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Oekonomische Pflanzenkunde der landwirthschaftlichen Kulturgewächse / von K. Robert Herrmann
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66
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Esparsette.

es

daS dann mehrere Male zu eggen ist, wenn die Wintersaat sehrstark steht, oder nicht minder zeitig mir einem Wurfe Sommersaat,durch welche letztere den jungen Pflanzen auch Schutz gegen Einwirkungder Sonnenhitze gegeben wird. Zwei Berliner Scheffel sind zurAussaat auf einen Magdeburger Morgen erforderlich. Im erstenJahre pflegt man nur einen geringen Ertrag zu haben; aber schonim zweiten hat die Esparsette sich trefflich bestaubet. Reinheit desSaamens, besonders von der Lromus sterilis, und Säuberung derjungen Saaten von den dazwischen befindlichen Anwüchsen jenes Un-krautes, bedingen die Länge und Güte des Bestands, der in einemWoben, dessen Untergrund gleichmäßig gut ist, eine Dauer von 12bis 15 Jahren zeigt. Außerdem sagt Herr Säuberlich, wird einsolches Grundstück hierdurch so meliorirt, daß dasselbe mehrere Jahreohne Dünger und Brache mächtige Erndten in andern Früchten lie-fert. Bei näher liegendem und leichter Kultivirung fähigem Bodenist ein so langer Bestand nicht anzurathen, sondern es sind hier dreibis fünf Erndten zu Verbesserung des Bodens am Vortheilhaftesten.Den Esparsettenfeldern wird noch dadurch sehr aufgeholfen, daß mandieselben zeitig im Frühjahre mit scharfen Eggen zwei bis drei Malbearbeitet. Wirthschaften, denen ein angemessenes Verhältniß vonWiesen zu Theil ist, und wo deshalb der Kleebau nur der Sommer-stallfütterung wegen nothwendig wird, ist bei der Unsicherheit des rothenKlees eine vermischte Ansaat von 1^ Scheffel Esparsette und einerzu einem leichten Wurfe erforderlichen Portion rothen Klees zu em-pfehlen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß selbst da, wo der rotheKlee als alleinige Frucht nicht mehr gedeihen will, derselbe in Ge-meinschaft mit der Esparsette freudig wächst, und somit den dünnenBestand, welcher dieser im ersten Jahre bevorsteht, behindert.Obgleich diese Pflanze nicht in dem hohen Grade, wie der rotheKlee, ihr eigener Feind ist, und nach Unterbrechung mehrerer Jahrewiederholend gute Erträge liefert, so ist selbige doch da, wo sie alsneue Frucht vegctirt, sicherer. Zur Benutzung für das Rindviehist die Esparsette im grünen Zustande, beim Eintritt der Blüthe,am gedeihlichsten. Kein anderes Futter, sagt Herr Säuberlich, be-wirkt einen bessern Milchertrag und mehr körperliche Zunahme. Fürdie Pferde wird sie mit größerem Vortheile zur Zeit, wenn der Saameanseht, verfüttert, und sind die Arbeiren in dieser Periode nichtbesonders angreifend, so kann man hierbei des Körnerfutters gänzlichentbehren, ohne eine Abnahme an Fleisch und Kräften wahrzunehmen.Zur trockenen Fütterung für Pferde ist zum Mähen gleichfalls derZeitpunkt der, wo sich der Saame auszubilden anfängt. Zum Heufür Schafe läßt man die Esvarsette, wenn solche in voller Blüthesteht, mähen. Während des Trocknens darf man nur wenig in demHeu arbeiten und muß dies besonders in der Sonnenhitze vermeiden,weil sonst viele von den Blättern verloren gehen. Bei gutem Wetterwendet man Morgens oder Abends die Schwabe mit den Harken-stielen um und setzt nach einiger Abtrocknung kleine Haufen, diegleichfalls nur in bemerkten Tageszeiten bis zur völligen Trockenheit