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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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Erle, Elfe.

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stehen an den Zweigen Wechselsweise, sind in den Winkeln derhervorragenden Blattnerven mit schwammartigen Drüsen und in derJugend mit einer klebrigen Materie überzogen. Die Erle ist ein sobekannter Baum, daß eine ausführliche Beschreibung derselben füglichunterbleiben kann; sie wächst fast überall, am besten aber an Bächenund in sumpfigen Gegenden, wo sonst nicht viel wachsen will; untergünstigen Umständen erreicht sie eine Höhe von 60 Fuß bei einemDurchmesser von 2 bis 3 Fuß. Sie vollendet auf passendem Bodenihren höchsten Wuchs in 50 60 Jahren, kann aber viel älterwerden. Die Blätter erscheinen Ende April und Anfangs Mai.Die Erle trägt männliche und weibliche Blüthen getrennt auf einemBaume, und beide erscheinen schon im Sommer aus den Spitzender neuen Triebe, obgleich sie im künftigen Frühjahre eigentlich erstblühen. Das männliche Blüthcnkätzchen ist im Herbste ^ Zoll, zurBlüthezeit aber bis 2 Zoll lang, locker, herabhängend und vonbraunrother Farbe, zwischen welcher der gelbe Saamenstaub durch-schimmert. Die weibliche Blüthe besteht in kleinen, schuppigen Zäpf-chen, die zuerst eine graue und zur Blüthezeit eine braunrothe Farbehaben, und bis zum Herbste zu kleinen, eiförmigen Zäpfchen, vonder Größe einer kleinen Haselnuß, heranwachsen. Zur Zeit der Reifehaben die Zäpfchen eine grüngraue, wenn sie aber ihren Saamenausgeschüttet haben, eine braune, grüne Farbe; man darf daher dieEinsammlung dieser Zäpfchen nicht so lange aufschieben, bis sie braungeworden sind. Der Saame stiegt theils schon zu Ende Oktoberund im November, theils aber erst im nächsten Frühjahre aus. Dieabgepflückten Zäpfchen lassen sich in einer mäßigen Stubenwärmeleicht ausklcngcn. Der Saame wird entweder im Herbste oder imFrühjahre gesäet und bis Zoll dick mit Erde bedeckt. Auchschneidet man im Herbste Zweige und Saamenbüschcl ab, und bedecktdamit die Stelle, wo die Erlen hinkommen sollen, indem man demWinde und dem Wetter das Ausstreuen überläßt. Natürlich müssensolche Plätze, wenn etwa noch Gras darauf wachsen sollte, im An-fange mit Abgrasen verschont werden, um die jungen Pflä'nzchen nichtmit abzuschneiden. Die Pflanzen erscheinen mit 2 kleinen, ovalenSaamenläppchen und wachsen schnell. Die Erle liebt einen guten,lockern, mehr feuchten als trocknen Boden. Wo es sehr trocken oderall zu naß und thonig oder torssg ist, wächst sie schleckt; auch ver-trägt sie ein ziemlich rauhes Klima. Westliche und nördliche Lagensind ihr am angemessensten, wenn sie einen lockern und feuchtenBoden haben. In hohen Lagen bleibt sie niedrig und kommt nurüberhaupt bis zu einer Höhe von 3000 Fuß über dem Meere fort.Bei den Flüssen und Bächen trägt sie dazu bei, die Ufer zu befesti-gen, und in den Sumpf- und Moorgegenden ist sie die einzige Holz-art, die außer der Weide fortkommt. Im Allgemeinen verlangt siesowohl unter sich, als unter andern Holzarten einen mehr freienStand, in geschlossenen Holzungen wächst sie minder schnell. Siehat unter den Thieren wenige Feinde; Gipseldürre und Abzehrungsind am ungeeigneten Standpunkte ihre gewöhnlichen Krankheiten, so