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Zweiter Band.
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Wallrathlichter

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Warschau

so wird er besonders in Amerika, Westindien nnd inEngland hauptsächlich zur Verfertigung der Wall-rathlichter (s. d.) benutzt; außerdem braucht mauihn in der Medizin als zertheilendes und schmerz-stillendes Mittel, zu Salben und Pflastern; fernerzu Schminken, zur durchsichtigen Seife, zu Poma-den, zur Lithographirtusche, zum Wasserdichtmachendes Leders rc. Man unterscheidet gewöhnlich eng-lischen und amerikanischen, von denen dererstere besser u. reiner ist als der letztere. Der Wall-rath liefert mehrere chemische Produkte, z. B. Cetyl-alkohol (s. d.), oder Aethal, den Cetyläther,der aus Aether in glänzenden Krystallblättchen sich ab-lagert. Palmitinsäure (s. Palmöl) u. a., welchewieder mehrfache Verbindungen eingehen. In ihmist die M a r g a r i n s ä u r e enthalten, welche in we-nig glänzenden durch einander gewachsenen Säulenkrystallisirt, die Stearinsäure, welche geruch-und geschmacklose glänzend weiße, durch einanderverwebte Nadeln bildet. Sie wird auch Talg- undFettsäure genannt und kommt noch in vielen anderenFetten vor. Auch die Oelsäure in verschiedenenFetten und Oelen enthalten, findet sich ini Wallrath,ein farbloses Oel, das in der Kälte zu weißen Na-delkrystallen sich erhärtet, ranzig riecht und schmecktund sauer reagirt.

Wallrathlichter werden aus Wallrath gegossen,dem man gewöhnlich etwas weißes Wachs zusetztund der mit gepulvertem Frauenglas, Salz, Alaun,etwas Milch und Wasser geschmolzen wird. In Eu-ropa sind sie wegen des zu hohen Preises des Wall-raths wenig gebräuchlich und werden außer in Eng-land und Frankreich selten verfertigt, in Amerikaund Westindien aber werden sie in Menge fabrizirt.Sie zeichnen sich eben so sehr durch schönes Ansehen,Durchsichtigkeit und Weiße, als durch Reinheit undWeiße der Flamme aus und übertreffen jede andereArt von Kerzen.

Wallroß, Trichecus Eosniarus, ein imnördlichen Eismeer lebendes, den Robben ähnlichesSeesäugethier, das sich aber von diesen durch 2 großeniedergebogene Eckzähne in der oberen Kinnlade,durch eine dicke, abgestumpfte Schnauze und auf-wärts stehende Nasenlöcher unterscheidet. Es wird15—20 Fuß lang, 3—4 Fuß dick nnd 15—20 Ctr.schwer, lebt in Herden von mehreren Hunderten bei-sammen und entfernt sich oft weit vorn Wasser aufdem Lande und den Eisfeldern, wo es von denJägern erlegt wird. Man braucht davon den Thran,die großen Zähne und die Haut. Der erstere, derin Rußland W o r w a n n o e s a l o genannt wird undbesonders aus Archangel und Petersburg, meist mitSeehunds- oder Weißfischthran vermischt in denHandel kommt, wird wie anderer Thran benutzt.Wegen Holzmangels in den Polargegenden könnenihn die Fischer an Ort und Stelle nicht ansschmelzenund bringen daher gewöhnlich den Speck mit nachHauS, wodurch er aber schwarz und stinkend wird.Die Wallroßzähne sind 2 Fuß und darüberlang und plattgedrückt, der Länge nach gefurcht undmit einem sehr harten, am Stahle Funken gebendenemailartigen Ueberzuge versehen; von der Wurzelaus sind sie hohl, das obere Drittel aber massiv.

Die Masse ist dichter und fester als Elfenbein, nimmtauch eine schönere Politur an als dieses und wird be-sonders zur Verfertigung künstlicher Zähne und zukleinen Drechslerarbeiten verwendet. — Die Wall-roßhaut ist sehr dick und wird besonders zu Hänge-riemen an Kutschen benutzt. Unter indischerWallroßhaut versteht man die des Tugung,1?rioü66U8 Dugong, der in den Meeren zwischenAfrika und Ostindien lebt.

Wampums sind eine Art Perlen oder kleinerCylinder, die aus der Venusmuschel geschnitten sindund besonders sonst den Nordamerikanischen India-nern als Geld, wie die Kauris, dienten. Auch ver-fertigen diese zierliche Wampumgürtel und anderenSchmuck daraus.

Wand ist ein ordinairer dicker, tuchartiger Zeug,gewöhnlich aus schwarzer und weißer Wolle gewebtund daher grau melirt, welcher von den Landleutenin Ostpreußen verfertigt wird.

> Wandflechte, Liehen parietinus, wächst^ besonders häufig an Pappeln, Weiden, Mauern,! hölzernen Wänden; sie hat einen schwachen, dum-i pfigeu Geruch, einen bitteren, der China ähnlichenj Geschmack, als deren Surrogat mau sie früher ge-i brauchte.' Man muß sie im Herbst sammeln.

! Wandkraut, s. Glaskraut,s Wanzenkraut, s. Rosmarin, wilder.

! War, ein Längenmaß auf der Insel Zanzibar.

Warpcops nennt man in England die Kötzerj oder Cops; s. Baumwollengarn.

! Warps, s. Baumwollengarn.

! Warrants werden in der Schweiz, in Belgienj und andern Ländern Scheine genannt, die von Kre-i ditinstitnten, Geschäftstreibenden und Commissionnairs über den Empfang von deponirten Waaren; ausgestellt werden.

i Warschau, Hauptstadt des ehemaligen König-: reichs Polen und des gleichnamigen russischen Gou-vernements, an der Weichsel, über welche eine festej Brücke nach der Vorstadt Praga führt, mit 163,000! Einw., darunter der vierte Theil Juden. Sie ent-j hält viel schlechte hölzerne Häuser, aber auch mehrere! schöne breite und gerade Straßen, 180 öffentlicheund Privatpaläste, darunter das königl. Schloß,10 öffentliche Plätze, 10 Thore rc.; ferner 2 GyM-nasieu. ein theologisches Seminar und mehrereUnterrichtsanstalten, Akademie der schönen Künste,3 öffentliche Bibliotheken, 3 Gemäldesammlungen w-Der Handel ist bedeutend und auch die Industrie hatsich besonders in der neueren Zeit sehr gehoben undvervielfältigt. Es gibt besonders Fabriken von wol-lenen, baumwollenen nnd seidenen Waaren, Leder,Handschuhen, Sattlerwaaren, Kutschen,

Pianos, Tabak, Gold-, Silber-, Bronze- und Neu-silberwaaren, Tapeten, Ackerbaumaschinen, Chenn-kalien nnd Farbewaaren, bedeutende BranntweM-brennereien, Bierbrauereien, die auch Porter undAle verfertigen, Methbrauereien, Dampfmühlen— Warschau ist eine Hauptstation der polnisch-ruLfischen Centralbahn und es wird sowohl dadurch, aiauch durch die Dampfschifffahrt auf der Weichsel, deHandel sehr gefördert.

W e ch s e l p r e i s e. Man notirt hier folgende Course:

auf Amsterdam.für 250 Fl. niederl. Cour. \ in Rubeln u- Kopeke»

„ Berlin, Breslau, Danzig und Leipzig . . . „ 100 Thlr. Cour. i zahlbar in polnischen

„ Hamburg.. „ 300 Mk. Bco. ) Banknoten.