Zunge
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Zwillich
gende Betriebsamkeit, die den Handwerkern und Kauf-leuten bedeutende Mittel zuführre, ihre Bildung undihr Selbstbewußtsein steigerte, und ihr Streben nachder Beiheiligung an der Regierung der Städte auf-munterte. Der Beginn des Kampfes mit den Pa-triziern (Geschlechtern) führte die Handwerksgenossenzu Verbänden, die anfänglich vorwiegend politischerNatur waren und erst nach langen Kämpfen mitden Patriziern und dem Kaiser Anerkennung fanden.Mit der äußeren Machtentfaltung der Zünfte wurdean deren innerem Ausbau rüstig fortgearbeitet, undnamentlich den Momenten wurde eine eingehendeBeachtung geschenkt, welche die sittliche Kraft unddie Steigerung des Wohlstandes fördern konnten.Zucht und Ehrbarkeit, Vervollkommnung im Ge-werbebetrieb durch Reisen und Prüfungen, Soliditätder Arbeit, durch Schau der Waaren garautirt, Be-schränkung der Concurrenz sowohl innerhalb alsaußerhalb der Zunft, das waren die Grundzügeder Zunftordnungen, mit manch mittelalterlichemGeschnörkel verbrämt. Mit der Abnahme der poli-tischen Macht, in Folge veränderter staatlicher Ein-richtungen^ sank auch mehr und mehr die gewerblicheBedeutung der Zünfte. Die Verknöcherung dieserauf anderen volkswirthschaftlichen Grundlagen ru-henden Einrichtungen, so wie namentlich ihr Kampfgegen die freie Wahl der Erwerbes, rief bald einebedeutende Opposition aller Gebildeten gegen dasZunftwesen hervor, und immer dringender wurdeder Ruf nach Entfernung der Zunftschranken, derengute Einrichtungen nicht ihren Zweck erfüllten, undderen schlimme Auswüchse dem Nationalwohlstandschadeten. Die meisten Staaten beliebten zunächstUebergangSstadien, namentlich Erweiterung der Ge-werbebefugnisse, Verschmelzung mehrerer Zünfte mitgleichartigem Betrieb, Ablösung der Realberech-tigungen u. s. w., die sich jedoch bald als unge-nügend ergaben und einer völligen Gewerbefreiheitmehr und mehr Platz machten. Nicht lange mehrund das Zunftwesen gehört nur noch der Geschichtean. (S. auch I n n u n g e n.)
Zunge, s. Scholle.
Zurkanwolle heißt eine lange, grobe und zottigeWolle aus der Wallachei, ähnlich der ungarischenZackelwolle.
Zwanziger, oder Zwanzigkreuzerstückesind die österreichischen und früher auch in Baiern,Württemberg rc. geprägten sogenannten Kopfstückezu V» Fl- im 20Fl.Fuß.
Zwanzigfrankenstück, eine französische Gold-münze.
Zwanzigguldenfuß, s. Münzfuß.
Zwecken, s. Nagel.
Zweidrittelstücke oder Zweidrittel heißeneigentlich die Gulden des 20- und 21Guldenfußes,welche 2 / 3 Thlr. gelten, doch versteht man in Nord-deutschland vorzugsweis die Neuen Zweidritteloder die Gulden des 18Fl.Fußes darunter.
Zweikorn, s. Dinkel.
Zweikronengarn, s. Leinengarn.
Zweiundfünfzigeinhalbguldenfuß, s. M ü n z -fuß.
Zwerahollunder, s. Attich.
Zwetschen, s. Pflaumen.
Zwickau, Stadt im Königreich Sachsen, an derMulde und an den Eisenbahnen nach Schwarzen-berg, Werdau, Glauchau und Chemnitz gelegen, mit23,000 Einw. Ihren außerordentlichen Aufschwungverdankt sie dem Steinkohlenreichthum der Umgegend,
der auch ihre Industrie sehr gefördert hat. Sie besitzt9 Steinkohlenbauvereine, 3 Eisengießereien, 4 Ma-schinenfabriken, eine Streichgarnspinnerei, eine Por-zellan - Manufaktur, Glas -, Steiuzeug -, Papier-,Chemikalien-, Tuch-, Cigarren-, Faß - und Coaks-fabriken, 2 Dampfschneidemühlen, eine Holzschleiserci,viele Gerber und Nagelschmiede.
Rechnung, Münzen, Maße u. Gewichte,s. Sachsen, Königreich.
Zwickauergrün, eine zuerst in Zwickau ausKupferoxyd und weißem Arsenik bereitete Maler-farbe , die jetzt auch in anderen Farbenfabriken ver-fertigt wird.
Zwieback, s. Schiffözwieback.
Zwiebeln, gewöhnliche, zum Gebrauch in derKüche, sind der Wurzelstock von Allium Cepa, einerfast in allen Ländern in großer Menge angebautenPflanze. Sie enthalten ein weißes, scharfes, flüch-tiges Oel, in dem sich Schwefel aufgelöst befindet,vielen Schleim, unkrystallisirbareu Zucker rc. Siesind meist Gegenstand des Markt- und Gemüse-handels , werden aber in Frankreich, Spanien undanderen südlichen Ländern in noch viel größererMenge verbraucht, als in Dentschland; auch hasman daselbst mehrere Abarten erzeugt, welche beruns unbekannt sind. Außer in der Küche werdensie auch zuweilen in der Medizin, sowohl äußerlichals innerlich, angewendet, und die äußere braunrotheSchale wird zum Färben benutzt. — Ueber Blu-menzwiebeln und Perlz wiebeln oder Rog^g e n b o l l e n s. die besonderen Artikel.
Zwigstoß, oder Zwingstoß, s. Schweins-borsten.
Zwillich ist ein geköpertes festes Leineugewebemit eingewirkten Streifen, Gittern oder viereckigenPlustern, das in verschiedener Feinheit und meistaus gebleichtem, doch aber auch aus ungebleichtemGarne verfertigt wird. Hie feineren Sorten wer-den vorzüglich zu Tischzeugs Handtüchern und Bett-inletten , die geringeren zu Matratzenüberzügen g^braucht; doch ist besonders bei den letzteren dieGrenzlinie zwischen Zwillich und Drell sehr un-bestimmt. Die Tischzeuge werden gewöhnlich inabgepaßten Gedecken von 1 Tischtuch mit 6 oder12 Servietten von verschiedener Größe verfertigtund jetzt haben sie auch oft mit dem Jacquard-stuhle eingewebte runde Muster. Die Handtücherzwilliche sind entweder ebenfalls in abgepaßten Hand-tüchern von 2 — 2i/2 Ellen Länge oder in gleichg^musterten Stücken von 6 /h biö % Ellen Breite, g^wöhnlich mit besonders gemusterten Kanten gewebt-Die ordinairen oder Kücheuhandtücher werden auchvon ungebleichtem Garn oder von gebleichtem undungebleichtem, grau und weiß gemustert, verfertignSowohl die Handtücher als auch die Tischzeugwerden jetzt häufig mit Baumwolle vermischt,man besonders bei den in den Messen zu wohrfeilen Preisen ausgebotenen immer voraussetzenmuß. Die Bettzwilliche sind gewöhnlich rothblau gestreift und haben oft einen Einschlag vonBaumwolle, und auch die Matratzenleinenhäufig so gestreift. In Frankreich werden die Bet^und Matratzenzwilliche Coutils (s. d.) gen?^'Doppel Zwillich nennt man eine feine, KölscheDamast und Zwillich innenstehende Sorte. — ~feineren Zwilliche werden besonders inin der Gegeud von Zittau und auch in mehrerschlefischen und böhmischen Fabrikorten verfertig. 'die geringeren ebendaselbst und in der Gegend v