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Zweiter Band.
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Tabak

Tabak

werden die Blätter angefeuchtet und nachher ent-weder auf Trockenböden an der Luft getrocknet, oderw künstlicher Wärme gedarrt. Das letztere ge-schieht besonders mit den ordinairen Landtabakenauf einer entweder durch Feuer oder durch heißeWasserdämpfe erhitzten eisernen Platte, wodurch derTabak zugleich verbessert und haltbarer gemachtchird. Der geschnittene Taback wird entweder loseln Fässern oder Säcken versendet und beim Verkaufabgewogen, oder er wird in Packele von verschiede-ner Form zu y 8 , 1 / i ', y 2 oder 1 Psd. gepackt, welchegewöhnlich mit einer Etikette versehen und mit aller-hand Nanien bezeichnet werden. Dadurch entsteheneine große Menge verschiedener Sorten desselben, diestch aber, besonders bei den geringen Gattungen,g^ößtentheils nur durch den Namen und durch dasAeußere der Packete unterscheiden. Diese sind ent-weder viereckig (parallelepipedisch), wobei das Papierdurch Siegellack zusammengehalten wird (Stoß-hackete), oder cylindrisch, indem der Tabak nurln das Papier eingewickelt und dieses oben und untenAngeschlagen wird (Wickelp ackete). Früherhackte man den Tabak auch zuweilen in kleine flachebrercckige Packete oder Briefe von 2 Loth ein, vonwelcher Form namentlich der holländische sogenannteKönigstabak oder Burkly war. Die Packet-tabake enthalten häufig nicht das richtige Gewicht,sondern nur 24, 28, 30 Loth pr. Psd., u. der Preis,besonders der ordinairen Sorten wird in Nord-deutschland von den Fabriken oft nach der AnzahlPfunde bestimmt, welche für 1 Thlr. gegeben wer-den. Den ordinairen, ungepackt verkauften ge-schnittenen Tabak nennt man auch zuweilen Krans-oder Krulltabak. — Den vom Tabak abge-siebten Tabaksstaub benutzt mau, nachdem erdurch Schlämmen von dem darin enthaltenenSande befreit ist, zu ordinairen Schnupftabak,außerdem auch zum Vertreiben des Ungeziefers^ Hausthiere, der Erdflöhe, Schnecken rc. —Der meiste Rauchtabak wird jetzt in die Form vonZigarren gebracht, die in Deutschland erst seitdem Anfang dieses Jahrhunderts, besonders durchdw französischen Truppen, die sie aus Spanien ge-bracht hatten, bekannt worden sind. Besonders inder neueren Zeit hat sich der Gebrauch derselben inb^n. meisten Ländern selbst bis in die unterstenStände verbreitet, wodurch sich die Consumtion desgeschnittenen und des Rollentabaks außerordentlichbermindert und das Tabaksgeschäft überhaupt eineganz neue Richtung erhalten hat. Obgleich man"her jetzt aus geringen Tabaken auch sehr wohlfeileZigarren verfertigt, so ist der Gebrauch derselbendoch immer mit einer gewissen Verschwendung ver-bunden, denn eincstheils werden sie durch den Ar-beitslohn sehr verthenert, anderntheils dadurch, daß)u der äußeren Umhüllung nur ausgesucht große u.ganze Blätter verwendet werden können, deren Preisdadurch bedeutend erhöht worden ist, und überdieswuß auch beim Rauchen der Cigarren fast immeras letzte Stück als unbrauchbar weggeworfen wer-Außer den Deckblättern oder Decker»unterscheidet man bei den zur Cigarrenfabrikationbestimmten Blättertabaken noch Umblatt zu der»wttten Umhüllung unter dem Deckblatt, welchesMr zwar ebenfalls ziemlich ganz sein muß, aber^chtvou so schönem Ansehen zusein braucht, undylusarbeiter oder Einlage, wozu die kleinen,^nsienen und unansehnlichsten Blätter verwendeterden. Zu Deckblättern eignen sich überhaupt nur

solche Tabake, die ein großes, möglichst festes undhaltbares, glattes Blatt mit dünnen Seikenrippenhaben, und es wird deshalb sehr häufig ein ganzandres Blatt dazu genommen, als zu der Einlage,weshalb man auch die Qualität der Cigarren in derRegel nach dem Deckblatt gar nicht beurtheilen kann.Zu der Einlage wird auch oft mehr als eine Tabaks-sortc genommen, indem man z. B. einer leichten Ci-garre durch Hiuzufüguug von ein wenig Cuba odereinem andern schweren Tabak einen besseren Geruchgibt rc. Zu den wohlfeileil Cigarren wird in denZollvereinsstaaten meist Pfälzertabak, besonders zuden Deckblättern verwendet und bei den geringstenauch schlechtere Sorten zur Einlage genommen.Wegen des Mangels an Deckblättern verwendet manauch hin und wieder getrocknete Rnukelrübenblätterdazu. Die Bremer Fabriken verarbeiten jetzt aberauch viel Pfälzertabak, der zu diesem Zweck jetzt auchnach Oesterreich geht, wo man übrigens meist denungarischen Tabak dazu benutzt, von dem sichmehrere Sorten sehr gut zu Deckblättern eignen.Zu den feineren Gattungen verwendet man beson-Amersforter, Java, Domingo, die nordamerikani-schen Tabake, Barinas, Cuba und Havanna. Derletztere gibt die feinsten und wohlriechendsten Ci-garren, die aber auch dadurch verthenert werden, daßdie Havanna-Deckblätter verhältnißmäßig selten sindund daher mit hohen Preisen bezahlt werden. AusHavanna kommen auch viel fertige Cigarren nachEuropa, welche zum Unterschiede von den in Europafabrizirten ächte oder i m p o r t i r t e genannt wer-den, und unter denen es sehr feine und theure Sor-ten (bis zu 200 Thlr. und darüber das Tausend)gibt. Die V e g u e r o s (von Vega, die Ebene) stehenan Güte allen andern Gattungen voran, da sie au«den vollkommensten Blättern der Pflanzung, ohnebesondere Einlage oder Puppe aus einem Stück ge-sponnen werden; auf diese folgen der Güte nach dieRegalia del Duque, welche, wie jene, aus denbesten Blättern der Vurlta de Abajo gedreht werden.In Frankreich und England werden sie in nochgrößerer Menge verbraucht als in Deutschland.Außerdem kommen auch zuweilen ächte Manilla-cigarren nach Deutschland, welche ebenfalls sehrfein und angenehm und im Durchschnitt leichter alsdie Havanna sind. Sie haben eine eigenthümlicheForm. nämlich nicht zugespitzt, sondern an beidenSeiten abgeschnitten und oben dünner als unten.In Deutschland werden die meisten Cigarren inBremen verfertigt u. die dortigen Fabrikanten habenin der letzten Zeit sogar viel nach Nordamerika ge-schickt. Namentlich waren im Jahre 1851 so großeMassen Bremer und besonders Pfälzercigarren nachNeuyork geschickt worden, daß dort ein bedeutendesFallen der Blättertabake und sogar namhafte Falli-inente die Folge davon waren; die Fabrikanten ent-ließen ihre Arbeiter, weil sie beim Handel mit deut-schen Cigarren bessere Rechnung fanden. DieBremer Fabriken haben besonders dadurch einen be-deutenden Vortheil vor denen in anderen deutschenLändern, daß sie, da ihr Platz die stärkste Einfuhrvon außereuropäischen Tabaken hat, auch die besteAuswahl darin haben. In Hamburg gibt es eben-falls bedeutende Cigarrenfabriken, doch ist ihr Absatzbei weitem nicht so ausgebreitet, als der der Bremer.Im Zollverein verfertigen jetzt fast alle Tabaks-fabriken Cigarren und es gibt auch in den meistengrößeren und selbst in vielen Mittelstädten mehrerekleine Fabriken für den Localbedarf. Besonders aber