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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Erdapfel, Erdbirne, Topinambur.

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empfiehlt sich das Vermahlen der Erbsen zu Grütze, (Gries); alle,welche diese Speise jemals gekostet haben, können deren Wohlge-schmack nicht genug rühmen. In Spanien, Sicilien und ei-nigen Gegenden des mittäglichen Italiens pflegt man die Erbsenzu rösten, um sie dadurch schmackhafter und zum Verspeisen ange-nehmer zu machen. Um dieses dort sehr beliebte Gericht zu bereiten,setzt man einen eisernen oder kupfernen flachen Tiegel über dasFeuer und thut eine bestimmte Menge Sand hinein; so wie dieseranfängt sich zu erhitzen, schüttet man die Erbsen dazu und rührtsie mir dem Sande mittelst eines Spatels gut untereinander, so daßdie Hitze sich beiden gleichmäßig mittheilt. Ist die Röstung vorüber,so läßt man alles kalt werden, schüttet es dann in ein Sieb undreinigt auf diese Art die Saamcn von dem darunter befindlichenSande, sie demnächst an trockenen Orten aufbewahrend. Einganz vortreffliches Mastfutter sind Kartoffeln mit Erbsen und Heckselvermengt, für Schafe. Für Pferde zieht man ein Gemisch von Erb-sen, Gerste und Hafer den unvermischten Erbscnkörncrn jedenfallsvor. Den Schweinen sind sie auf alle Fälle am zuträglichsten.

Crdapfel, Grdbirne, Topinambur.

Gehört in die 3te Ordnung der 19ten Klaffe. Gattungskenn-zeichcn: der Saamenboden spreuig und flach; das Haarkrönchen be-steht aus 2 Spreublättchen; der Kelch ist schuppig und etwas sparrig.Diese Pflanze gehört zu der Gattung der Sonnenblumen, hat einen8 bis 9 Fuß hohen Stengel, mit großen, herzförmigen, starken, zu-gespitzten Blättern; die langen, verdickten Blumenstiele haben bor-stenartige Härchen wie die Stengel. Die Blume gleicht ebenfallsder Sonnenblume, ist aber kleiner, ihr Saamen wird nicht reif. Inder Erde treibt sie zaserige Wurzeln mit höckrigen, auswendig blaß-röthlichen, inwendig weißen Knollen; oft findet man über 40 solcherKnollen von der Große mitteler Kartoffeln. Dieses Gewächs, wel-ches den Boden zwar nicht sehr aussaugt, wird, seitdem wir dieKartoffel kennen, wenig mehr gebaut.

In Hinsicht auf Boden und Klima ist die Erdbirne sehr ge-nügsam. Sie kommt in dem höhcrn Gebirge eben so gut fort, alsin den ebenen, wärmern Gegenden, da sie in ihrer Jugend viel Kälteverträgt; der mehr feuchte und gebundene Boden ist ihr eben so zu-träglich als der mehr lose und trockene, weil ihre Blätter ein sostarkes AnsaugungSvermögen haben, daß selbst im völlig ausgetrock-neten Boden die Pflanzen sich frisch erhalten, und in der trockenstenJahreszeit, wo andere Gewächse eingehen, sich bald wieder erholen,wenn die Luft nur etwas feucht wird. In reichem Boden ist zwarnatürlich der Knollenansatz und der Trieb des Stengels stärker, in-dessen ist auch im magern Boden der Ertrag verhältnißmäßig nicht«»beträchtlich. Sie vertragen die frische Düngung nicht nur sehrgut, sondern eS bilden sich nach dieser auch die Stengel und Blatterum so üppiger aus, so wie auch der Knollenansatz stärker wird, doch