Tamariskmrinde
Talnbaum 635
Archangel und die Ostseehäfen; doch haben jetzt auchdie südlichen Häfen, Odessa, Taganrok re. ange-fangen, nicht unbedeutende Quantitäten auszu-führen. Der meiste geht nach England, wo ihmaber gegenwärtig der geringere, aber wohlfeile siid-amerikanische eine fühlbare Concurrcnz macht undüberdies der Gebrauch desselben zur Seife durch diehäufige Verwendung des Cocosnnß- und Palmölssehr vermindert worden ist. Auch aus den Donan-fürstenthümern geht jetzt ziemlich viel Talg nachEngland. Die Talgsiederei ist bisher in Rußlandauf eine sehr unvollkommene Art betrieben worden;seit einiger Zeit hat man jedoch an mehreren Orten,besonders in der Ukraine, ein verbessertes Verfahrendurch Anwendung des Dampfes, mit Ersparnng vonBrennmaterial und überhaupt nach rationellerenGrundsätzen eingeführt, wodurch zugleich die Waareverbessert wird, daher auch der Ukrainer Talg inPetersburg immer am meisten geschätzt ist. UnterAr changelsch em Talg versteht man den, welchervon diesem Hafen aus verschifft wird und der meistvon guter Qualität ist; derjenige aber, der inArchangel selbst auögesotten wird, ist eine schlechteSorte. da er meist von dem im Sommer zur Ver-proviantirung der Schiffe geschlachteten Vieh kommt.Morcheltalg ist ein geläuterter Talg, dessenStücke nach Art der Morcheln geformt sind. Scha-losnoe wird in Rußland eine ganz geringe Sortevon röthlicher Farbe genannt. Der russische Talgkommt meist in Fässern von 30 bis 40 Pud, derweiße auch in Kübeln und wird daher Kübeltalggenannt. Auch wird er zuweilen in runden Klum-pen oder Broden versendet, den man in RußlandS y r e z, in Deutschland W a m p e n t a l g nennt; erist gewöhnlich fester, als der in Fässern. Der süd-amerikanische Talg kommt in Seronen von Rinds-haut. Aus Nordamerika ist zuweilen auch TalgNach Europa gekommen, im Jahre 1852 aber hatPetersburg zum erstenmale etwas dahin gesendet.Die ausgeschmolzenen Talggrieven oder Grammelnwerden gewöhnlich noch ausgepreßt und geben dannein gutes Futter für Gänse und Enten; auch wer-den sie in den Seifenfabriken verwendet.
Talgbaum, chinesischer, werden zwei ver-schiedene in China und Hinterindien wachsendeBäume genannt, nämlich: 1 . Croton sebiferum oderßioluccanum, oder Stillingia sebifera, ein baum-artiger Strauch, dessen Samenkörner in ihren Kap-seln mit einer talgartigen Masse umgeben sind, ausder man Kerzen verfertigt, und aus den Kernenpreßt man ein gutes Brenn öl. Aus den Blätterngewinnt man eine schöne schwarze Farbe. Er wirdauch im nordwestlichen Indien und im Pcndschabangepstanzt. 2. Turnus sobil'era oder Taurus involu-^rata, ein hoher Baum, welcher kleine schwärzlicheBeeren trägt, aus denen man ein weißes, talgartigesFett gewinnt, das ebenfalls zu Kerzen verwendetwird.
Talgseife, s. Seife.
Talgstoff, s. Stearin.
. Talk, gemeiner oder blätteriger, ist einZiemlich weiches Mineral von weißer, ins Graueoder Grünliche übergehender Farbe, derb oder blätte-^3,'. mit Perlmntterglanz bis Fettglanz, in dünnenBlättern biegsam und durchsichtig, außerdem durch-scheinend und sehr fettig anzufühlen. Er findet sichsn den schweizer, salzburger und tiroler Gebirgen^ großer Menge, außerdem auch in Baiern, Böh-wen, in England rc. Der grünliche aus Tirol, der
sich aber auch in England findet, wird im Handelgewöhnlich venetian isch er genannt. Man brauchtden Talk hauptsächlich als Grundlage der weißen u.rothen Schminken, weil er die Haut geschmeidig er-hält und ganz unschädlich ist, auch die rothe Farbegut annimmt. Außerdem dient er zum Poliren desAlabasters, zum Glätten des feinen Handschnhleders,zur Verminderung der Reibung in Maschinen undRäderwerk rc., und die derben Stücke werden vonSchneidern, Hutmachern rc. zum Verzeichnen aufTuch, Filz, Wachsleinwand, Papier n. dgl. benutzt,wozu er sich noch besser eignet, als der Speckstein.
Tallaro, s. Ragusaner Thaler; auch war eseine ehemalige Silbermünze in der Lombardeiund Venedig.
Talon, s. Coupons.
Talupen oder T u l u P e n, s. B a r a n k e n.
Tamarinden oder Sauerdatteln, Tama-rindi oder Fructus Tamarindorum, nenntman im Handel das Fleisch mit den Kernen aus denFrüchten des in den Tropengegenden Asiens, Afrikasund Amerikas wachsenden und kultivirten Tama-rinden bäume s, Tamarindus indica. DieserBaum wird sehr hoch, hat eine dicke, braune, auf-gerissene Rinde, starke Aeste, gefiederte, abwechselndeBlätter und rosenrothe Blüthen. In den länglichen,fingerlangen und fingersdicken Samenhülsen desBaumes ist das Mark enthalten und umgibt dieeckig-rundlichen, zusammengedrückten, kastanienbrau-nen, glänzenden Samen, die in einer eigenen häu-tigen Hülle enthalten sind. Die Farbe ist mehr oderweniger schwarzbrann, der Geruch weinsäuerlich u.der Geschmack süßlichsaner, etwas herbe. Manbraucht es hauptsächlich zu Tabakssaucen und auchin der Medizin als kühlendes, verdünnendes und ge-lind abführendes Mittel. Dazu wird es gewöhnlichdurch Aufkochen mit Wasser und Filtriren gereinigt,mit Zucker versetzt n. wieder eingedickt und so unterdem Namen Pulpa Tamarindorum oder Tama -rindenmuß in den Apotheken geführt. Es hateinen znsammenziehend sauren Geschmack und ent-hält weinsteinfaure Salze mit Kali und Kalk, auchWeinsteinfäure, welche oft zur Verfälschung zugesetztwird. Häufig enthält, es auch Kupfer, von denkupfernen Kesseln; außerdem Zucker, Gummi, Pek-trin und Dextrin. Je dunkler schwarzbraun dieTamarinden sind und je weniger Kerne sie enthal-ten, desto mehr werden sie geschätzt; geringer sind dievon röthlicher Farbe und ganz unbrauchbar sind dievertrockneten und verschimmelten. Die westindischensind bedeutend besser als die ostindischen; beidekommen in Fässern von ca. 600 Pfd., worauf 12%Tara gegeben wird; die ägyptischen in Kuchen von%—1 Pfd. sind trocken und meist sehr unrein.Man muß sie- an kühlen, nicht feuchten Orten indichten Gefäßen aufbewahren. Zuweilen werden siemit Zwetschenmuß verfälscht.
Tamariskenrinde, Oortox Tamarisci, vonder im südlichen Europa, besonders in Frankreichwachsenden Tamariske, eines Baumes, von mitt-lerer Höhe, mit dünnen, gelblichgrünen Blättern,Tamarix gallica, der bei uns auch in Gärten gezogenwird. Sie ist dünn, gerollt, außen braun, innenweiß, oder röthlich, oft netzförmig in Sechsecken ge-zeichnet , hat einen bitteren, etwas zusammenziehen-den Geschmack und wird noch zuweilen in der Me-dizin als ein verdünnendes, eröffnendes und stärken-des Mittel angewendet. Auch das im südlichenFrankreich daraus destillirte Oel wird noch zuweilen