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Zweiter Band.
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Tuch

Tuch

londert ist, dient dazu, die auszugebenden Proben!oder Muster daraus zu schneiden; auch wird ge-wöhnlich die Firma des Fabrikanten oder die An-fangsbuchstaben derselben, auch zuweilen die Ellen-?ahl entweder mit bunter Seide in denselben gesticktoder in gepreßten Buchstaben von Gold - oder Sil-berpapier darauf geklebt. Zuweilen näht man auchan die äußerste Kante einen sogenannten Bart,d. h. einen gewebten Streifen von langer, glänzen-der, hellfarbiger Angorawolle. Der Glanz, den dasTuch durch das warme Pressen erhält, verschwindetwieder durch darauf gebrachte Nässe und es bekommtdaher vom Regen rc. Flecken; deshalb wird er ge-wöhnlich vor dem Verarbeiten durch das Deka-liren ganz davon entfernt, so daß nur der natür-liche Glanz der Wolle bleibt. Es geschieht, indemman das Tuch entweder durch Besprengen mitWasser, durch Einschlagen in feuchte Peinwand rc.anfeuchtet, oder indem man es von Wasserdämpfendurchziehen läßt. Die Breite der feinen und mittel-feinen Tuche ist gewöhnlich 2y 2 Dresdner Ellen,die ganz ordinairen sind aber oft nur 2 Ellen undnoch weniger breit; die Länge der Stücke ist in der!Regel ca. 40 Ellen. — Bei den verschiedenen Zu-richtungsarbeiten kann das Tuch mancherlei Fehlerbekommen, welche man beim Einkauf nicht über-sehen darf. Die wichtigsten derselben sind folgende:Fadenscheinig nennt man zu kurz geschorenesTuch, so daß die Fäden des Gewebes sichtbar sind;das Tuch darf jedoch auch nicht zu lang gescho-ren, d. h. es darf nicht zu wenig davon abgeschorensein, weil es sonst beim Tragen rauh wird. KleineKöcher kommen zuweilen durch das Noppen indas Tuch und werden durch das Haar bedeckt oderauch zugestopft, so daß man sie höchstens erkennenkann, wenn man das Tuch gegen das Licht hält;reelle Fabrikanten zeigen sie daher gewöhnlich durchkMen in die Sahlleiste geknüpften und heraus-hängenden Faden an. Auch muß das Tuch rein ge-moppt sein und keine Knötchen enthalten, die man^ls dunkle Fleckchen erkennt, wenn man es gegendas Licht hält. Das Tuch darf ferner beim Aus-spannen auf dem Rahmen nach der Walke nicht zulehr auseinander gezogen sein, was 'man daran er-kennt, daß die Löcher in den Sahlleisten lang aus-zogen und die Fäden derselben sehr verschobensind. Streifen nennt man solche Stellen, die nichtkurz genug geschoren sind; Riemen sind solche, wosich die Wolle, anstatt abgeschnitten zu sein, kamm-emporsträubt, Platten solche, die von der^cheere gar nicht berührt worden; Katzen-lchwänze sind einzelne stehengebliebene Woll-siocken; Schmitze zu tiefe Schnitte oder Furchenauf der geschorenen Oberfläche. Ueberhaupt ist beim^-uikauf des Tuchs eine genaue praktische Kenntniß,große Aufmerksamkeit und Uebung erforderlich, umsich gegen Täuschungen und Schaden zu schützen, dakv besonders bei der jetzigen vervollkommneten Fabri-wjur und durch Anwendung verschiedener Hülfs-mittel möglich wird, dem geringen Stoffe das An-sehen von Feinheit zu geben und mancherlei Fehleruuv Unvollkommenheiten zu verdecken. Die beste^urgschaft dagegen gibt allerdings die bekannte^eellität des Fabrikanten. Die Gleichheit und^ sarke des Fadens, welche immer eine Hauptsache1 der Beurtheilung der Güte des Tuchs ist, er-g.!Ut man, wenn man von einer Probe das Haarichabt oder absengt, so das die Fäden blos gelegt"den. Auch zeigt sich dadurch, sowie auch wenn

man das Tuch gegen das Licht hält, welches eigent-lich nirgends durchschimmern sollte, die Dichtigkeitdes Gewebes. Die Güte der Farbe kann manprüfen, wenn man eine Probe des Tuchs längereZeit abwechselnd in Seifenwasser taucht und siewieder der Sonne und der Luft aussetzt; auch wennman es in Chlorwasser taucht; die blaue, schwarze,rothe und grüne Farbe, indem man eine Probe inschwacher Älaunauflösung kocht, gelbe, grüne, brauneFarben, indem man sie in Seifenauflösung kocht rc.Melirtes Tuch darf keine Flecken oder Streifenzeigen, sondern es muß egal melirt sein. Dasschwarze Tuch, besonders wenn es vorher andersgefärbt gewesen, ist oft durch die beim Färben an-gewendeten Säuren u. dgl. sehr angegriffen undmürbe geworden, oder, wie man zu sagen pflegt,verbrannt, so daß es zerreißt, wenn man es in derRichtung der Kette oder des Einschusses über eineBretkante zieht, was überhaupt eine Probe der Halt-barkeit ist. In der neueren Zeit hat man auch, be-sonders in England und Frankreich, zuweilen die zudem Tuche verwendete Wolle mit Baumwolle ver-mischt, was sich nicht anders erkennen läßt, alswenn man das Gewebe ausfasert und die Fäserchenan eine Lichtflamme hält; die Baumwolle verbrenntdann schnell und vollständig, die Schafwolle aberwird uur verkohlt, die Fasern kräuseln sich und ander Spitze setzt sich eine kleine Kugel von Kohle an.— Die Tuchfabrikation ist jetzt theils durch dasSpinnen des Wollengarns mit Maschinen, theilsdurch viele andere Verbesserungen gegen früher sehrvervollkommnet worden, so daß man für den näm-lichen Preis viel feineres und schöneres Tuch be-kommt, als vor 30 — 40 Jahren. Das Tuch ist imAllgemeinen allerdings bedeutend dünner als früher,aber in Folge der Gleichheit und besseren Qualitätdes Garnes demohngeachtet fast eben so haltbar.Auch verfertigt man unter dem Namen H albtuch,Damentuch, Kaisertuch, Zephyrtuch rc.noch leichtere feine Tücher als die gewöhnlichen,welche zu Sommerkleidern für Männer, zu Damen-mänteln rc. häufig getragen werden. Dergleichenleichte Tuche werden auch, meist in nicht ganz feinerQualität, für die Levante verfertigt und mit ver-schiedenen Namen bezeichnet, wie: Lev an tischeTücher, Serailtuch, Londres, Londrins,Dreikronentuch (wegen der im Spiegel einge-stickten 3 Kronen) rc. Durch die Verfertigung dergeköperten und gemusterten tuchartigen Stoffe, wieBukskin, Siberienue rc. hat übrigens diese Fabrika-tion ein früher unbekanntes sehr ausgebreitetes Feldgewonnen. Wir haben von diesen und anderenStoffen bereits in besonderen Artikeln gesprochen,auf die wir daher verweisen. Häufig werden dieTuche in Bezug auf die Feinbeit naw der Anzahlder in der Kette enthaltenen Fäden bezeichnet; sonennt man in Deutschland Dreißiger Tuchesolche, deren Kette aus 100mal 30 Fäden besteht,und ebenso hat manZw ei und dreißiger, Vier-unddreißiger rc. Das Nämliche ist auch inFrankreich der Fall (s. Irontainos). — Die Länder,welche das meiste und beste Tuch verfertigen, sindEngland, Frankreich, Belgien und die preußischeRheinprovinz. Die englischen Tuche behauptennoch immer in Folge der genauen Wollsortirung,der sorgfältigen Arbeit und der Benutzung allerHülfsmittel der Mechanik, besonders in feiner undmittelfeiner Waare den ersten Rang. Sie kommenzwar nicht nach Deutschland, aber auf fremden