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Zweiter Band.
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Wollkämme

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weiche (engt soft Worsted) wird aus deutscherund australischer Wolle von langem Stapel gespon-nen; es ist glatt und weich und wird hauptsächlichzur Verfertigung von Thibets und Shawls verwen-det. Zum Kammgarn muß die Wolle zuerst vonden Kämmlingen befreit werden, so daß man nurFasern von fast gleicher Länge und nicht unteriVr Zoll als reinen Zug zum Vorspinnen erhält.Dies geschieht durch das Kämmen zwischen er-wärmten stählernen Kämmen, in denen die kurzeund knispelige Wolle sitzen bleibt. Der gereinigteWollbart wird mit der Hand aus den Kämmengenommen, wodurch ein Band von einer gewissenLänge entsteht, das man den Zug nennt; die Zügewerden dann auf den Strecken mit einander ver-bunden und verzogen, wodurch das dünne Vorge-IPinnst entsteht; auch läßt man sie durch erwärmteWalzen gehen, wodurch die Kräuselung der Wollfä-den aufgehoben wird. — Man hat in Flandern undDeutschland schon längst Kammgarn gesponnen, be-sonders in Nonnenklöstern, weshalb es Kloster-garn genannt wurde, und man webte namentlichKamlot daraus. Seit 1794 hat man verschiedeneMaschinen zum Kämmen der Wolle erfunden; inDeutschland aber wird, wo die Handarbeit wohlfeillst, noch viel mit der Hand gekämmt und es existirenUur etwa 20 Kämmmaschinen an 3 bis 4 Orten, ob-gleich Pas mit der Hand gekämmte Garn auch beidem billigsten Arbeitslohn bedeutend theurer zustehen kommt, als mit Maschinen. Außer zu Zeugenwird das Kammgarn auch zu Borten, Knöpfen,Strümpfen rc. verarbeitet und daher auch häufiggezwirnt in den Handel gebracht. Auch verfertigtwan jetzt mit Baumwolle oder mit Floretseide ge-wischtes Kammgarn; das letztere gibt Gewebe vonLr glänzendem, angenehmem Ansehen. — UeberArras- oder Harrasgarn, Sayegarn undZep htzrgarn s. die besonderen Artikel.

. 8VvllenMUfselin, franz. Älousseline de laine,îst ein aus feinem Kammgarn leinwandartig undl°cker gewebter Zeug, der sehr häufig zu Damen-î^sdern getragen wird und eben so sehr wegen seinesnhonen Ansehens als wegen seiner Dauerhaftigkeitvelwbt ist. Er ist meist bunt gedruckt, sowohl aufwttßem, als auf farbigem Grunde und wird an vie-wn andern Orten in Deutschland, England, Frank-^rch fabrizirt. In Sachsen verfertigt man ihn be-w^ders in der Gegend von Reichenbach, Chemnitz,glauchau, Frankenberg, in der Oberlausttz, fernerJ n «F, e '3' Schlei;, in Thüringen, auf dem Eichsfelde,m Böhmen, Wien, Berlin rc. und gedruckt werden>w in Wien, Prag, Chemnitz, Gera, Glanchau, Pe-wg, Eilenburg rc. Eine wohlfeilere Art derselbenww baumwollener Kette werden Milaines ge-kannt und hauptsächlich in der Lausitz fabrizirt.

.. Wvlleriwaaren, oder Wollenzeuge ist zwarwe allgemeine Benennung für alle aus SchafwolleHeils allein, theils mit anderen Faserstoffen gemisch-en Gewebe, doch versteht mau besonders unter demtainen Wollenzeuge die große Classe vonfteii n ' welche entweder ganz aus Kammgarn be-1 hen, oder mit Streichgarn, Kameelgarn, Baum-. Leinen oder Seide gemischt sind. Die An-N„,.s^rselben ist außerordentlich groß und durch diemF^îbdenheit des Gewebes, der Muster, der Appre-, lo wie durch die mannichfaltigen Verbindungens^we.chem und hartem Kammgarn mit den ver-ei «s i nen äderen Garnen, von iockerem oder festem,sachem oder gezwirntem Garne sind eine Menge

von Zeugen entstauben, die sich meist ebenso sehrdurch schönes Ansehen und Dauerhaftigkeit, alsdurch verhältnißmäßige Wohlfeilheit empfehlen undeine Menge früher gebräuchlicher Baumwollstoffeganz oder zum Theil verdrängt haben. Wir habenvon den Hauptgattungen dieser Zeuge, wie Kamlvtt,Serge, Chalons, Droguet, Lasting, Toilinet, Sa-tecn, Bombasin, Bombaset, Merino, Thibet, Or-leans, Berkau, Circassia, Moiräe, Etamine u. v. a.bereits in besonderen Artikeln gesprochen und tragendaher hier nur noch einige allgemeine Notizen überdie Fabrikation derselben, besonders in Deutschland,nach. — Leichte Kleiderstoffe dieser Gattung fabri-zirt besonders Glauchau, schwere Möbelstoffe undTischdecken vorzüglich Chemnitz und Wien. Mäntel-uud Westenstoffe in den verschiedensten Vermischun-gen, besonders mit Seide, werden in eleganten Mo-deartikeln mehr in Frankreich verfertigt, doch auchin Wien; billigere Gattungen liefern Lichtenberg,Callenberg und Ernstthal in Sachsen sehr gut. Inden glatten und gemusterten Stoffen aus weichemKammgarn concurrirt Deutschland mit Frankreich,nur mit Ausnahme der den indischen nachgeahmtenShawls, in denen ihm jedoch die wiener Fabrikensehr nahe kommen. Dagegen steht es Frankreich undnoch mehr England in ganz wollenen Zeugen ausglänzendein hartem Kammgarn und Kameelgarnoder Mohair nach, wie Lastings, Sergen, Toilinetsrc.; auch hat die frühere Fabrikation derselben inDeutschland fast ganz aufgehört und nur Oesterreichfabrizirt, namentlich in Linz, einige Artikel, z. B-zu geistlichen Gewändern. Uebrigens sind in Oester-reich besonders Brünn in Mähren und Reichenbergin Böhmen, so wie mehrere Fabrikdörfer an dersächsischen Grenze, wie Oberleutersdorf, Warns-dorf rc. für die Fabrikation verschiedener Wollen-zeuge wichtig; in Sachsen außer den genanntenOrten: Rochlitz, Crimmitzschau, Merane, Reichen-bach; in Thüringen Mühlhausen und Langensalza,ferner Gera, (Äreiz, Weida, Ronneburg rc.; inWürttemberg Eßliugen, Ludwigsburg, Calw, Hei-denheim rc. Jetzt wird auch viel Streichgarn zuZeugen verwendet, die man sonst aus Kammgarnverfertigte, oder es wird mit diesem vermischt; dahingehören z. B. die Napolitaines, die verschiedenenwarmen Kleider- und Mantelstoffe, die meist carrir-ten Umschlagetücher rc. Man verfertigt diese haupt-sächlich in Chemnitz, Glauchau, Merane , Reichen-bach, Berlin, Heidenheim rc. — Die eigentlichenStreichgarnzeuge sind hauptsächlich die Tuche undtnchartrgen Stoffe, namentlich die verschiedenenBnkskins, die Sibiriennes, Biber u. a. Winterrock-stoffe; ferner die Flanels, Moltons, verschiedeneDecken, die Teppiche rc., die wir ebenfalls in beson-deren Artikeln aufgeführt haben; bei mehreren der-selben wird auch die Vermischung mit Leinen- oderBaumwollengarn, sowie auch, mit Kammgarn ver-schiedentlich angewendet. — Noch erwähnen wireinige Mittel, um Leinen- und Baumwollengarn mWolleiizeugemzu entdecken. Wenn mau den Zeug,entweder ganz oder besser zerzupft, kurze Zeit miteiner Mischung von Bleiglätte, gelöschtem Kalk undWasser erwärmt, so werden die wollenen Fadenbraun und leicht zerreißbar, die anderen aber bleibenunverändert. Auch die Pikrinsäure färbt die Woll-fäden gelb, wird aber von Pflanzenfasern mcht an-genommen. .

Wollkämme, zum Kämmen der zur Verfertigungvon Kammgarn bestimmten Wolle, bestehen aus

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