Wagen
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Waid
lohn, Schmalkalden, Suhl, mehrere Eisenwaaren-!fabriken in Oesterreich rc. besonders eiserne Balken :zu größeren, aufzuhängenden Wagen, und an einigen idieser Orte, namentlich in Schmalkalden, werden!auch Balken zu kleinen Handwagen verfertigt.Die letzteren, sowohl die Balken als auch die messt»-!genest Schalen dazu, werden aber besonders in?Nürnberg fabrizirt. Apothekerwagen haben!meist Schalen von Horn, welche von den Kam-imachern verfertigt werden. Von den feineren Wagen jdieser Art sind besonders die Goldwagen (f. b.) |zn erwähnen. Auch verfertigt man jetzt häufig Wagen, ?bei denen die Schalen nicht an den Balken ange- ?hängt, sondern auf den Leiden Enden desselben be-!festigt sind, eine Einrichtung, die besonders für!solche Wagen, auf denen mehrere Pfunde gewogen jwerden, sehr bequem ist. — Von der zweiten Art!der Wagen sind besonders die wegen ihrer Bequem-!lichkeit, weil sie wenig Raum einnehmen und überall Ihingestellt werden können, sehr zweckmäßigen undzu größeren Wägungen fast überall gebrauchtenBrücken- oder Decimalwagen, bei denen dasGewicht einer zehnmal so großen Last das Gleich-gewicht hält. Sie werden in den meisten großenStädten von Mechanikern, Schlossern und auch ineigenen Fabriken verfertigt, namentlich in Leipzig,Dresden, Berlin, Arnstadt, Nürnberg, Hamburg rc.Man hat sie zu Lasten von 20 und mehr Centnernbis zn einigen Pfunden herab, und selbst ganz kleinevon Messing, die als Goldwagen gebraucht werdenkönnen. — Die dritte Art der Wagen, bei denennur e i n Gewicht zum Wägen verschiedener Lastengebraucht wird, indem die Last an einem kurzenArme des Balkens hängt, das Gewicht aber an demviel längeren Arme hin und her geschoben wird,nennt man im Allgemeinen Schnellwagen, siesind jedoch nur wenig im Gebrauch, da man sichvon der Richtigkeit derselben nicht überzeugen kann,indem es dabei nicht allein auf die Schwere des Ge-wichts, sondern auch auf den Punkt ankommt, wodasselbe an dem Balken angehängt wird. Eine Artderselben sind die Briefwagen, deren sich jetztnicht allein die Postämter, sondern auch die Kauf-leute häufig zum Wägen der Briefe bedienen. Manbraucht dabei gar keine Gewichtsstücke, sondern dasGewicht der Last ergiebt sich daraus, wie tief dieWagschale auf der sie liegt, herabstukt, was an einemGradbogen , auf welchem die Gewichte angegebensind, vermittelst eines Zeigers oder eines in einerOeffnung ausgespannten Fadens angegeben wird.Tie sind natürlich nur für kleine Lasten von einigenLothen und in sehr engen Grenzen brauchbar. —Eine besondere, aber sehr ungenaue und daher auchwenig gebräuchliche Art sind die Federwagen,welche das Gewicht durch den Druck der Last aufeine Stahlfeder angeben. Dazu gehören die soge-nannten Heuwagen, welche aus einem eisernenTriangel bestehen, mit einem Haken an jeder Ecke,wovon der eine zum Anfassen, die beiden anderenzum Anhängen der Last bestimmt sind, deren Ge-wicht ein Zeiger an einer Skala angiebt.
Wagen oder Kutschen zum Fahren werdenzwar meist von den Stellmachern oder Wagnernund den Sattlern verfertigt; doch gibt es an vielengroßen Orten auch Fabriken davon, namentlich inWien, Prag, Berlin. München, Nürnberg. Frank-furt a. M., Offenbach, Darmstadt, Stuttgart,Mannheim, Hannover, Kassel rc. Eisenbahn-wagen werden von mehreren Eisenbahnanstalten
in bedeutenden Fabriken verfertigt, z. B. von derLeipzig-Dresdner, der sächsisch-baierschen, derMagdeburg-Leipziger Gesellschaft rc. Kinder-wagen aller Art als Spielwerk verfertigt man anden unter S p i e l w a a r e n ausgeführten Orten.
Wählt, s. Cedernholz.
Wahrendorfer Leinen sind die in und umWahrendorf im preuß. Regierungsbezirk Münsterverfertigten Flachsleinen, welche von eben so vor-züglicher Qualität sind, als die Bielefelder, unterderen Namen sie auch gewöhnlich verkauft werden.
Waid oder Färberwaid, Isatis tinc-toria, eine im südlichen Europa hin und wiederwild wachsende, in Frankreich, Italien, Thüringen,Ungarn, im Brandenburgischen rc. kultivirte zwei-jährige Pflanze, die in: ersten Jahre nur große, ausder Erde liegende, eirunde, gezähnte, blau ange-laufene Blätter, im 2. Jahre aber einen 3 — 4 Fußhohen Stengel mitpfeilförmigen, stengelnmfassendenBlättern, kleinen gelben Blüthen und länglichen,Platten, schwärzlichen Schoten mit eirunden, gelbenSamenkörnern treibt. In Deutschland wird dermeiste und beste in Thüringen in der Gegend vonErfurt, Gotha, Langensalza, Arnstadt und Tenn-städt, welche deshalb die 5 Waidstädte heißen, ge-baut. Er wird zum Blaufärben, besonders ausWolle benutzt; durch die häufigere Anwendung desIndigos hat sich sein Gebrauch jetzt sehr vermin-dert, doch kann er bei der Färberei nicht ganz ent-behrt werden. Sein Farbestoff kommt dem des In-digos ganz gleich, und man-hat daher bei sehr hohe»Preisen des letzteren, namentlich während der fran-zösischen Continentalsperre, vielfältige Versuche ge-macht, Indigo daraus zu verfertigen, die aber stetsan dem geringen Ertrage und den verhältnißmäßlghohen Kosten gescheitert sind, denn der beste getrock-nete Waid gibt nicht mehr als 3 % Indigo, meistaber bedeutend weniger. Dagegen hat der Waid alsZusatz zn der Jndigoküpe vortreffliche Dienste ge-leistet. Die Blätter des Waids werden im erstenJahre eingesammelt und zwar im Juni, wenn sieanfangen reif oder gelb zu werden, und das^Cin-sammeln wird in Deutschland während des Som-mers noch 2 mal und zuweilen im folgenden Früh"ling zum 4. Male wiederholt. Diese letzte Erntegibt den sogenannten Komstwaid, der wegen derharten Stengel und Rippen viel schlechter ist, alsder Sommerwaid. Auch die 3. Ernte ist in der Regelgeringer als die beiden ersten. In Frankreich undItalien sammelt man die Blätter öfter, bis 8 maldes Jahres. Sie werden dann gewaschen, möglichstschnell an der Sonne getrocknet und zerstampft odergemahlen; hierauf läßt man sie eine Zeitlang amHaufen liegen und formt dann mit der Hand Kugelndaraus, die man an der Luft trocknet, und in diesemZustande wird der Waid gewöhnlich von den Land-leuten an die Kaufleute verkauft. Von diesen wirder noch raffinirt, indem sie die Kugeln zerschlage«'sie dann auf Haufen bringen, mit Kalkwasfer be-gießen und mehrere Wochen liegen lassen, wobei ersich erhitzt. Die Haufen werden dann auseinandergerissen und das Aufgießen und Gährenlassen3 mal wiederholt, woraus mau den Waid wieder MKugeln formt und diese trocknet. Im Badensche»und in Frankreich unterläßt man jedoch diese ganzZubereitung, weil der Waid in den Kugeln lelchschimmelt; man pulvert daher die getrockneten Blattenur und bringt ihn so in den Handel. Die StabErfurt und Langensalza versorgen fast ganz Deutscht