Band 
Zweiter Band.
Seite
642
JPEG-Download
 

Terpentinöl

642

Tenfelsdreck

ätherische Oel, welches sorgfältig bereitet, wasserhell,dünnflüssig, von durchdringendem terpentinartigemGeruch und scharfem Geschmack ist, bei 160° siedet,ein spec. Gew. von 0,80 hat, und sich in absolutemAlkohol, Leinöl und Mohnöl in allen Verhältnissenauflöst. An der Lust wird es nach und nach gelblichund harzhaltig. Durch ein Gemisch von Schwefel-säure und Salpetersäure entzündet es sich von selbst.SDJifc Jod löst es sich mit grüner Farbe. Bei derDestillation mit Chlorkalk erhält man Chloroform.Au der Luft bildet sich Ameisensäure, auch scheidetsich Terpentinkampher aus ihm ab, den man aberimmer erhält, wenn man 4 Theile Oel mit 3 TheilenAlkohol und 1 Theil Salpetersäure mischt und 8 Tagestehen läßt. Mit salzsaurem Gas gibt das Terpen-tinöl eine feste, krystallisirbare und eine flüssige Ver-bindung. Erstere mit trockener Seife erhitzt, liefertein festes Kampher, welches mittelst Platinmohrs zuächtem Kampher umgestaltet wird. Letzteres ist^eindickes Oel von l, ü2 spec. Gew. Mit kochender Sal-petersäure entstehen aus dem Terpentinöl noch meh-rere Sauren, wie die Terebin- und Pyrotere-binsäure u. a. Das beste ist das französischeoder Bayonner, welches in Stückfässern von ca.650 Kilogr. oder in Oxhoften von ca. 400 Kilogr.mit Nettotara exportirt wird; in Hamburg wird ausdas Oxhoft 120 Pfd. Tara gegeben, sie beträgt aberoft bis 150 Psd. Das englische und amerika-nisch e kommt ihm fast gleich, nur hat es einen har-zigeren Geruch und gewöhnlich eine ins Grünlichefallende Farbe. Es kommt in Fässern von ca. 2 Ctr.,auf welche Nettotara gegeben wird. Das öfter-!reichis ch e ist dem amerikanischen ähnlich und wird 'in Blechflaschen verschickt. Deutsches Terpen-!tinöl, Kienöl oder Pech öl, 01. Pinis oder lere- jbinthinae germanicum, das man auf dem Schwarz-!Walde, dem Fichtelgebirge, Erzgebirge rc. verfertigt, Iwird aus Wurzelstöcken und Zweigen der Fichten?und Kiefern und als Nebenprodukt beim Pechsieden!gewonnen. Es riecht viel unangenehmer als die an-deren Arten und trocknet auch unter Firnissen und !Oelfarben langsamer. Man braucht das Terpentinöl 1theils roh, theils durch nochmalige Destillation über?Kalk oder Chlorkalk rectificirt als Zusatz zu den!Oelfarben, damit sie schneller trocknen, zu Firnissen, jzum Erweichen des Kautschuk und zum Auflösen ?von Harzen, zur Bereitung von Stiefel - und Fuß- 1bodenwichse, zum Fleckausmachen, zum Deckgrund '■beim Kupferstechen, tu der Glas - und Porzellan-;Malerei, in der Feuerwerkerei, zum Brennen in ?Lampen und auch in der Medizin. Um es als!Leuchtmaterial zu benutzen, wird es entweder mit!Weingeist vermischt und dann in den Lüdersdor-!fischen Gasätherlampen (s. Lampen) gebrannt,?oder es wird in Camphin verwandelt, indem man !es von den ihm beigemischten Harz und Säure-theilen reinigt. Zu dem Ende werden gleiche Theile!rohes Terpentinöl und Wasser mit dem 100. Theile?der ganzen Mischung gelöschtem Kalk so lange über jHolzfeuer destillirt, bis alles Oel übergegangen und 'etwa Yio des Wassers in der ?Blase zurückgebliebenist. Von dem Uebergegangenen wird das obenauf-stehende Oel vom Wasser rein abgegossen, dann mit2 —3 Bogen zerrissenem Löschpapier auf 100 Pfd.rohes Terpentinöl so lange geschüttelt, bis es ganzwasierhell ist, und in wohlverstopften Flaschen auf-bewahrt. Man erhält auf diese Art aus 100 Pfd.Terpentinöl 90 — 95 Pfd. Camphin. Durch Ver-bindung mit salzsaurem Gase, Brom, Jod, Sal-

petersäure rc. entstehen Reihen von neuen Körpernund Säuren, welche jedoch hauptsächlich nur fürdie Chemie wichtig sind. Das Camphin ist leicht,flüchtig, klar, dünnflüssig, verbindet sich mit demSauerstoff der Luft zu harzigen Massen, mit Salz-säure erhält man aus dem Camphin den künstlichenKampher. Wirken stärkere Säuren auf das Cam-phin ein, so bildet sich das Campheren. — DurchErhitzung von Terpentinöl über Aetzkalk entstehenneue Körper: C amphile n, Terebilen und Eo-lo Philen.

Terpentin - Schwefelbalsam, Hals am umLulpburis terebiutbinatum,ist eineschwarz-braune, übelriechende Flüssigkeit, welche bereitetwird, indem man Schwefel in kochendem Leinöl unddie dadurch erhaltene Masse in Terpentinöl auflöst.Man braucht ihn in der Medizin äußerlich und auchals Thierarznei.

Terra heißt Erde. — T. anglica, s. EnglischeErde. — T. Catechu, s. K a techu. — T. citrina,f. gelbe Erde. — T. coloniensis , s. Umbra.

T. de Siena, s. B olus, rother. — T. foliataTartari, s, Kali, essigsaures. — T. japonica,s. Katechu. — T. lemnia, s. Siegelerde. — T.merita, s. K U r kUM e. — T. Ochra, s. O cher. —T. ponderosa, s. Schwererde. — T. portugueza,s. Harro de Estremoz. — T. sigillata, s. Sie-ge l e r d e. — T. Strontiana, s. Stro ntian. — T-tripolitana, s. Tripel. — T. umbracea, s. 11 mb ra.— T. viridis, s. Grüne Erde. — T. Vitrioli dul"eis, f. Colcothar.

Terraille oder Terre du Saint-Espritheißt ein in Frankreich verfertigtes feines Töpfer-geschirr von grauer oder gelblicher Farbe.

Terraß, s Traß.

Terresin, s. Asphalt.

Tertia-Wechsel, s. Wechsel.

Tesa, Klafter, ein italienisches Längenmaß.

Testone, Teflon, eine Rechnungs- und Silber-münze in Portugal, Brasilien und im Kirchenstaate.

Teufelsabbiß , s. S c a b i o s e.

Teufelsdreck, stinkender Asant, Stink-asant, Asafoetida ober Gummi Asae so e-tidae, ist das an der Luft getrocknete Gummiharzeiner in Persien, besonders in der Provinz Lar undum Herat, und im nördlichen Ostindien wachsendenSchirmpflanze, Ferula Asa foetida. Er wird ge-wonnen, indem man über der Wurzel Einschlußin den Stengel macht oder ihn daselbst abschneidet,und fließt als ein weißer Milchsaft aus, der an derLuft zu einer festen Masse erhärtet, welche rosenroty,rothbraun oder gelblich von Farbe und meist umkleinen weißen Stücken, wie geschälte Mandeln,vermischt ist, in welchem Fall er auch gem andel-ter genannt wird. Er hat einen stinkenden, knov-lauchartigen Geruch, der jedoch beim frischen wenstärker ist, als beim getrockneten, und überhaupverliert er den Geruch, die Kraft immer mehr, Fälter er wird. Der Geschmack ist widrig, scharf unbitter. Er löst sich in Wasser und Weingeist znvTheil auf und bildet mit ersterem eine weißlnh^trübe, mit letzterem eine klare, gelbröthliche AElösnng. Der feinste, der aber selten in den Handkommt, besteht aus Körnern, der gewöhnliche auunregelmäßigen Klumpen oder Brocken, undvodiesem ist der fleisch - oder rosenrothe der beste, llsaerhält ihn theils über Smyrna, theils aus CWdien, in Kisten von 4—500 Pfd. und braucht ihnder Medizin zu Pillen, Tinktur und Wassern, ar cv