Strohgcflcchte
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Strohgeflechte
Stroh besteht und aus welchem man Damenhüte,Patentstrohhüte genannt, verfertigt. Es wirdsowohl glatt, als auch gestreift und verschiedentlichgemustert, auch in der Form von Band, besondersin Böhmen, Oesterreich und Tirol verfertigt.
Strohgeflechte und Stroh hüte sind in man-chen Gegenden ein wichtiger Fabrikationsartikel, derbesonders Frauen - und Kinderhände aus dem Landebeschäftigt. Zur Berfertigung von Hüten wird dasStroh meist in glatte Bänder oder Tressen gefloch-ten, welche um so schmäler sind, je dünnere Halmedazu verwendet werden, da man zu allen eine gleicheAnzahl der letzteren nimmt. Das Stroh wird ent-weder ganz oder gespalten verarbeitet und da-durch entstehen zwei Hauptgattungen des Geflechtsund der Hüte, von denen man die erstere gewöhn-tich im Allgemeinen italienische, die letztereschweizer oder deutsche zu nennen pflegt, ob-gleich auch in mehreren Gegenden außer ItalienGeflecht von ganzem Stroh verfertigt wird. Dasmeiste und feinste Strohgeflecht wird jedoch in Ita-lien und besonders im Großherzogthum Toscana,in der Gegend westlich von Florenz und um Sienaverfertigt; außerdem im Venetianischen, in denProvinzen Vicenza, Venedig und Padna und inmehreren Gegenden der Lombardei. Man verar-beitet in Italien durchgängig ungespaltenes Strohund es kommt daher darauf an, Stroh zu erbauen,dessen Halme möglichst dünn sind. Man baut dazueine eigene Art Sommerweizen, Iritioum tur»icknmaltmin, der sich durch runde Körner auszeichnet, undden man in Italien, weil er im März gesäet wird,sftarzuvlo oder Narzolano nennt, weshalb das ita-lienische Stroh auch in Deutschland Marzolan-stroh genannt wird. Man säet denselben aus ma-geren, sandigen, am besten kalkigen Boden, so daßer gewissermaßen im Wüchse verkümmert und nurdürftig und dünn bleibt. Um das letztere noch voll-kommener zu erreichen, wird die Saat, wenn sieeinige Zoll hoch ist, auf der Hälfte ihrer Höhe abge-schnitten und dieses auch noch ein oder einige Malewiederholt. Ehe die Körner ganz reif und wenn sienoch milchig sind, werden die Pflanzen mit derWurzel aus der Erde gezogen und in kleinen Bün-deln auf dem Felde aufgestellt, um von Sonne und ;Thau gebleicht zu werden. Dann wird die Aehreund der ganze untere Theil abgeschnitten, denn nurdas Stück zwischen der Aehre und dem ersten Knotenkann zu feinem Geflecht gebraucht werden; das zweiteStück dient nur zu groben Hüten und das übrige alsPiehfutter. Es wird hierauf geschwefelt und dannnach Feinheit, Farbe und Glanz in mehrere Num-mern sortirt, aus denen eben so viel Sorten Tressen(Treccie) geflochten werden. Das Flechten geschiehtmit der Hand und es werden dazu in Italien immerStrohhalme genommen. Am besten ist es, wenndas Stroh von selbst so biegsam ist, daß es beimFlechten nicht zerbricht; außerdem legt man ent-weder so viel, als mau während des folgenden Tagesverarbeiten will, in ein reines Tuch geschlagen inden Keller, oder man befeuchtet es mit Wasser, inwelchem ein wenig Seife aufgelöst ist. BesondersAden feineren Geflechtsorten wird nur der obereTheil der Halme eingeflochten, so daß jeder Halmnur dreimal über die Breite des Geflechts gebt, wes-halb diese auch tre mandate genannt werden, dennder untere Theil des Halmes ist immer von eineretwas anderen Farbe als der obere. Man versendettheils das sortirle unverarbeitete Stroh, theils die
geflochtenen Tressen, welche in lange Bunde gebun-den werden, theils fertige Hüte. Ehe man die Tressenzu Hüten verarbeitet, werden sie noch einmal ge-schwefelt und gepreßt und dann werden sie vermit-telst eines seinen Zwirnsfadens mit einander ver-einigt, der abwechselnd durch die Umbiegungen derStrohhalme an den Kanten von 2 nebeneinanderliegenden Tressen gezogen wird, so daß man nurnöthig hat, diesen Faden wieder berauszuziehen,um den Hut aufzutrennen. In Italien verfertigtman die Hüte in der Regel alle nach einer einzigenForm, nämlich mit einem breiten kreisförmigenRande, in dessen Mitte der Kops sich befindet; diePutzmacherinnen geben ihnen dann durch Zerschnei-den und Zusammennähen die von der Mode vorge-schriebene Gestalt. Der Rand hat eine gewisse be-stimmte Breite, nämlich für Damenhüte 0 , 215 , fürMatrosenhüte 0, 18S , für Mädchenhüte Ü, 16 5, fürKinderhüte 0, 125 Meter rc. und die Feinheit desHutes wird nach der Anzahl der Strohbänder be-stimmt, welche die Breite des Schirmes ausmachenund die natürlich um so größer ist, je feiner undschmäler die Tressen sind. Außerdem sortirt mandie Hüte auch noch in 3 Qualitäten nach der Rein-heit der Farbe und der Sorgfalt der Arbeit. Diefertigen Hüte werden gewöhnlich nochmals geschwe-felt und durch Bügeln mit einem heißen Eisen, wasin der Regel vermittelst einer Maschine geschieht, ge-glättet. Im Auslande werden die Strohhüte meistaus italienischem Geflecht verfertigt, indem man dieTressen zusammennäht und ihnen dabei sogleich diegewünschte Form gibt. Das toscanische Strohge-flecht wird allgemein florentiner genannt undFlorenz und Livorno sind Hauptplätze für den Han-del damit. Außer den gewöhnlichen glatten Tressenwerden jetzt auch sehr verschiedene Arten fagonnirtesGeflecht verfertigt, alö Schnürchen oder Bindchen,Zäckchen, und auf mannichfaltige Art offenes unddurchbrochenes Geflecht, welches gewöhnlich Stroh -bordüren genannt wird und in dem man auchoft durch Einflechten von Manillahanf, Pita, weißenPferdehaaren rc. verschiedentliche zierliche Mustererzeugt. Im Venetianischen wetteifert die Stroh-flechterei jetzt mit der toscanischen und man ver-fertigt daselbst zum Theil Hüte, welche jenen anSchönheit und Feinheit gleichkommen. Am stärkstenist die Fabrikatton in der Provinz Vicenza, außer-dem besonders in Padna und Venedig. Plan ver-arbeitet daselbst sowohl Stroh vom Sommerweizen(Marzuolo), als vom Winterweizen (Vernizzo); dasletztere ist jedoch weniger sein als das erstere. Auchin mehreren Gegenden der Lombardei werden vielStrohhüte verfertigt, doch meist von geringererQualität. Sehr bedeutend ist die Strohflechtereiund die Strohhutfabrikation in der Schweiz, be-sonders in den Kantonen Freiburg, welcher diefeineren Sorten liefert, Aaran, Glarus und Genf,wo meist geringere verfertigt werden. Alan ver-arbeitet daselbst in der Regel gespaltenes Stroh,welches vor dem ganzen den Nachtheil hat, daßes nicht durchgängig glänzt, da die innere glanz-lose Seite zürn Theil mit zum Vorschein kommt,j Demohngeachtet haben die feinen schweizer Stroh-! gestechte ebenfalls ein schönes Ansehen und sie wer-! den in Deutschland u. a. Ländern ebenfalls sehr hän-! fig verarbeitet, da sie bedeutend billiger sind als die! italienischen. Man flicht daselbst die Bänder meist! aus 7 Halmen und bindet sie in Bunde von 18 Ellen,j Auch verfertigt man in der Schweiz besonders viel