiterbeförderung nicht ausreichen-Im Jahre 1861 luurcen von dort ausgefübrt 10>M6 Zva-Centner. 1802 1,087,719 unb 1863 1,705,605 Z.-Eenrner.